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Thomas Rosemann: «Wahrheitsgehalt schwierig zu überprüfen»
Aus News-Clip vom 10.07.2019.
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Gefährliches Halbwissen Wenn Youtube-Videos Kranke noch kränker machen

Eine Studie des Universitätsspitals Basel kommt zum Schluss: Über ein Drittel der meistgesehenen Youtube-Videos zum Thema Ekzeme sind potentiell schädigend. Zahlreiche Zuschauer können Videos mit seriösem Inhalt offenbar nicht von solchen mit Unseriösem unterscheiden.

Die Selbstdiagnose im Internet hat ihre Tücken – und kann für Patienten sogar gesundheitsgefährdend sein. Mediziner des Universitätsspitals Basel haben die 100 am häufigsten angesehenen Youtube-Videos zum Thema Ekzeme analysiert und sind zu einem alarmierenden Ergebnis gekommen:

  • 2/3 der untersuchten Videos waren von minderwertiger oder sehr minderwertiger wissenschaftlicher Qualität.
  • 50 Prozent der Videos waren «irreführend».
  • Bei 1/3 der Videos handelte es sich um «potentiell schädigendes» Material.

Gemäss der Studie wurden Ekzem-Patienten demnach zu unnötigen Diäten ermutigt oder ihnen wurden Behandlungen ohne detaillierte Informationen über Anwendungsdauer und Risiken vorgeschlagen. Zum Teil wurden auch «Wunderkuren» versprochen.

Die Ergebnisse weisen laut den Studienautoren auch darauf hin, dass Zuschauer Videos mit hochwertigem Inhalt nicht von solchen mit fragwürdigem Inhalt unterscheiden können.

Die Anzahl Klicks bei Videos sei definitiv kein Indikator für die medizinische Qualität, warnt auch Thomas Rosemann. Er ist Professor für Hausarztmedizin an der Universität Zürich und erlebt immer wieder, dass Patienten nicht gut zwischen seriösen und unseriösen Informationen unterscheiden können. «Gerade bei Youtube haben wir ein öffentlich zugängliches Medium, wo jeder irgendetwas hochladen kann und den Wahrheitsgehalt kann der Zuseher eigentlich sehr schwer nur überprüfen».

Mehr Schaden als Nutzen

Heute informieren sich Patienten bei Krankheitssymptomen oft direkt im Internet. Wenn ein Patient danach gut informiert zum Arzt gehe, könne das durchaus sinnvoll sein, so Rosemann.

Wahrheitsgehalt kann der Zuseher eigentlich sehr schwer nur überprüfen.
Autor: Thomas RosemannProfessor für Hausarztmedizin an der Univerisität Zürich

Gleichzeitig führe die Internetrecherche oft zu unnötiger Verunsicherung – zum Beispiel bei simplen Kopfschmerzen. Im Internet fänden sich Beiträge, die Kopfschmerzen mit einem Hirntumor in Verbindung brächten.

Weiter heisse es dann in Internetbeiträgen, «dass man das doch mit Bildgebung – sprich mit einem Kernspin – abklären muss. Und wenn sie dann natürlich verunsichert sind und zum Hausarzt gehen und dieses Kernspin einfordern, dann ist es in den allermeisten Fällen einfach grober Unfug und erzeugt unnötige Kosten», bemängelt Rosemann.

Verbesserung ist nötig

Um die Situation für Patienten zu verbessern und die Vorteile der Internetrecherche nutzbar zu machen, schlagen die Autoren der Studie vor, dass professionelle dermatologische Organisationen ihre Präsenz und Sichtbarkeit auf Youtube deutlich erhöhen.

Tatsächlich waren Videos solcher Organisationen in der Studie in der Unterzahl: Nur 21 Prozent der untersuchten Videos stammten von Institutionen aus dem Gesundheitswesen, sogar nur 8 Prozent von Universitäten.

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Mehr zum Thema in «10vor10», um 21.50 Uhr auf SRF 1.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Oswald Daniel  (dani 1)
    Wenn schlechte Ärzte Patienten noch kränker machen.....
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Denke, wer mit seinen Ärzten fachlich+menschlich zufrieden ist, wird kaum od.gar nicht zum Internet greifen. Leider gibt es aber nach wie vor Fachleute, die beides nicht vorweisen, da ist es mehr als verständlich, dass zuerst das Netz konsultiert wird, bevor man sich in diese Mühle begibt, aus der man oftmals kaum mehr hinausfindet, in der aus einer Verschiebung HWS plötzlich ein Tumorverdacht, aus einem Sehnenanriss ein Bandscheibenvorfall, mit medikam.od.operat.Schwergeschütz geschossen wird.
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Bei den Medikamenten sind es noch deutlich mehr Prozent die krank machen. Ich sage nur Magenschutz, Prostata, Schmerzmittel, Blutverdünner. Als Folge eines Dauerkonsums resultieren Magenblutungen, Herzprobleme und Demenz.
    Zu Youtube: jedes Kind weiss doch, dass im Internet nichts wahr und gratis ist. Liest man jedoch unterschiedliche Benutzerberichte und hat auch noch die selben Nebenwirkungen kann durchaus was dran sein. Man muss ja nicht blind alles glauben, dass gilt auch für andere Dinge.
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Es gibt genug medizinische Informationen im Internet, die "wahr und gratis" sind (besonders im englischsprachigen Raum) Aber nicht jeder und jede kann die Spreu vom Weizen unterscheiden. Wenn eine Webseite etwas verkaufen will, ist das bereits ein verdächtiger Indikator. Ohne gesunden Menschenverstand und zumindest rudimentäres medizinisch Wissen ist das Internet wirklich gefährlich.
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    2. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Herr Weljaminoff, nicht jeder kann das. Wer das Leben und seine Facetten und Zusammenhänge nur vom Touchscreen her kennt, gehört sicher nicht dazu. Insofern haben wir ältere Generationen m.E. die besseren Karten,
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    3. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      @Pip Da bin ich vollkommen mit Ihnen einverstanden. Und das Problem ist, dass diese Einschränkung auch für alle anderen Bereiche gilt. Und machmal sind auch "wir Älteren" überfordert, besonders wenn es sich um Behauptungen oder Inhalte handelt, die wissenschaftlich oder historisch umstritten sind. Denn jeder, der ein Talent hat, irgendein Thema überzeugend zu präsentieren, wird Anhänger finden. Und das kann wirklich gefährlich werden.
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