Hochhaussprengung: 10,9,8 der Countdown läuft

Die Tage des «Sprecherhofs» in Aarau sind gezählt. 75 Kilogramm Sprengstoff werden das Hochhaus gezielt zum Einsturz bringen – eine Premiere in der Schweiz.

Torfeld-Süd, Aarau, 8. März, 2 Uhr: Das «Todesurteil» an einem Aarauer Wahrzeichen wird vollstreckt. Sekunden später wird vom «Sprecherhof» (Rockwell) nur ein grosser Trümmerhaufen übrig sein. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, erklärte Walter Weber. Er ist Chef der GU Sprengtechnik. «Das ist kein Theater, das ist Arbeit», betonte Weber. Nicht nur das: Es ist das erste Mal, dass ein Schweizer Hochhaus gesprengt wird.

1500 Zünder und 75 Kilo Sprengstoff

Seit Dezember vergangenen Jahres beschäftigt sich Sprengmeister Weber mit dem Grossprojekt. Die eigentlichen Bauarbeiten laufen seit Ende Januar. Im leeren Gebäude werden Wände herausgebrochen, um es zu schwächen. Zudem werden derzeit 1400 Löcher gebohrt. Fachleute verlegen 1500 Zünder. Damit werden 75 Kilogramm Sprengstoff auf Millisekunden genau gesprengt. Seit Anfang Woche wird deshalb der «Sprecherhof» bewacht.

«Man muss die Statik des Gebäudes genau kennen», sagte Weber in «Schweiz aktuell». Es brauche zudem Kenntnisse über den Zustand der Armierung und des Betons. Danach könne man die nötigen Berechnungen vornehmen, sagte der Sprengmeister. Sein Ziel ist: Möglichst wenig Sprengstoff zu verwenden, um das Gebäude zu Fall zu bringen.

Zuerst soll am Skelettbau der Sprengstoff an drei Stellen gezündet werden, damit dieser Bau senkrecht in sich zusammenfällt. Nach ein bis zwei Sekunden soll der Sprengstoff am massiven Treppenturm im zweiten und sechsten Geschoss gezündet werden.

«Es wird ordentlich Staub geben»

Die Fachleute wollen so erreichen, dass der 45 Meter hohe Turm einknickt und kippt. Auch in den zwei Kellergeschossen des Turms wird Sprengstoff gezündet.

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1500 Zünder und 75 Kilo Sprengstoff: Der Countdown läuft

8:11 min, aus Schweiz aktuell vom 7.3.2013

Weber rechnet damit, dass 5000 Tonnen Masse einstürzen. Es werde ein Schuttkegel mit einer Fläche von 15 mal 30 Metern entstehen, der bis zu 15 Meter hoch sein werde. «Es wird ordentlich Staub geben», sagte er.

Der Rückbau und die Sprengung kosten rund 1,5 Millionen Franken. Die Eigentümerin des Hochhauses, die Immobiliengesellschaft Mobimo Holding AG, lässt sprengen, weil dies die «effektivste Lösung» sei, hiess es vor den Medien. Man könne sechs Wochen Zeit sparen.

Grossräumige Sperrung

Der 1966 erbaute «Sprecherhof» steht in einem ehemaligen Industrieareal – unweit des Bahnhofes Aarau. Der in den Boomjahren des letzten Jahrhunderts verbaute Asbest und PCB wurden fachgerecht entfernt und entsorgt. Beim Hochhaus handelt es sich um einen monolithischen Stahlbetonbau mit zwei Stützreihen.

Die Sprengung findet aus Sicherheitsgründen in der Nacht statt. Das Gebiet um das Hochhaus, das nur rund 100 Meter von der SBB-Bahnlinie Bern-Zürich entfernt ist, wird grossräumig abgesperrt.

In der engeren Gefahrenzone werden die wenigen Anwohner evakuiert. In der äusseren Zone sollen die Personen in den Häusern bleiben und die Fenster schliessen.

Zahlreiche Schaulustige erwartet

Mehr als 100 Personen werden im Einsatz stehen und für Sicherheit sorgen. Neben Polizei und Feuerwehr arbeiten auch 50 Armeeangehörige des Lehrverbandes Genie/Rettung mit. Sie werden mit Wasserwerfern den Staub eindämmen.

Scheinwerfer werden das Hochhaus anleuchten. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass der grosse Knall viele Zuschauer anlocken wird. Wenn alles gemäss Drehbuch abläuft, soll die äussere Gefahrenzone bereits eine halbe Stunde nach der Sprengung freigegeben werden.

Die Immobiliengesellschaft Mobimo will am Standort bis 2016 ein neues Wohn- und Arbeitsquartier errichten. Die GastroSocial Pensionskasse, die Vorsorgeeinrichtung der Wirte, wird an der Stelle des «Sprecherhofes» ein neues, zwölfstöckiges Hochhaus errichten.