Insolvenzverfahren: Neue Hoffnung für den Suhrkamp Verlag?

Jahrelang lähmte ein Streit der Gesellschafter die Verlagsarbeit. Das Insolvenzverfahren könnte Suhrkamp nun aus der Sackgasse führen.

Dieses Ende wird eine Anfang sein – so oder so ähnlich muss wohl die Stimmungslage im Haus Suhrkamp sein. Denn mit dem nun eröffneten Insolvenzverfahren könnte es dem Verlag gelingen, den ungeliebten Minderheitsgesellschafter Hans Barlach (39 Prozent) aus dem Haus zu drängen.

Barlach hatte seit 2006 versucht, die Mehrheit im Verlag zu erlangen. Dazu erwarb er unter anderem über einen Mittelsmann die Anteile des Schweizer Unternehmers Andreas Reinhart (25 Prozent) am Suhrkamp Verlag. Doch allen Klagen und Prozessen zum Trotz gab die Verlagschefin Ursula Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent am Unternehmen hält, nicht klein bei. Die Folge: Rechtsstreitigkeiten lähmten den Verlag seit Jahren.

Abfindung für austretenden Gesellschafter

Laut Suhrkamp Verlag sieht der Insolvenzplan die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft vor. Dieser Schritt sichere die Existenz und Handlungsfähigkeit des Verlags, teilte das Traditionshaus mit. Zudem würden alle Arbeitsplätze erhalten.

Der Plan sieht laut Verlag auch ein Abfindungsangebot vor, sollte einer der beiden Gesellschafter an dem umgewandelten Verlag nicht mehr beteiligt sein wollen. «Damit wird jedem der Gesellschafter die Möglichkeit eröffnet, seine Aktien an einen Dritten zu übertragen», heisst es.

Frisch und Hesse erschienen bei Suhrkamp

Das 1950 von Peter Suhrkamp gegründete und von Siegfried Unseld fortgeführte Unternehmen zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Verlagen. Zu seinen Autoren gehören Christa Wolf, Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Uwe Johnson, George Tabori, Uwe Tellkamp, aber auch der Schweizer Max Frisch. Der Jahrzehnte in Frankfurt ansässige Verlag zog 2010 nach Berlin.