Lausalarm am Zürichberg Jetzt kontrolliert eine Kindergärtnerin die Kinderköpfe

Läuse schrecken nicht vor noblen Adressen zurück. Am Schulhaus Ilgen am Zürichberg kämpft die Schulleitung mit immer mehr der lästigen Parasiten in den Schulklassen. Darum kontrolliert seit kurzem eine Kindergärtnerin die Schüler auf Läuse.

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Läuse im Schulhaus

7:52 min, aus Schweiz aktuell vom 18.4.2017

Läuse sind keine Frage von Hygiene oder sozialem Status. Das beweist das Zürcher Schulhaus Ilgen, wo es im letzten Jahr teilweise wöchentlich eine Meldung von Lausbefall in den Klassen gab. Es entstand ein massiver Mehraufwand für Lehrer und Schulleitung. «Die Eltern liefen Sturm und forderten eine Lösung», sagt Barbara Bachmann, Schulleiterin am Ilgenschulhaus.

Die Probleme hätten in den letzten zwei Jahren zugenommen, seit die sogenannte Laustante des schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich aus Spargründen abgeschafft worden sei.

«Wir dachten zuerst, das sei ein Witz»

Die Schulleitung musste handeln und ernannte eine Kindergärtnerin zur schuleigenen Lausfachfrau. Sie hat sich für dieses nicht ganz alltägliche Amt freiwillig gemeldet: «Als die Schulleiterin am Konvent gefragt hat, haben zuerst alle gemeint, sie mache einen Witz», erinnert sich Regula Läuchli. Für sie sei es aber eine spannende Abwechslung zu ihren Tätigkeiten als Kindergärtnerin.

In einem Schnellkurs beim schulärztlichen Dienst lernte sie, wie sich ein Lausbefall erkennen lässt. Zu den Kontrollen in den Klassen kommen Infoblätter für die Eltern. Sie werden unter anderem dazu angehalten, ihre Kinder konsequent alle zwei Wochen auf Läuse zu untersuchen. Laut der Schulleitung zeigten diese Massnahmen bereits Wirkung.

In vielen Schulen ein Tabuthema

Warum die Läuse am Ilgenschulhaus so gut gedeihen, ist nicht klar. Laut dem schulärztlichen Dienst gibt es noch weitere Schulen, die betroffen sind. Auch das Schulhaus Allenmoos Zürich Unterstrass habe schon seine eigene Lausfachfrau. Andere Schulen hätten keine Probleme.

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Am Ende hat es die ganze Familie

0:07 min, vom 12.4.2017

Fakt ist, dass besonders Kinder mit vielen sozialen Kontakten betroffen sind. Im Grunde wächst das Risiko, sich eine Laus einzufangen, mit der Anzahl Freunde und Geschwister. Am Ilgenschulhaus gibt es denn auch viele Schüler aus kinderreichen Familien.

Hinzu kommt ein grosser Hort, wo die Kinder klassenübergreifend Kontakt zueinander haben. Vielleicht geht aber auch nur die Schulleitung besonders offen mit dem Thema um, während andere Schulen schweigen. Denn Läuse sind auch heute für viele noch ein Tabuthema.

Kein Comeback der Laustante

Welche Kinder einer Klasse Läuse haben und welche nicht, bleibt nach dem Untersuch geheim. Um niemanden blosszustellen, werden nur die Eltern informiert. An ihnen liegt es denn auch, die Läuse auf dem Kopf ihrer Kinder zu bekämpfen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Lausshampoos.

Der schulärztliche Dienst bietet bei Fragen eine Laus-Hotline und zwei Mal wöchentlich Sprechstunden. Auch wenn diese nur sehr schlecht besucht werden, steht eine Wiedereinführung der Laustante nicht zur Debatte. Dazu fehlt das Budget. Man überlege aber, wie man die vorhandenen Ressourcen besser nutzen könne. Gut möglich also, dass bald auch andere Zürcher Schulhäuser ihre eigenen Lausfachpersonen haben werden.

So verbreiten sich Kopfläuse

Kopflaus

Die Kopflaus ernährt sich von menschlichem Blut Keystone

Läuse können nicht springen, hüpfen, fliegen oder schwimmen, d.h. sie können nur im direkten Kopfkontakt von einem Haarschopf zum anderen krabbeln. Z.B. wenn Kinder beim Spielen ihre Köpfe «zusammenstecken». Kopfläuse überleben nur auf dem menschlichen Kopf und ernähren sich von menschlichem Blut.

Quelle: Schul- und Sportdepartement, Stadt Zürich