Kalifornier üben sich im Wassersparen

Der US-Bundesstaat erlebt das dritte Dürrejahr in Folge. Der Gouverneur Kaliforniens rief im Januar den Notstand aus und forderte Bürger und Städte auf, ihren Wasserverbrauch drastisch zu drosseln – mit wenig Erfolg, wie sich jetzt zeigt. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Grossaufnahme eines Rasensprengers.

Bildlegende: Sacramento, Kalifornien: Bürger dürfen ihre Gärten nur noch an speziell deklarierten Tagen bewässern. Keystone

Eigentlich sollten die Städte Kaliforniens auf Geheiss des Gouverneurs den Wasserverbrauch freiwillig um 20 Prozent senken. Zwar wird Wasser gespart, aber bisher nur rund acht Prozent. Nun drohen den Kaliforniern drakonische Bussen. In Sacramento setzt man aber vorerst auf eine Kampagne.

«Braun ist das neue Grün!»: Mit diesem Slogan wirbt Sacramento dafür, Wasser zu sparen. Der Rasen um das Parlamentsgebäude der kalifornischen Hauptstadt ist stellenweise verdorrt. Nicht alle Menschen hier freuen sich über den Slogan.

«Leere Worte», sagt ein junger Mann auf einer Parkbank. Das Gras hier sei nur teilweise braun, die Golfplätze blieben alle grün. «Es ist frustrierend für mich, grünen Rasen vor dem Kapitol zu sehen, und ich soll nur acht Minuten lang duschen.»

Zum Sparerfolg mit öffentlicher Kampagne

Sacramento ist aber ein Vorzeigebeispiel in der aktuellen Dürrezeit. Die Stadt hat den Wasserverbrauch in den letzten fünf Monaten um 17 Prozent senken können – dank Terrence Davis. «Rasen und Parkanlagen weniger oft zu bewässern bringt am meisten», sagt der sogenannte Dürremanager der Stadt.


Kaliforniens Hauptstadt Sacramento spart Wasser

3:27 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.07.2014

Sacramentos Sparerfolg basiert auf einer öffentlichen Kampagne, auf Anreizen, Rasen durch wassersparende Pflanzen zu ersetzen – und auf Kontrolle. Wasserinspektoren machen die Runde und verhängen Bussen von bis zu 1000 Dollar, wenn jemand beispielsweise seinen Garten an Tagen bewässert, an denen es verboten ist.

Diese hohen Bussen dürften in ganz Kalifornien häufiger werden. Denn insgesamt verpassen die Städte das vom Gouverneur vorgegebene Ziel, den Wasserverbrauch um einen Fünftel zu senken. In Los Angeles etwa hat der Verbrauch sogar leicht zugenommen.

«Kalifornien muss grundsätzlich umdenken»

2014 ist das dritte Dürrejahr in Folge. Für Ron Stork von der Naturschutzorganisation «Friends of the River» ist das ein Warnzeichen. Kalifornien müsse grundsätzlich umdenken und mit dem Wasser sorgsamer umgehen, sagt er. Kalifornien sei der einzige US-Bundesstaat, der den Zugang zum Grundwasser nicht reguliere.

Bild von ausgetrockneter Erde. In der Mitte ein grosser Riss mit etwas Wasser drin.

Bildlegende: Laut Umweltschützern sind ganze Agrargebiete in Gefahr. Reuters

«Wir behandeln es wie eine Art zauberhaftes Reservoir, dass sich stets auf wundersame Weise füllt und nie versiegt», so Stork. Dabei sinke der Grundwasserspiegel auch ohne Trockenheit jährlich, insbesondere unter den Feldern der Bauern. «Die Landwirtschaft bewirtschaftet weite Gebiete, die mit dem vorhandenen Wasser nicht nachhaltig bewässert werden können.»

Der Umweltschützer prophezeit, dass deshalb in Zukunft ganze Agrargebiete in Kalifornien aufgegeben werden müssen. Die Bauernlobby möchte neue Staudämme in den Bergen hochziehen lassen. In der Politik ist man sich aber einig, dass diese milliardenteuren Projekte das Wasserproblem nicht entschärfen würden.

Dürre reist alte und neue Gräben auf

Zurück vor dem Kapitol im Zentrum Sacramentos: Eine Frau rollt ihre Yogamatte auf dem trockenen Rasen aus. «Es stört mich gar nicht, dass wir Wasser sparen», sagt sie. «Was mich stört ist, dass die Städte im Süden Kaliforniens es nicht tun.»

Das Wasser war in Kalifornien stets ein Politikum. Nun reisst die Dürre Gräben zwischen Stadt und Land auf – und auch zwischen den Städten.