In der Schweiz gibt's immer mehr ausländische Pilze

Gebietsfremde Tiere und Pflanzen kennen wir. Jetzt zeigt ein Bericht der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL): Das gibt es auch bei Pilzen. Und manche richten grosse Schäden an.

Der «Leuchtende Weichporling».

Bildlegende: «Leuchtender Weichporling» heisst dieses Prachtexemplar (Pycnoprellus Fulgens). Kurt Bisang

Sie heissen Neomyceten. Neue Pilze, die eigentlich nicht hierhin gehören. Die aber dank weltumspannedem Handel trotzdem zu uns gelangt sind und sich wegen des Klimawandels bei uns sehr wohl fühlen.

Der Tintentfischpilz (Clathrus archeri).

Bildlegende: Nomen est omen: Der Tintentfischpilz (Clathrus archeri). Beatrice Senn-Irlet (WSL)

Da viele der eingewanderten Pilze kaum bekannt sind, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die WSL mit der ersten umfassenden Erhebung in der Schweiz beauftragt. Mehr als 300 solche eingeschleppten Pilzarten dokumentiert die Forschungsanstalt.

Häufig sind die neuen Pilze Parasiten von Garten- oder Wildpflanzen. Und nicht alle sind harmlos: Manche richten beträchtlichen wirtschaftlichen und ökologischen Schaden an.

Auch ein «Zauberpilz» ist mit dabei

Die Experten gehen davon aus, dass viele der Pilze mit Holzlieferungen, Verpackungsholz oder Holzschnitzeln nach Europa eingeführt wurden. Sie haben in freier Wildbahn jedoch auch aus Zuchten stammende Speisepilze entdeckt, wie etwa den Rotbraunen Riesen-Träuschling.

Ebenfalls aus Zuchten – allerdings aus illegalen – dürfte der «Zauberpilz» Psilocybe cyanescens stammen, ein halluzinogener Rauschpilz, wie es in der Mitteilung heisst. In Acht nehmen sollten sich Pilzsammler auch vor dem Parfümierten Trichterling aus Nordafrika, der schwere Vergiftungen verursacht und leicht mit den einheimischen Trichterlingen und Rötelritterlingen verwechselt werden kann.

Experten fordern mehr Kontrollen

Beunruhigend sei die rasante Verbreitung von Krankheitserregern, schreiben die Pilzexperten. Ein bekanntes Beispiel ist das Eschentriebsterben durch einen aus Ostasien eingeschleppten Pilz, der Blätter und Stämme der Esche befällt. Die Krankheit wurde 2008 zum ersten Mal in Basel nachgewiesen. Sie hat sich innerhalb von kurzer Zeit auf der Alpennordseite ausgebreitet und tritt seit 2003 auch südlich der Alpen auf, so dass heute 90 Prozent aller Eschenbestände betroffen sind.

Um der Einschleppung neuer Neomyceten vorzubeugen, sollten Importe lebender Pflanzen, aber auch Substrate wie Holz und Erde, umfassender kontrolliert werden, raten die WSL-Pilzexperten.