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Haarwuchsmittel in der Kritik Volles Haar, dafür Flaute im Bett

Der Wirkstoff Finasterid bringt Kopfhaare zum Spriessen – und wird für heftige Nebenwirkungen verantwortlich gemacht.

Legende: Video Haarausfall – Machen Anti-Glatzen-Mittel impotent? abspielen. Laufzeit 15:00 Minuten.
Aus Puls vom 07.05.2018.

Aus Angst vor einer Glatze nehmen über 100'000 Männer in der Schweiz das Haarwuchsmittel Finasterid. Das Mittel wirkt, doch Depressionen, Konzentrationsschwäche und Impotenz können die Folge sein. Das Medikament steht unter Verdacht, dauerhafte und schwere Nebenwirkungen zu haben.

Dass Finasterid Impotenz und Erektionsstörungen auslösen kann, ist bereits seit längerem bekannt. Laut Studien erkranken rund zwei Prozent an diesen Nebenwirkungen. Die Patienten, die das Medikament täglich schlucken, nehmen dieses Risiko bewusst in Kauf, es ist im Beipackzettel aufgelistet.

Unbekannte Nebenwirkungen aufgetaucht

Lange unbekannt war, dass die unerwünschten Effekte nicht verschwinden. Auch nicht nach dem Absetzen des Medikaments. Manchmal tauchen die Nebenwirkungen sogar erst nach dem Absetzen auf. Seit 2012 melden sich immer wieder Patienten mit diesem Problem.

Finasterid – auch bei vergrösserter Prostata im Einsatz

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Der Wirkstoff Finasterid wird auch zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrösserung eingesetzt. Dadurch verkleinert sich das Drüsenvolumen um etwa einen Viertel bis einen Drittel, weil Finasterid das in der Prostata vorkommende Enzym 5-alpha-Reduktase hemmt. Der PSA-Wert sinkt etwa auf die Hälfte des Ausgangswertes. Betroffene schlucken oft fünf Milligramm Finasterid, das rezeptpflichtige Haarmittel enthält lediglich ein Milligramm des Wirkstoffs.

Oft setzen Mediziner zur Behandlung der vergrösserten Prostata das Mittel Dutasterid ein. Dessen Nebenwirkungen sind sogar noch stärker als jene von Finasterid. So leiden zwei Prozent der Männer unter erektiler Dysfunktion bei Finasterid; unter Dutasterid sind es sechs Prozent.

Auch bei diesem Medikament häuft sich der Verdacht, dass es Probleme nach dem Absetzen gibt. Urologen vertreten jedoch die Auffassung, dass dieses Medikament nicht abgesetzt werden muss und im Normalfall bis ans Lebensende eingenommen wird.

Die Medizin kennt nun ein neues Krankheitsbild: Das «Post-Finasterid-Syndrom». Hinweise dazu sind in der Packungsbeilage noch immer nicht zu finden. Laut MSD, dem Hersteller des Original-Präparats, gibt es zu wenige Beweise, dass es ein solches Syndrom wirklich gibt. Zurzeit sei es erst noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.

Hormonhaushalt dauerhaft verändert

Finasterid greift in den Hormonhaushalt des Körpers ein. Es bremst die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) – ein Stoff der die Haare ausfallen lässt.

Legende: Video Wie Finasterid den Haarausfall stoppt abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Vom 07.05.2018.

Dermatologen rätseln nun darüber, ob damit auch der Stoffwechsel im Gehirn verändert wird. Urologe Christian Sigg hat einen Erklärungsansatz:

Legende: Video Dr. Christian Sigg zum Post-Finasterid-Syndrom abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Vom 07.05.2018.

Möglicherweise bleibt der Stoffwechsel dauerhaft geschädigt. Je länger Finasterid eingenommen wird, desto höher ist das Risiko von langanhaltenden Problemen. Die komplexen Symptome wurden über lange Zeit unterschätzt. Laut Medizinern ist dieses Störungsbild kaum behandelbar.

Sammelklagen eingereicht

Immer mehr Männer melden und gruppieren sich, um Klagen gegen die Hersteller einzureichen. Alleine in den USA sind bereits 1400 Klagen eingegangen. Zwei Geschädigte in Deutschland klagen sogar gegen die Aufsichtsbehörde. Die Betroffenen sind frustriert, dass sie nicht vorgängig wussten, welches Risiko sie eingehen.

12 Kommentare

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