Italien kämpft um das Wrack der «Costa Concordia»

Das Schiffswrack der «Costa Concordia» vor der Insel Giglio ist bald zum Abtransport bereit. 75'000 Tonnen Metall müssen fachgerecht entsorgt werden. Um den grossen Auftrag streiten sich Häfen auf der ganzen Welt.

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«Costa Concordia» wird aufgerichtet (Zeitraffer)

3:32 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.9.2013

Die «Costa Concordia» ist aufgerichtet, liegt aber immer noch vor der Küste der italienischen Insel Giglio, wo sie im Januar 2012 leckschlug. «Das Wrack wird im Juni weggeschleppt», verkündet Franco Gabrieli. Er ist Chef des italienischen Katastrophenschutzes und von der Regierung eingesetzter Koordinator der Bergung des Kreuzfahrtschiffes.

Giglio dank «Costa Concordia» sogar im Winter gut besucht

Auf der Insel Giglio löst die Nachricht ungläubiges Staunen aus. Die Einwohner haben sich an den Anblick des rostenden Kreuzfahrtriesen gewöhnt. Und – so sagt ein Restaurantbesitzer am Hafen mit einem Augenzwinkern – sie hätten ihn schon fast liebgewonnen. «Vorher haben wir die Wirtschaftskrise zwar schon zu spüren bekommen», sagt er. Doch jetzt sei die Insel sogar im Winter wieder gut besucht. «Jetzt wollen sie das Wrack wegschaffen. Das wird noch Jahre dauern, glaube ich.»

Es stellt sich auch die Frage, wohin die «Costa Concordia» gebracht werden soll. Ursprünglich war der nächstgelegene Hafen, Piombino bei Livorno, favorisiert worden. Doch um den Kreuzfahrtriesen aufnehmen zu können, müsste dort das Hafenbecken vergrössert werden. Davon ist noch nichts zu sehen. Die Chancen, dass das Becken innerhalb eines halben Jahres vergrössert wird, sind gering.

Angebote aus der ganzen Welt

Die Reederei Costa Crociere, die zum US-Kreuzfahrtkonzern Carnival gehört, hat den lukrativen Auftrag zur Verschrottung auch international ausgeschrieben. Insgesamt haben sich zwölf Häfen dafür beworben: Neben vier italienischen auch Häfen aus Grossbritannien, Frankreich, Norwegen, der Türkei und China.

Der Konzern zieht gemäss Aussagen von Verantwortlichen einen italienischen Hafen vor. Anders äusserte sich Italiens Umweltministers Andrea Orlando im italienischen Fernsehen: «Costa Crociere drängt darauf, das Wrack in der Türkei zu entsorgen.»

Rom will Wrack in Italien behalten

Doch die Reederei werde akzeptieren müssen, dass für das Abwracken der «Costa Concordia» die europäischen Richtlinien zur Müllentsorgung gelten. «Diese interpretieren wir so, dass das Wrack in Italien bleibt.» Es handle sich um Sondermüll, dieser müsse fachgerecht entsorgt werden. «Wir wollen, dass diese Arbeit auf umweltschonende Weise in unserem Land gemacht wird», so Orlando weiter.

Palermo, Genua und Civitavecchia sind die italiensichen Häfen, die sich neben Piombino um den Auftrag beworben haben. Allerdings verfügt einzig der Hafen auf Sizilien über die entsprechenden räumlichen Kapazitäten und ein ausreichend tiefes Hafenbecken. Doch der Hafen wäre damit für die nächsten zwei Jahre komplett blockiert. Das wäre für Costa Crociere nicht gut, denn der Konzern lässt in Palermo einen Teil seiner Flotte bauen.

Im März soll entschieden werden

Die Entscheidung über die letzte Reise der «Costa Concordia» werde im März fallen, sagte Franco Gabrieli vom Katastrophenministerium. «Wenn Italien den Zuschlag erhält, wäre das nicht nur eine Bestätigung des Know-hows, das in Italien zweifellos vorhanden ist – auch das Umweltrisiko würde so gering wie möglich gehalten, da der Transportweg kürzer ist.»

75'000 Tonnen Metall müssen fachgerecht entsorgt und rezykliert werden. Wer diese Aufgabe erfolgreich löst, kann sich international einen Namen machen. Es geht also nicht nur um Geld und Arbeitsplätze – es geht auch ums Image. Und es geht auch um Wiedergutmachung, meint ein Zeitungsverkäufer auf der Insel Giglio: «Was passiert ist, muss wieder gutgemacht werden. Erst dann kann die Insel wieder zu dem werden, was sie vorher war.»