Romance-Scam Intelligenz schützt nicht vor Liebesbetrügern

Ob jemand Opfer von Liebesbetrügern wird, hat nichts mit Intelligenz zu tun. Eine Kriminologin der Schweizerischen Kriminalprävention erklärt, wer anfällig auf solche Betrugsversuche ist. Und sie stellt düstere Prognosen: Die Betrüger erfinden immer neue Tricks und Maschen.

Nachdenklicher, trauriger Mann.

Bildlegende: Die Opfer erleiden nicht nur einen finanziellen Schaden. Viele fallen in eine tiefe Depression. Colourbox

«Wie kann man nur so dumm sein?», fragen sich wohl viele, die über solches Verhalten lesen. Fest steht: Mit mangelnder Intelligenz hat es wenig zu tun. «Vielmehr mangelt es den Opfern meist an Medienkompetenz», erklärt Chantal Billaud, Kriminologin bei der Schweizerischen Kriminalprävention. Sie führt regelmässig Beratungen durch und tauscht sich mit den Polizeikorps über solche Fälle aus.

SRF: Frau Billaud, sie sagen, die meisten Opfer sind nicht medienkompetent. Was heisst das genau?

Chantal Billaud: Oft werden Menschen zu Opfern, die zu blauäugig im Netz unterwegs sind. Sie kennen die grundlegende Funktionsweise des Internets zu wenig und wissen nicht, wie einfach und alle Arten von Informationen gefälscht werden können.

«  Bei Romance-Scam gilt leider oft: Hungerndes Herz frisst Hirn. »

Ist nicht auch die Einsamkeit daran Schuld, dass Männer und Frauen all ihre Hoffnungen und Gefühle auf solche Flirts setzen?

Auch. Typische Opfer zeichnen sich durch ein grosses Bedürfnis nach emotionaler Zuwendung aus. Während man bei Opfern von Anlagebetrügern von «Gier frisst Hirn» spricht, muss man hier leider wohl sagen: «Hungerndes Herz frisst Hirn.»

Die Scammer scheinen wahre Meister der Manipulation zu sein. Wie schaffen sie es immer wieder, sich ihre Opfer hörig zu machen?

Das sind professionelle Liebesbeschwörer, die sich bestens darauf verstehen, zu flirten, zu umgarnen und den Opfern den Himmel auf Erden zu versprechen. Sie manipulieren die Gefühlswelt der Betroffenen, bis diese blind vor lauter Liebe werden.

Wo lernen die Scammer das? Sind es Naturtalente?

Betrugsbanden im Netz sind unterschiedlich professionell. Es gibt tatsächlich Hinweise, dass von solchen Banden so etwas wie interne Schulungen organisiert werden.

«  Je mehr an Gefühlen und auch Geld investiert wurde, desto hartnäckiger will man daran glauben, dass es kein Betrug ist. »

Warum sind Opfer oft so uneinsichtig und wollen monatelang nichts von einem Betrug wissen?

Es gibt Opfer, die einfach zu überzeugt sind, endlich die grosse Liebe gefunden zu haben; der Wunsch nach einer Partnerschaft ist stärker als alle Fakten. Dazu kommt: Je mehr an Gefühlen und auch Geld investiert wurde, desto hartnäckiger will die Person daran glauben, dass es kein Betrug ist. Der emotionale und finanzielle Verlust wäre kaum zu verkraften. Die meisten Betroffenen sind aber sehr rasch einsichtig, sobald sie merken, wie der Betrug abläuft.

Sie sprechen nebst finanziellem auch von emotionalem Verlust. Womit haben Opfer vor allem zu kämpfen?

In erster Linie leiden sie unter dem Vertrauensbruch und an der Scham, so naiv und bedürftig gewesen zu sein. Aber es gibt auch Opfer, die eine solche Erfahrung gut wegstecken und uns lachend berichten, wie naiv sie gewesen seien und dass ihnen so etwas garantiert nicht mehr passieren wird.

«  Es werden immer wieder neue Maschen und Tricks auftauchen. »

Neuere Fälle zeigen, die Betrüger schrecken auch nicht vor Erpressung zurück.

Ja, somit überlappen sich die Modi Operandi von Romance-Scam und Sextortion. Dies ist die letzte uns bekannte Manipulation, aber wir sind sicher, dass auch hierbei immer wieder neue Maschen und Tricks auftauchen, denn die Betrüger sind kreativ, innovativ, hartnäckig, geduldig, mit allen Wassern gewaschen und sehr bewandert im Umgang mit den Digitalen Medien.

Im Interview:

Im Interview:

Chantal Billaud, Kriminologin und stellvertretende Direktorin bei der Schweizerischen Kriminalprävention.