«Kiss-in» in Marokko für mehr Toleranz

Mit einem symbolischen «Kiss-in» haben einige Dutzend Marokkaner in der Hauptstadt Rabat für mehr gesellschaftliche Toleranz demonstriert. Die Teilnehmer der Kundgebung versammelten sich vor dem Parlament, um Küsse auszutauschen. Von Gegnern wurden sie mit Stühlen beworfen.

Menschen, die sich küssen und umarmen

Bildlegende: Was als friedfertige Kundgebung für mehr Toleranz begann, wurde später zur Zielscheibe von intoleranten Hardlinern. Keystone

Anlass ist die juristische Verfolgung eines 15-jährigen Jungen und seiner 14-jährigen Freundin, die ein Kuss-Foto ins Internet gestellt hatten. Auch ein 15 Jahre alter Freund der beiden, der das Foto vor einer Schule gemacht hatte, muss mit einer Haftstrafe rechnen.

«Unsere Botschaft besteht darin, dass wir die Liebe verteidigen, die Freiheit zu lieben und zu küssen», sagte Ibtissam Lachgar, die zu den Organisatoren der Kundgebung gehört. «Unserer Meinung nach ist die Botschaft angekommen.»

Mit Stühlen beworfen

Im Internet hatten mehr als 2000 Menschen ihr Kommen angekündigt. Zum Teil wird der Protest aber auch im Internet selbst veranstaltet, wo weitere Jugendliche Fotos von Kuss-Szenen veröffentlichten.

Die Teilnehmer des «Kiss-ins» wurden von einigen Gegendemonstranten rabiat angegangen, die mit Stühlen eines Strassencafés nach ihnen warfen. «Wir sind in einem islamischen Land, in dem das Küssen in der Öffentlichkeit verboten ist, schon ein kleiner Kuss kann andere Dinge nach sich ziehen», ereiferte sich einer der Gegendemonstranten. «Das sind Atheisten, die gegen den Islam verstossen.»

Bis zu fünf Jahren Haft

Ein Gericht im nordmarokkanischen Nador hatte den Prozess gegen die drei Jugendlichen am Freitag auf den 22. November vertagt. Zur Begründung hiess es, der Richter wolle «die soziale Situation der Heranwachsenden prüfen».

Die Angeklagten müssen wegen «öffentlichen Verstössen gegen die Sitten» mit Haftstrafen bis zu fünf Jahren rechnen.