Zum Inhalt springen

Panorama In Italien haben es Bären gut – noch

Seit 2005 sind in der Schweiz zehn Bären gesichtet worden. Allen gemeinsam ist die Herkunft aus dem italienischen Parco Naturale Adamello-Brenta. Bislang lebten die rund 50 Bären dort ungeschoren, nun wächst aber die Sorge vor illegalen Abschüssen.

Tote Bären sind in Südtirol beliebtes Anschauungsmaterial in den Schulen. Das Amt für Jagd und Fischerei in Bozen (Südtirol) will mit den toten Exemplaren zeigen, dass sich vor Bären und ihren Krallen niemand zu fürchten braucht. Aber nicht alle sehen das so. Amtsvorsteher Martin Stadler meint: «Die Stadtbevölkerung kann sich vorstellen, mit dem Bären zu leben, aber die ländliche Bevölkerung, vor allem die Landwirte, sehen im Bären, im Grossraubwild, eher ein Problem.»

Legende: Video «Bären auch in Südtirol wenig geliebt» abspielen. Laufzeit 4:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.08.2014.

So wie im Weinbaudorf Tramin in Südtirol. Im letzten Winter strich dort ein Bär um die Höfe. Es waren die Spuren von M25, der im Mai in der Nähe von Zernez (GR) erstmals gesichtet wurde. Weil der Jungbär seine Bürger ängstigte, nahm Bürgermeister Werner Dissertori die Sache selber in die Hand. Er sah vom Bären eine «grosse Gefahr» ausgehen. Deshalb setzte er die Behörden unter Druck.

«Jetzt haben wir die Nase voll, jetzt ist die Geduld am Ende – entweder tut's ihr was in zwei Wochen oder sonst muss ich ihn zum Abschuss freigeben», droht Dissertori. Ein Affront, denn der Abschuss ist verboten.

Sorge vor einer sinkenden Akzeptanz

M25 gehört eigentlich nicht nach Tramin, sondern in den Naturpark Adamello-Brenta, etwas südlich von Tramin gelegen. Dort lebt eine Population von rund 50 Bären.

Vor 15 Jahren wurde dort der erste Bär ausgesetzt. Weitere folgten, das europäische Projekt «Life Ursus» wurde zum Erfolg. Von Anfang an dabei war der Zoologe Andrea Mustoni. Er konstatiert eine gesunkene Akzeptanz in der Bevölkerung, auch weil es immer mehr Bären gebe. «Wir haben Bedenken, dass die Akzeptanz noch mehr sinkt. Illegale Abschüsse könnten folgen und die Anwesenheit der Bären gefährden.»

Offenbar ist diese Sorge nicht unbegründet, denn die Zahl der Bären sinkt. Und das, obwohl viele Bären zur Welt gekommen sind. Wildhüter vermuten deshalb illegale Abschüsse von Bären durch erboste Bürger. Zumindest in einem Fall konnte der Verdacht bewiesen werden.

M25 wurde zwar nicht erschossen, aber der renitente Bär ging den Jagdbehörden tatsächlich in die Falle. Er wurde mit einem Sender ausgestattet, bevor er sich Richtung Graubünden aufmachte. Der Südtiroler Jagdvorsteher Martin Stalder ist jedenfalls froh, dass alles reibungslos über die Bühne gegangen ist.

Der Bär M25 an einer Strasse
Legende: Der Bär M25 pendelt in letzter Zeit regelmässig zwischen der Schweiz und Italien. Keystone

Bürokratie verhindert schnelle Abschüsse

In der Gemeinde Tramin sieht man das nach wie vor anders. An den Bergflanken seien wieder Bären unterwegs, wenn auch unauffällig. Sollte jedoch einer der Bären auffällig werden, sollten diese abgeschossen werden können, meint der Jäger Werner Dibiasi. Denn «einen auffälligen Bären nicht zu entnehmen, schadet der Population. Es schadet den Bären mehr, als wie es uns schadet», sagt der Jäger.

Für den Bärenabschuss bräuchten die Südtiroler die Zustimmung aus Rom und die ist dank der italienischen Bürokratie nahezu unmöglich. Bislang sind die Bären in Italien also sicher – noch.

7 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Schärer, Engadin
    Also, das verstehe wer will. Da der Bär keine natürlichen Feinde hat, warum also soll er nicht durch die offizielle Jagt geregelt werden? Das macht man ja mit dem restlichen Wild auch so. Wenn der Bär sein Revier verlassen will, weil er dort keinen Platz mehr hat, dann soll er doch geschossen werden. Än guätä
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von R.Käser, Zürich
      @Schärer, Auch der Mensch hat keine natürlichen Feinde. Nach Ihrer Logik und in aller Konsequenz sollte auch der Mensch gejagt und geschossen werden? Ich finde diesen Ansatz etwas rustikal! Aber es wäre im Sinne der weltweiten Artenvielfalt, wenn wir für alle Arten (inkl. Mensch) praktikable Lösungen finden. Auch än guetä.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pia Müller, 9443 Widnau
    Danke R. Käser. Zuerst schreit alles "Zurück zur Natur" - obwohl jeder weiss, dass "unsere CH-Natur" keine mehr ist, vor allem nicht für Wolf und Bär. 100 Km ohne Häuser, Menschen, Schafe, Ziegen gibt es bei uns nie mehr - das sollten diese Wildtiere jedoch mind. haben. Schlussendlich, wenn der Wolf oder Bär zu nahe an diese "Naturschützer" gerät, wird er abgeschossen. Problem gelöst, Angst keine mehr !!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Werner Schmutz, Eptingen
      Pia Müller - genau so sehe ich es auch. Ob Wisente, Bären und Wölfe... Unsere Gemspopulation, die in unserem Gebiet vor 50 Jahren ausgesetzt wurden, gedeiht prächtig und ist trotz happigem Futterverzehr (auf einigen Weideplätzen) akzeptiert. Gemsen fressen eben keine Esel, Schafe, Ziegen und Kälber und erfreuen uns an ihrem Dasein. Auch Schwarzwild wäre besser akzeptiert, wenn ihre Anzahl in Grenzen bleiben würde.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von R.Käser, Zürich
      Also gehören Raubtiere weltweit nur noch in den Zoo? Dann hätte das grösste und egoistigste Raubtier Platz, es handelt sich um ein Zweibeiner. Wir könnten dann unserem endlosen Wachstum auf einem endlich grossen Planeten frönen. Damit sind die Hausaufgaben nicht gemacht, sondern nur verschoben. Wenn wir wirklich das oberste Geschöpf der Schöpfung sind, sollten wir die Verantwortung tragen und Platz für andere Existenzen schaffen. Verantwortung tragen ist unbequem, aber souverän.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Die Italiener werden es den Wallisern gleichtun, d.h Bartgeier gibt's eh keine mehr und die paar Wölfe laufen schon mit kugelischeren Westen rum.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen