Wo die höchsten Häuser stehen

Immer raffinierter und vor allem immer höher. Die Bevölkerungszunahme in den urbanen Zentren wirkt sich auch auf die Architektur aus. Doch die Boomregionen von einst sind unlängst von anderen Gebieten abgelöst worden.

Seit 2006 lebt erstmals mehr als die Hälfte der Menschen in urbanen Räumen. Eine solche Bevölkerungszunahme innert weniger Jahre geht nicht spurlos an Städten vorbei. Denn sie wirkt sich nicht nur auf die Mobilität und die Lebenskosten, sondern ganz generell auf das Stadtbild aus. Rund die Hälfte der Hochhäuser, die weltweit in Städten stehen, wurde in den vergangenen 13 Jahren gebaut.

Während bereits im vergangenen Jahrhundert vor allem in Amerika in die Höhe gebaut wurde, stehen die architektonischen Bauwunder heutzutage hauptsächlich in den asiatischen Metropolen.

Stellvertretend dafür steht die chinesische Millionen-Stadt Schanghai: Zählte die Stadt 1980 nur 120 Hochhäuser, waren es Mitte der 2000er-Jahre schon 12‘000.

Doch was genau ist ein Hochhaus? Architekten sind sich hierzu uneinig. Spricht man in Zürich etwa ab einer Höhe von 25 Metern von einem Hochhaus, braucht es in Schanghai mindestens acht Etagen. Doch diese Definition ist eine rein praktische: Sie bezieht sich nämlich auf die maximale Höhe, die die Feuerwehrleute normalerweise mit ihren Leitern erreichen können.

Hochhäuser als Krisen-Index

Unterdessen ist das Erreichen von neuen Höhen-Bestmarken zu einem regelrechten Wetteifern geworden. Unlängst gehört es dazu, die tatsächliche Höhe der Gebäude erst bei der Eröffnung dieser zu nennen – wie etwa beim derzeit höchsten Gebäude, dem Burj Khalifa in Dubai. Neben den normalen Hochhäusern gibt es allerdings nur gerade mal 50 so genannte «Superhochhäuser» weltweit – und nur sieben von ihnen wurden 1990 erbaut.

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Hochhäuser sagen Krisen voraus

1:25 min, aus ECO vom 30.9.2013

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen zum Hochhaus-Boom. So wird etwa moniert, «das Hochhaus gelte als verschlossen gegenüber der Umgebung und als gegen die Stadt gerichtet».

1999 hat der Ökonom Andrew Lawrence die Hypothese aufgestellt, dass die höchsten Gebäude der Welt stets am Vorabend von wirtschaftlichen Krisen gebaut wurden. Umso interessanter ist deshalb die Entwicklung in der Hochhaus-Boomstadt Schanghai.

Literaturhinweis: Hochhaus – Wunsch und Wirklichkeit. Von Andreas Janser. Museum für Gestaltung Zürich.

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Sendelogo der «10vor10»-Serie zu Hochhäusern

Hochhäuser sind Symbole für Wachstum und wirtschaftliche Macht. «10vor10» gibt dem Phänomen in einer mehrteiligen Serie ein Gesicht und zeigt Menschen, die in Hochhäusern leben und arbeiten.