«Gonzalo» als Vorbote von Kälte und Schnee

Die Ausläufer des Hurrikans «Gonzalo» sind über die Schweiz hinweggezogen. Der Sturm erreichte auf dem Chasseral Böenspitzen von 171 km/h. Umgestürzte Bäume und Gegenstände auf der Fahrbahn störten den Strassen- und Schienenverkehr. Nun kommt in den Alpen der erste grosse Schnee.

Der erste Herbststurm

Die Ausläufer des Hurrikans «Gonzalo» sind am Nachmittag im Nordwesten auf die Schweiz eingetroffen. Die nachfolgende Kaltfront ist dann auf der Alpennordseite gegen 20:00 Uhr mit Sturm- bis Orkan-Windgeschwindigkeiten über den Jura und und das Mittelland gezogen.

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Herbststürme legen den Verkehr in der Schweiz lahm.

1:52 min, aus Tagesschau Nacht vom 21.10.2014

Der Sturm sorgte vielerorts für Verkehrsbehinderungen. Umgestürzte Bäume und Gegenstände auf der Fahrbahn behinderten den Strassen- und Schienenverkehr.

A5 gesperrt – Probleme im Regionalverkehr

In der Romandie wurde die Autobahn A5 in Richtung Neuenburg zwischen Yverdon-West und Neuenburg wegen diversen Gegenständen auf der Fahrbahn gesperrt, wie der Verkehrsinformationsdienst Viasuisse mitteilte. Die Kantonspolizei Neuenburg hätte gemeldet, dass weggewehte Hausdächer die Fahrbahnen versperrten. Wegen der Räumungsarbeiten könnte die Autobahn bis Mittwoch früh gesperrt bleiben, hiess es.

Im Mittelland fegte das Sturmtief ein Gewächshaus sowie Blachen auf die Autobahn A1 bei Wangen an der Aare (BE). Im Zürcher Oberland führte der Sturm zu massiven Verkehrsbehinderungen. Auf der Forchautobahn (A52) kam es laut der Kantonspolizei Zürich gleich zu mehreren Unfällen. Mehrere Bäume und Bauabschrankungen stürzten auf die Fahrbahnen, durch Laub verstopfte Abflüsse sorgten für grosse Wasserlachen. Im ganzen Kanton wurden rund 60 Feuerwehrorganisationen zu insgesamt 136 Einsätzen gerufen, wie Schutz & Rettung Zürich am Abend mitteilte.

Im Schienenverkehr kam es in den Kantonen Jura, Bern, Solothurn und Basel zu diversen wetterbedingten Unterbrüchen auf Regionalstrecken.

Bis 125 km/h im Mittelland

Laut SRF Meteo wurde um 21 Uhr auf dem Chasseral (1594 m ü.M) im Berner Jura Windspitzengeschwindigkeiten von 171 Kilometer pro Stunde gemessen. Ab 125 km/h sprechen die Meteorologen von einem Orkan. Beim Zug über das Mittelland tobte der Sturm auch bei Grenchen (SO) mit 125 km/h als Orkan über die Stadt.

Wetterradar-Bild.

Bildlegende: Um 20:40 war die gesamte Alpennordseite vom durchziehenden Regenwolken und Sturmböen betroffen. SRF

Generell lagen die Windgeschwindigkeiten zwischen Cressier (NE) bis zum Bodensee knapp über 100 km/h. Sturmspitzen wurden auch in Zürich-Fluntern mit 105 und in Schaffhausen mit 111 km/h registriert.

Feuerwehren stehen im Einsatz

Laut dem Radarbild von SRF Meteo war nach 20:30 Uhr die gesamte Alpennordseite von den Regenwolken und Sturmwinden betroffen.

Im Kanton Basel-Landschaft stehen die Feuerwehren zum Einsatz. Kurz vor 20 Uhr rückten die Feuerwehren von Laufen und Reinach (BL) aus. In Laufen stürzte ein Baum gegen ein Haus und durchschlug mit einem Ast das Dach. In Reinach droht ein riesiger Nussbaum auf die Neuhofstrasse zu stürzen.

Orkanböen am 21. Oktober 2014

Hörnli (ZH)131 km/h
Pilatus (OW/NW)129 km/h
Grenchen (SO)125 km/h
Uetliberg (ZH)125 km/h
La Dole (VD)123 km/h
St. Chrischona (BS)122 km/h
Le Moleson (FR)121 km/h
Liestal (BL)119 km/h
Cressier (NE)113 km/h
Schaffhausen111 km/h
Luzern105 km/h
Zürich105 km/h
Egolzwil (LU)104 km/h
Seerücken (TG)102 km/h
Binningen (BL)93 km/h

Der Sturm wird in der Nacht deutlich nachlassen. Auf den Berggipfeln gibt es aber weiterhin Orkanböen, prognostiziert SRF Meteo. Dazu fällt teils kräftiger Regen. Die Schneefallgrenze sinkt bis Mittwochmorgen auf 1000 bis 600 Meter. Die Temperaturen erreichen am Mittwoch nur noch 5 bis 8 Grad. Im Süden scheint mit aufkommendem Nordföhn zeitweise die Sonne bei rund 15 Grad.

Ein Zug fährt entlang der englischen Küste und wird von einer hohen Welle getroffen

Bildlegende: Viele Ausfälle auf dem britischen Verkehrsnetz: Ausläufer des Hurrikans «Gonzalo» treffen heute auch auf die Schweiz. Keystone

«Gonzalo» tobt in Grossbritannien

Die Ausläufer des Hurrikans «Gonzalo» trafen bereits am Dienstagmorgen auf die Westküste Grossbritanniens – mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Vorsichtshalber wurden deshalb 80 Flüge von und nach London-Heathrow gestrichen.

Auch Zugverbindungen fielen aus, vor allem in Wales und Südengland. In Schottland blieben Fähren in den Häfen und Brücken wurden geschlossen. Gar ein Todesopfer hat Grossbritannien zu beklagen: Mitten in der Londoner Innenstadt ist eine Frau gestorben, nachdem sie von einem umstürzenden Baum getroffen wurde.

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