Gestohlene Diamanten durchaus leicht absetzbar

Der spektakuläre Diamantenraub auf dem Flughafen von Brüssel lässt den Laien staunen. Nicht nur die Professionalität der Diebe wirft Fragen auf. Ist es normal, dass Diamanten mit Linienflügen transportiert werden? Und, wie leicht lassen sich die Steine verkaufen?

Diamanten.

Bildlegende: Diamanten sind für immer: Mit den Edelsteinen wird wenig spekuliert. Keystone

«Das Leben ist voller Risiken», meint Diamantenexperte Walter Muff scherzhaft zu SRF News Online und bestätigt damit, dass es üblich ist, Diamanten mit Linienflügen zu transportieren. Entscheidend sei nicht der Transport im Flugzeug. Viel gefährlicher sei der Weg vom Händler an den Flughafen, erklärt der Experte weiter. Am Flughafen selber habe es einen Sicherheitsschalter, an dem man wertvolle Gegenstände abgeben könne. Sobald das Flugzeug in der Luft sei, sei ein solcher Transport sicher.

Ein Transport mit einem Privatflugzeug ist gemäss Muff unverhältnismässig. Allein schon der Transport mit einem Linienflugzeug sei teuer genug. «Zudem ist eine solche Beförderungsart schneller.»

«Am nahesten beim Geld»

Grundsätzlich sind geraubter Schmuck und Edelsteine nicht leicht wieder absetzbar. Der Diamant sei aber «am nahesten beim Geld», erklärt Experte Muff weiter. Das heisst, dass Diamanten am besten wieder zu Geld gemacht werden können. Zwar werden die Diamanten üblicherweise zertifiziert und tragen oft eine Lasermarkierung. «Ein Umschleifen eines Steins ist jederzeit möglich und kann von Profis mit dem entsprechenden Schleifgerät erledigt werden», betonte der Direktor des Schweizerischen Gemmologischen Instituts SSEF, Dr. Michael S. Krzemnicki. Zudem seien kleinere Steine schlechter identifizierbar, erklärt wiederum Muff.

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Diamantenraub in Brüssel

1:44 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.2.2013

«Durchaus möglich ist, dass die nun geraubten Steine für eine längere Zeit nicht auf dem Markt sein werden und erst nach und nach wieder auftauchen», erklärt Krzemnicki und Muff ergänzt: «Wenn sie morgen schon angeboten würden, dann ist die Wiedererkennung gross und man würde das schon erfahren.» Der Diamantenhändler seien eine kleine Familie. Ein Diamanthändler habe aber kein Interesse daran, gestohlene Ware zu kaufen, weil das grösste Gut, welches auf dem Spiel stehe, Vertrauen sei. «Es gibt aber immer schwarze Schafe», betont Muff weiter. Fest stehe aber, dass die Diamanten wieder in Umlauf kommen.

Kein explizites Spekulationsobjekt

Bleibt noch die Frage, warum der Diamantenraub gerade jetzt geschehen ist. Der Preis für Diamanten ist seit ein paar Monaten relativ stabil, wie der Diamantenexperte erklärt. Es gäbe aber immer mehr Personen, die vor einem Crash bei anderen Edelmetallen wie Gold Angst hätten. Darum würden diese in Sachwerte wie zum Beispiel Diamanten investieren.

«Die Leute kaufen aber eigentlich keine Diamanten zum Spekulieren», betont Muff abschliessend. Edelsteine seien emotionale Geschenke. Ein Diamant sei das härteste Material der Welt – Symbolisch gesehen ein Geschenk für immer.

Schliff ist entscheidend

Der Wert eines geschliffenen Diamanten wird durch die vier «C» bestimmt: Carat (Gewicht), Colour (Farbe), Clarity (Reinheit) und Cut (Schliff). Die Diamanten haben üblicherweise eine Zertifizierung von bekannten Instituten, wie zum Beispiel dem Gemological Institute of America (GIA). Zusätzlich werden die Steine mit einem Laser markiert.