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Fussball und Glaube «Gott ist sicherlich neutral!»

Fussballstars mit religiösen Tattoos, Torschützen, die Kusshände zum Himmel schicken, sich bekreuzigende Stürmerstars: Fussball und Religion passen offensichtlich gut zusammen.

Gedanken des Stadionpfarrers von Eintracht Frankfurt, Eugen Eckert, zu den Gemeinsamkeiten von Kirche und Fussball.

Das Fussballstadion als Tempel

Fussballstadion in der Dämmerung aus der Vogelperspektive.
Legende: Keystone

«Viele Dinge, die in den Kirchen über Jahrhunderte zelebriert worden sind, sind von den Fans inzwischen in die Stadien mitgenommen worden», sagt Stadionpfarrer Eugen Eckert. So gebe es im Stadion den «heiligen Rasen» und die Spieler trügen «liturgische Kleidung» (die Trikots).

Die Messdiener des Fussballs

Fussballer laufen mit Kindern an der Hand aufs Spielfeld.
Legende: Reuters

Beim Einlaufen aufs Spielfeld begleiten seit Jahren Kinder die Fussballstars. «Das ist wie der Einzug der Messdiener in der katholischen Messfeier», sagt Eckert. Die Schiedsrichter wiederum vergleicht der Frankfurter Stadionpfarrer mit dem Pfarrer und den Lektoren in der Messe: «Sie gewährleisten die Ordnung.»

Musik und Gesang – wie in einer Messe

Senegalesiche Fans im Stadion singen und tanzen.
Legende: Keystone

Musik und Fangesänge gehören ebenfalls zu einem Fussballspiel. Dazu kommen Einpeitscher, die den Rhytmus vorgeben und die Fans einstimmen: Auch dies ein Element, das an eine Liturgie erinnert. «In den Fussball sind viele bekannte religiöse Elemente übertragen worden», sagt Eckert.

«Gott verhält sich neutral»

Brasilianischer Nationalfussballer betet mit Blick zum Himmel in strömendem Regen.
Legende: Reuters

Beten bringt nichts, sagt Eckert. Denn Gott verhalte sich neutral. Gewiss werde vor vor jedem Spiel auf beiden Seiten für den Sieg gebetet – in diesem Dilemma könne sich Gott schlicht nicht für die eine oder andere Seite entscheiden.

Taufe und Heirat in der Stadionkapelle

Eugen Eckert mit weissem Haar und in dunklem Anzug steht in der Stadionkapelle neben drei Kerzen.
Legende: michael meier

«Ich habe in der Stadionkapelle schon 150 Taufen und viele Hochzeiten zelebriert», sagt Pfarrer Eckert mit einigem Stolz. Dabei erinnere er die Fans jeweils an die für Christen wichtigste Regel überhaupt: «Was du nicht willst, das man dir tut, füge keinem anderen zu», wie die Worte Jesu in den Volksmund übergegangen seien. Dies gelte auch für den Fussball und die Fans.

Vor jedem WM-Spiel eine Messe

Messe im Stadion vor dem Spiel, Fans stehen vor der Riesenleinwand, darauf predigt ein Pfarrer.
Legende: michael meier

Im Frankfurter Stadion findet während der WM ein grosses Public Viewing statt – jeweils mit einem ökumenischen Gottesdienst im Stadion. Vor dem Spiel Deutschlands gegen Schweden etwa werde der Gottesdienst zusammen mit den schwedischen Fans gefeiert: «Denn es gibt viel mehr, das uns verbindet, als uns trennt», so Eckert. «Beim Gebet gehört dann dazu, dass es fair zu geht und niemand verletzt aus dem Stadion abtransportiert werden muss.»

Das kann die Kirche vom Fussball lernen

FAns verschiedener Couleur hoffen und bangen gemeinsam während des Spiels.
Legende: Keystone

«Die Kirche kann aus der Integrationskraft des Fussballs lernen», ist Eckert überzeugt. Er verweist dabei auf die zahlreichen Spieler mit Migrationshintergrund, aber auch auf die Tatsache, dass beim Fussball alle mitmachen könnten, die Lust dazu hätten. «Bei uns in den Kirchen ist diese Integrationskraft viel weniger stark zu sehen.»

Der Stadionpfarrer in seinem Element

Pfarrer Eckert im Stadion von Eintracht mit einem Ball in der Hand.
Legende: michael meier

Eugen Eckert selber liebt den Fussball und die Fans. Sonst wäre er wohl der falsche Mann im falschen Beruf – als Stadionpfarrer bei Eintracht Frankfurt.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Die grosse Gemeinsamkeit: Beides, Religion und Profi(t)sport ist Opium für's Volk und dient einzig der Umverteilung von unten nach oben!
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Wenn ein christlicher ""Theologe"" meint, Gott sei bei Fussballspielen sicher neutral, so fragt man sich schon, was denn Inhalt und Ergebnis dessen Studium an Erkenntnis über Gottes Wesen und Handeln gebracht hat. Bibel lesen würde dem Glauben Grundlage sein um entstehen zu können. Gott interessiert sich für jeden Menschen, aber nicht um deren Sieg oder Niederlage, nicht um Wasserbesprengung von Säuglingen etc, sondern um deren Heil im Anerkennen des stellvertretenden Kreuzestodes Seines Sohnes.
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Bild Nr. 6 mit Mario G. trifft den Nagel auf den Kopf.
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