Zum Inhalt springen

Künstliche Intelligenz Wir sind die Roboter – die Roboter sind wir

Maschinen lernen und lernen. Aber können sie auch kreativ sein? Irgendwie schon, aber nicht wie Menschen – noch nicht.

Legende: Video So funktioniert «e-David» – der malende Roboter abspielen. Laufzeit 0:57 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2018.

Roboter besiegen uns im Schach, sind bei Quizfragen überlegen und lotsen uns von A nach B. Nun setzt die Künstliche Intelligenz (KI) zum nächsten Coup an – der Eroberung der Kunst. Können Roboter tatsächlich kreativ sein?

Ein Roboterarm schwingt den Pinsel

«e-David» ist Roboter und Maler. Seine eigentliche Bestimmung war das Zusammenbauen von Autos. Forscher der Universität Konstanz haben ihm aber einen Pinsel in die mechanischen Hände gedrückt. Malen kann er bereits. Er ist allerdings von menschlicher Intelligenz und Kreativität noch weit entfernt, aber er lernt.

Die Malerin Liat Greyver hat schon mehrere Bilder zusammen mit «E-David» erschaffen. Für die Absolventin der Kunsthochschule Leipzig ist der neue Roboter ein Tool, welches ihr hilft, ihre eigene Kreativität weiterzuentwickeln.

«Die Maschinen können nicht wirklich kreativ sein, sie können Kreativität erzeugen, das heisst bei uns als Menschen, die mit der Maschine arbeiten. Am Ende sind es nur Algorithmen. Auch wenn sie extrem kompliziert sind – so kompliziert wie Menschen werden sie nicht sein.»

Legende: Video «Am Ende sind es nur Algorithmen» abspielen. Laufzeit 0:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2018.

Thomas Lindemeier vom Institut für Informatik der Universität Konstanz sieht das anders. Für ihn haben Roboter das Potential eines Tages auch etwas völlig Eigenes zu erschaffen – und genau zu wissen, was wir Menschen schön finden und was nicht.

Seiner Meinung nach könnte man der Maschine schon einprogrammieren, ob beispielsweise Grün und Blau nebeneinander harmonisch sind. Die Bewertung erfolge dann von der Maschine selbst. Ob das aber auch ästhetisch ist, könne die Maschine noch nicht bewerten. Laut Lindemeier hänge das eben nicht zuletzt von den Lebenserfahrungen der Betrachter ab – und die könnten noch nicht in die Entscheidung der Maschine einfliessen. Das sei aber etwas, was für die Zukunft durchaus vorstellbar sei.

Programm entwickelt eigenes Drehbuch

Ein «Kollege» von «e-David» ist «Benjamin». «Benjamin» ist ein Computerprogramm und mit hunderten Drehbüchern von Science-Fiction-Filmen gefüttert worden. Daraus hat es Regeln abgeleitet und schlussendlich ein neues Drehbuch geschaffen. Der britische Regisseur Oscar Sharp hat dies in einem Kurzfilm umgesetzt. Inhalt und Dialoge machen zwar kaum Sinn, aber «Benjamin» ist lernfähig.

Legende: Video So klingt der Song von «Watson» und Alex da Kid abspielen. Laufzeit 0:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2018.

Mechanischer Hit-Produzent

Auch in der Musikbranche gibt es bereits verschiedene Programme, die durch eine gewaltige Datenbank aus Musik, Texten und Bewertungen lernen, welcher Ton wie ankommt. So komponierte US-Produzent Alex da Kid, zusammen mit dem KI-System «Watson» einen neuen Song. Normalerweise produziert er Stars wie Rihanna und Eminen.

«‹Watson› hat mir letztendlich gesagt, welche Trends es in den Hits der letzten fünf Jahre gab. Damit hat er uns praktisch gezeigt, was einen Hit ausmacht und warum die Menschen gerade diesen einen bestimmten Song besonders mochten.»

Die Künstlerin ist zuversichtlich

Künstliche Intelligenz in der Kunst – Bereicherung oder Bedrohung? Für Liat Greyver ist die Sache klar: «Die Leute haben normalerweise Angst vor Sachen, die neu sind. Das bringt Unsicherheit. Ich sehe das überhaupt nicht so.»

Schliesslich hätten Künstler seit jeher einen Teil ihrer Arbeiten an Assistenten und Lehrlinge ausgelagert – wieso also nicht an eine Maschine.

Legende: Video Ist der nächste Mozart eine Maschine? abspielen. Laufzeit 4:12 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2018.

So lernt Künstliche Intelligenz

Die Technologie basiert auf neuronalen Netzen. Diese Netze versuchen, ein Gehirn zu imitieren. Beispiel: Ein Netzwerk soll lernen, was ein Hund ist. Hierfür wird es mit Fotos von Hunden gefüttert – aber auch mit Fotos von anderen Tieren. Die Bilder werden durch die Ebenen des neuronalen Netzes geschleust.

Das System lernt, welche Merkmale einen Hund ausmachen. Da das Netzwerk zunächst errät, was ein Hund sein könnte, müssen ihm in der Lernphase gesagt werden, ob seine Resultate richtig oder falsch sind. Dank diesem Fehler-Feedback passt das Netz selbstständig seine Verbindungen an. Es optimiert sich selbst. Nach Abschluss des Trainings kann das neuronale Netz Fotos erkennen, die vorher nicht im Training vorkamen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Was heute z.T. als Kunst bezeichnet wird, hat oft weder etwas mit "können" (davon kommt ja das Wort Kunst) noch mit Kreativität zu tun. So gesehen können Roboter auch "Künstler" sein, es fehlt einfach der Kultfaktor, der den Preis bestimmt und somit den künstlerischen Wert definiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Kreativität hat nichts mit Intelligenz oder algoritme zu tun, das was dieser Roboter macht ist eine seelelose Bewegung und billiger Nachahmung, des Genialität des Leben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen