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Gründer der Humanethologie Irenäus Eibl-Eibesfeldt verstorben

Irenäus Eibl-Eibesfeldt in seinem Arbeitszimmer. Archivbild.
Legende: Irenäus Eibl-Eibesfeldt in seinem Arbeitszimmer im Juni 2013. Keystone
  • Der österreichisch Wissenschaftler Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist im Alter von knapp 90 Jahren in Deutschland verstorben.
  • Er begründete die wissenschaftliche Disziplin Humanethologie, die sich mit Menschen angeborenen Verhaltensweisen beschäftigt.
  • Eibl-Eibesfeldt verwahrte sich zeitlebens dagegen, dass seine Forschung als Rechtfertigung für Fremdenfeindlichkeit missbraucht wird.

Seine Karriere begann der Österreicher Eibl-Eibesfeldt als Zoologe in Wien. Er untersuchte die Verhaltensweisen von Tieren und wirkte mit, dass die Galapagos-Inseln unter aufgrund ihrer einzigartigen Tierwelt unter Schutz gestellt wurden.

Was ist Ethologie?

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Irenäus Eibl-Eibesfeldt
Legende:Keystone

Ethologie – nicht zu verwechseln mit Ethnologie, der vergleichenden Kulturforschung – ist die biologische Verhaltensforschung. Eibl-Eibesfeldt wandte diese Methodik als erster auf Menschen an und begründete damit die wissenschaftliche Disziplin der Humanethologie. Er untersuchte die evolutionsbiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Der Unterschied zur Humanpsychologie liegt vor allem in der theoretischen Untermauerung durch das evolutionsbiologische Konzept sowie in den methodischen Ansätzen.

Später widmete er sich dem Verhalten der Menschen. Sein Standardwerk «Biologie des menschlichen Verhaltens» unterscheidet zwischen angeborenen und kulturell bedingten Verhaltensweisen. So erstellte er eine Art Urgrammatik menschlichen Verhaltens.

Keine Rechtfertigung für Rassismus

Mit der These, die Scheu vor fremd aussehenden Menschen sei angeboren und könne bei zu viel Zuwanderung von kulturell unterschiedlichen Menschen in Fremdenhass umschlagen, zog Eibl-Eibesfeldt jedoch Kritik auf sich. Doch er wollte seine Forschung nicht als Rechtfertigung für Fremdenfeindlichkeit verstanden wissen. «Fremdenscheu hat kulturunabhängig jeder. Zu Fremdenhass wird man erzogen», sagte er und plädierte dafür, die den Menschen angeborene Fähigkeit zum Brückenschlag zu fördern.

Lange Karriere

In seinem Leben hat Eibl-Eibesfeldt weit über 600 Publikationen veröffentlicht, darunter mehr als 20 Bücher. Bis ins hohe Alter hat er sich der Forschung verschrieben. Noch bis 2006 reiste er zu den Buschmenschen in Botswana und dokumentierte, wie sich deren Lebensweise drastisch veränderten. Zuletzt beschäftigte sich der Forscher, der am Starnberger See nahe München in Deutschland lebte, mit der Aufarbeitung seiner jahrzehntelangen Forschungen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Scheu vor fremd aussehenden Menschen» ist angeboren als Rezeptor für Menschen, die uns vertraut oder nicht sind. Die nicht vertrauten Menschen sind gut für unser Neugierdeverhalten, die anderen bei Sicherheitsbedürfnis (N. Bischof). Befremdend verhaltende Leute, lösen durchaus Aversionen aus, z.B. für mich Publikum an einer SVP-Wahlveranstaltung. Im eriträischen Restaurant habe ich mich danach wieder heimisch gefühlt. Scheu n Fremdenhass sind nicht angeboren, sondern Resultat von Motivation.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Was sagte schon Einstein - tritt ein Genie in die Welt, erkennt ihr es an den Narren die sich dagegen verschwören. Auch Eibl-Eibesfeldt war so ein Genie , er wurde weit unterschätzt in seiner Zeit und wird erst 100Jahre später voll erkannt werden. Auch den Schutz der Galapagos verdanken wir diesem voraussehenden Forscher. Vielen Dank für dieses grossartige Schaffen. Im hätte der Nobelpreis schon lange vor Anderen zugesprochen gehört . Die wahren Genies arbeiten eben im Stillen.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Mit der These, die Scheu vor fremd aussehenden Menschen sei angeboren und könne bei zu viel Zuwanderung von kulturell unterschiedlichen Menschen in Fremdenhass umschlagen, zog Eibl-Eibesfeldt jedoch Kritik auf sich. Da kann man sehen, wie scharf dieser Forscher den heutigen Zeitgeist schon damals erkannt hat -mit der Betonung "kann in Fremdenhass umschlagen" hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber die Politik weiss es ja immer besser und verursacht einen Chaos nach dem anderen. Nobelpreis
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