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Panorama Gross und stark auch ohne Käse und Wurst?

Vegane Ernährung liegt im Trend. Rund 80‘000 Menschen in der Schweiz verzichten auf sämtliche tierischen Produkte. Ist diese Art der Ernährung gesund – auch für Kinder? Josef Laimbacher, Chefarzt für Jugendmedizin am Kinderspital St. Gallen, liefert Antworten.

SRF: Josef Laimbacher, welche Kinder kommen zu Ihnen und worunter leiden diese?

Josef Laimbacher: Wir behandelten in den letzten Jahren etwa sieben kleine Patienten mit Unterernährung wegen veganer Lebensweise. Grundsätzlich möchte ich aber sagen: Wir am Ostschweizer Kinderspital verteufeln Veganer oder Vegetarier auf keinen Fall.

Was geben Sie vegan lebenden Familien mit?

«Informiert Euch!» Man kann auch kleine Kinder rein pflanzlich ernähren, aber dazu braucht es grosses Wissen über Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe sowie professionelle Unterstützung. Zudem sollten gerade vegane Kinder regelmässig ärztlich kontrolliert werden. Wer seine Kinder vegan grosszieht, muss sich Checks diszipliniert stellen, um mögliche Mängel schnell aufzudecken.

Welche Folgen kann falsche vegane Ernährung bei Säuglingen und Kleinkindern haben?

Problematisch ist vor allem der Mangel an Vitamin B12. Patienten mit einem solchen Mangel sind in ihrer neurologischen Entwicklung zurückgeblieben und nicht selten nachhaltig geschädigt. Ich rate dringend zu Nahrungsergänzungsmitteln, speziell bei Schwangeren.

Gerade bei Kindern in der Pubertät ändern sich die Essgewohnheiten ja oft stark…

Richtig, hier sind viele Eltern gefordert – ob vegan oder nicht. In dieser Phase steigt der Energiebedarf, Jugendliche haben dann oft mehr «Gluscht» auf bestimmte Nahrungsmittel. Der Körper ruft nach energiedichter Kost. Es gilt, auf eine ausgewogene, vollwertige Kombination zu achten.

Welche Entwicklungen beobachten Sie ausserdem?

Bei Jugendlichen, in deren Umfeld Nahrung eine zentrale Rolle spielt, können komplexe Essstörungen auftreten. Wir kennen zum Beispiel die Orthorexia nervosa. Sie bezeichnet ein ausgeprägtes Verlangen danach, sich möglichst «gesund» zu ernähren. Essen wird so zur Ersatzreligion und dominiert Betroffene in ihrem Alltag.

Worauf müssen Senioren achten?

Meist haben ältere Menschen weniger Appetit. Veganer «schaffen» die grossen Mengen nicht mehr so einfach, welche sie zur Abdeckung ihrer Bedürfnisse bräuchten, vor allem bezüglich der Eiweissversorgung. Zudem erholen sich mangelernährte Menschen im Alter schlechter, zum Beispiel nach Operationen. Die Muskulatur ist geschwächt und sie haben kaum mehr Energie-Reserven.

Das Interview führte Andrea Christener

Josef Laimbacher

Josef Laimbacher

Josef Laimbacher ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH sowie Mitglied der Eidg. Ernährungskommission.

Vegan – die neue Religion?

Vegan – die neue Religion?

In der Schweiz leben 80'000 Veganer. Ist Veganismus mehr als ein Trend? Diesem Thema widmete sich der «Club». Zur Sendung.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Canonica, Hölstein
    ...sooo aaaaalt dieses Thema... gähn !!! ...aber wo die Bibel recht hat, hat sie recht !!! ;-) Römer 14,1-3 "Wer isst, der verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, der richte den nicht, der isst."
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  • Kommentar von Florian Schmid, ZH
    Die Zahl der Mitreitenden auf der hippen Veganwelle wird sich sowieso bald wieder reduzieren. Alles was einmal modisch war, wird wieder langweilig und ad acta gelegt. Und ich denke, die "aus Überzeugung-Veganer", wissen, wie sie sich richtig ernähren müssen.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Ob vegan oder querbeet und Fleischkonsum. Viel mehr Sorgen bereiten mir Tatsachen, was wir im Supermarkt oder an lokalen indigenen Marktständen so an Nahrung einkaufen. Ich sehe hier die (nicht angemessen entsorgten) Herbizidflaschen in unseren Mais/Bohnenfeldern rumliegen. Wenigstens weiss man dann gleich, womit gespritzt wurde. Gerade in Drittländern ohne "Kantonschemiker". Sterben tun wir eh, schneller mit herbizid, pestizid und/oder hormonbelastet. Die ganze Welt hat ein Ernährungsproblem.
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