Henning Mankell ist tot

Die Literaturszene hat mit Henning Mankell nicht nur einen der erfolgreichsten Krimi-Autoren der Welt verloren. Der schwedische Schriftsteller engagierte sich auch gegen Armut in Afrika und für die Sache der Palästinenser. Er erlag am frühen Morgen in seiner Heimat einem schweren Krebsleiden.

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Der Schöpfer von Kurt Wallander ist tot

1:27 min, aus Tagesschau vom 5.10.2015

Der schwedische Bestseller-Autor und Aktivist Henning Mankell ist tot. Er starb am frühen Montagmorgen zuhause in Göteborg, wie sein Verlag mitteilte. Mankell wurde 67 Jahre alt.

«  Der Tod kommt immer als ungebetener Gast und stört.  »

Henning Mankell
in seinem kürzlich erschienenen Buch «Treibsand»

Mankell war seit Jahren schwer krebskrank. Erst kürzlich hatte er über seine Krankheit ein Buch veröffentlicht. In «Treibsand – Was es heisst, ein Mensch zu sein» schrieb er sehr persönlich über sein Leben nach der erschütternden Diagnose, die er Anfang 2014 erhalten hatte. «Keiner will sterben, weder jung noch alt. Sterben ist immer schwer», heisst es dort über den Tod.

Einer der meistgelesenen Autoren weltweit

Henning Mankell wurde durch seine Krimis über den Ermittler Kurt Wallander berühmt, von denen viele auch verfilmt wurden.

Rund um den Globus hatte der Schöpfer der Romane um den mürrischen Kommissar Millionen Fans. Mit über 40 Millionen verkauften Büchern katapultierte Kurt Wallander seinen literarischen Vater regelmässig an die Spitze von Bestsellerlisten und machte ihn zu einem der meistgelesenen Krimiautoren weltweit.

Doch Wallander als Mankells literarisches Lebenswerk zu bezeichnen, greift zu kurz. Der Schwede verfasste auch zahlreiche Romane zu vielen anderen Themen, schrieb fürs Fernsehen und stellte Theaterstücke auf die Beine.

Engagement gegen Armut in Afrika und für die Palästinenser

Auch war Mankell nicht nur als Schriftsteller tätig. Sein politisches Engagement gegen Armut und Analphabetismus in Afrika nahm einen grossen Teil seiner Zeit in Anspruch. Der Kontinent war neben Schweden seine Heimat, viele seiner Bücher handeln von Afrika. In der mosambikanischen Hauptstadt Maputo gründete und leitete Mankell eine Theatergruppe.

Bärfuss, Mankell und Köhler.

Bildlegende: 2009 ehrte Horst Köhler (r.) Mankell für sein Engagement in Afrika. Lukas Bärfuss (l.) erhielt einen Sonderpreis. Keystone

2009 erhielt der Schwede den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück «für sein Afrika-Werk». Der damalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler hielt die Laudatio. Mit einem Teil des Preisgeldes unterstützte Mankell das Projekt des 2010 verstorbenen Christoph Schlingensief, in Afrika ein Festspielhaus zu bauen.

Solidarisch zeigte sich der überzeugte Sozialist Mankell auch mit den Palästinensern. Der Richtersohn, der mit Eva Bergman, einer Tochter von Filmregisseur Ingmar Bergman, verheiratet war, gehörte 2010 zu den Passagieren einer «Gaza-Hilfsflotte», die israelische Soldaten mit einem blutigen Einsatz stoppten.

Programmhinweis

In Memoriam Henning Mankell ändert SRF1 sein Programm und zeigt:

  • «Wallander – Ein Mord im Herbst» am Samstag, 10.10.2015 um 23.10 Uhr;
  • «Wallander – Die Hunde von Riga» am Samstag, 17.10.2015 um 23.25 Uhr
  • «Wallander – Vor dem Frost» am Samstag, 7.11.2015 um 23.15 Uhr.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Grosse Angst»: Bestsellerautor Henning Mankell hat Krebs

    Aus glanz und gloria vom 29.1.2014

    Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist an Krebs erkrankt. In der Zeitung «Göteborgs Posten» schrieb der 65-Jährige am Mittwoch, ihm sei vor zwei Wochen gesagt worden, er habe einen Tumor im Hals und einen in der Lunge.