Gottes Briefkasten quillt über – aufräumen müssen andere

An der Klagemauer in Jerusalem platzieren so viele Menschen ihre Gebete in den Ritzen, dass der «Account Gottes» voll ist. Wenig göttlich müssen nun Menschenhände den Engpass beheben.

Wer zu lange seine Post nicht abholt, oder das E-Mail-Konto nicht leert, der kann sich bei der anstehenden Aufgabe verheben. Gut, wenn andere den Job übernehmen.

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Gebete sammeln an der Klagemauer (unkomm.)

0:32 min, vom 25.8.2013

Dem Rabbi der Klagemauer ist das Problem bekannt. Man habe zwar genügend spirituellen Platz, der physische aber gehe aus. So bleibe nichts anderes, als alle Papiere zu entfernen, wenn die Mauerritzen nach einem halben Jahr voll seien. Weil die Notizen nur für den Schreiber und den Schöpfer bestimmt seien, werde niemand die Nachrichten lesen. Nun mangelt es in Israel nicht an heiligen Stätten. Ein Ort für die «Endlagerung» ist bereits gefunden. Die Papiere werden am Ölberg vergraben.

Die Klagemauer ist für die Juden der wichtigste religiöse Ort. Die Wand ist der einzige Rest, der nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer stehen blieb. Gläubige schreiben Wünsche und Gebete auf Papier und stecken dies in die Mauerritzen. Wer nicht vor Ort ist, kann auch eine E-Mail schreiben. Diese wird ausgedruckt und in der Mauer platziert.