«Kanzlerin der freien Welt»

Für die US-Zeitschrift «Time» ist Angela Merkel die Person des Jahres. Das Nachrichtenmagazin hat sie als «Kanzlerin der freien Welt» gewürdigt. «Time» spricht Merkel vor allem Verdienste in ihrem Umgang mit der Flüchtlingskrise und dem europäischen Schuldenstreit zu.

Angela Merkel schüttelt hände vor einer Konferenz über die Flüchtlingskrise in Duisburg.

Bildlegende: Merkel hat sich insbesondere während der Flüchtlingskrise für Lösungen über die Grenze hinaus engagiert. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom New Yorker «Time»-Magazin als «Person des Jahres» 2015 ausgezeichnet worden. Die 61-Jährige habe sich im Kampf gegen die Pleite Griechenlands, in der Flüchtlingskrise und nach den Pariser Terrorattacken engagiert, schrieb das Journal in einer Begründung.

«Bei Merkel schwang ein anderer Wertekanon – Menschlichkeit, Güte, Toleranz – mit, um zu zeigen, wie die grosse Stärke Deutschlands zum Retten statt zum Zerstören genutzt werden kann», fasst das US-Nachrichtenmagazin die Verdienste der Bundeskanzlerin zusammen.

Die Zeitschrift hebt den Werdegang Merkels als Tochter eines Pastors in der DDR zur «de facto Anführerin eines Kontinents» und «Kanzlerin der freien Welt» hervor. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, er sei sich sicher, dass Merkel die Auswahl «als Ansporn in ihrer Arbeit» empfinde.

Erste Frau seit fast 30 Jahren

Die «Time»-Redaktion würdigt seit 1927 die einflussreichsten Persönlichkeiten des Weltgeschehens. Vergangenes Jahr waren es die Mediziner im Kampf gegen Ebola, 2013 Papst Franziskus. Merkel ist seit fast 30 Jahren die erste Frau, die mit dem Titel gekürt wird – und eine von erst vier. Die letzte Frau wurde 1986 erwählt und war die philippinische Oppositionsführerin Corazon Aquino. Merkel ist auch die erste ausgezeichnete deutsche «Person des Jahres» nach Willy Brandt (1970).

«Time» berücksichtigt auch umstrittene, einflussreiche Einzelpersonen: Auf den Rängen nach Merkel folgen in diesem Jahr der Anführer der radikalen Miliz Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, und der Milliardär Donald Trump, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewirbt.