Kuriose Feste in Spanien

Vom Stiertreiben zum Rattenweitwurf bis hin zum Probeliegen im Sarg: Die Spanier feiern so manch' skurriles Fest. Dahinter stecken oft jahrhundertealte Traditionen und Bräuche.

Bereits im 17. Jahrhundert hielt Antoine de Brunel, ein französischer Adeliger, nach seiner Spanienreise fest:«Die ernsthaftesten und vernünftigsten Menschen, wie zum Beispiel die Spanier, sind die Verrücktesten, wenn es darum geht, Spass zu haben.»

Stiertreiben in Pamplona

Und Spass haben die Spanier zuhauf: Rund 25'000 «Fiestas» pro Jahr sollen es sein. Darunter finden sich einige weltbekannte – die etwas unbekannteren sind jedoch nicht weniger aussergewöhnlich.

Zu den berühmtesten Spektakeln gehört die Stierhatz in Pamplona. Bei dem San-Fermín-Fest werden während einer Woche Kampfstiere durch die engen Gassen getrieben. Hunderte Menschen laufen vor den jeweils gut 500 Kilogramm schweren Bullen her. Die Stiere werden anschliessend in einer Arena getötet – wogegen Tierschützer in aller Welt jedes Jahr aufs Neue und bislang vergeblich protestieren. Denn das Treiben soll den Schutzheiligen der Region ehren.

Rattenschlacht und Gottes Segen

Auch andere Feierlichkeiten fördern heftige Kritik zutage, bei denen Tiere eine zentrale Rolle spielen. Doch in der Stadt El Puig schlägt man mit dem Volksfest «batalla de ratas» alljährlich die Kritiker in den Wind – und die Ratten gleich mit. Zu Ehren von San Pedro Nolasco werden nicht nur Süssigkeiten, sondern auch Nager in Tongefässe gesteckt, um diese dann später zu zerschlagen. Die Tiere werden daraufhin getreten, an die Wände geworfen oder in die Luft geschleudert. Ob heute noch immer lebende Ratten für den Brauch verwendet werden, darüber gibt es unterschiedliche Angaben.

Wie auch immer, es gibt Feste, bei denen die Zukunft der Tiere in jedem Fall rosiger aussieht – jedenfalls, wenn der kirchliche Segen hält, was er verspricht. Einmal im Jahr trottet eine Heerschar von Haustieren samt Besitzern zum Gotteshaus San Antón im Zentrum von Madrid, um beim Pfarrer zur Segnung vorbeizuschauen. Katz und Hund werden mit Weihwasser besprengt und vor Unheil geschützt.

«Munition» aus Tomaten, Wein und Mehl

Bei einigen der Volksfeste in Spanien sollte man seine Kleidung mit Bedacht auswählen – hier fliegen Lebensmittel durch die Luft. Das wohl bekannteste Spektakel unter seinesgleichen ist die «Tomatina» in Buñol bei Valencia. Etwa 130 Tonnen überreife und daher für den Verkauf ungeeignete Tomaten verwandeln die Stadt in ein rotes Meer aus Ketchup. Der Spass dauert rund eine Stunde.

Bei der traditionellen Weinschlacht der Weinregion Rioja giessen Tausende von Leuten um die 50'000 Liter des guten Tropfens übereinander. Sich mit Wein zu bespritzen, ist offensichtlich mindestens ebenso lustig, wie sich damit zuzuprosten.

Klebriger geht es im Ort Ibi zu und her. Beim jährlichen Festival von «Els Enfarinats» bewerfen sich die Einwohner gegenseitig mit Eiern, Mehl und Farbe – und das schon seit über 200 Jahren.

Babyhüpfen, Lebende in Särgen und sterbende Sardinen

Bei einem Festival in Castrillo de Murcia sollen Neugeborene vor bösen Geistern bewahrt werden. Hierfür werden sie auf den Boden gelegt. Ein als Teufel («El Colacho») verkleideter Mann springt in der Folge mit Anlauf über die Babies hinweg. Der Brauch wird bereits seit 1620 durchgeführt und gründet in einer Legende aus dem Mittelalter.

Morbide geht es beim ehrwürdigen Fest «Santa Marta de Ribarteme» in As Neves zu: All jene, die eine schwere Krankheit oder einen schweren Unfall überlebt haben, zeigen ihre Dankbarkeit, indem sie sich in offenen Särgen durch die Strassen tragen lassen.

Jemand, der das Zeitliche schon gesegnet hat, wird in der Stadt Pego geehrt: Eine Sardine. Am Aschermittwoch wird die riesige Fischfigur aus Pappmaché in Begleitung der «Trauergäste» in einer Zeremonie verbrannt. Eine ähnliche Tradition gibt es auch in Murcia: Hier wird am Vorabend der «Beerdigung» allerdings noch das «Testament der Sardine» verlesen. Der Ursprung dieser Feierlichkeit geht auf das Jahr 1850 zurück.