Kurt Pelda erhält Menschenrechtspreis und kritisiert die Medien

Der Schweizer Kriegsberichterstatter wird für seine Arbeit in Krisengebieten geehrt. Er habe sein Leben mehrmals aufs Spiel gesetzt, um der Wahrheit näher zu kommen, heisst es in der Begründung. Er selber findet, die Medien machten einen grossen Fehler in ihrer Kriegs-Berichterstattung.

Der Kriegsberichterstatter Kurt Pelda erhält den Menschenrechtspreis 2014. Die Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verleiht ihm die Auszeichnung am 6. Dezember in Bern.

Der Schweizer Menschenrechtspreis wird seit 1994 vergeben. Er zeichnet Menschen und Aktionen aus, welche die menschliche Sicherheit unterstützen und fördern.

Ehrung in ungewohnte Richtung

Kriegsreporter Pelda habe in diesem Jahr in Krisengebieten wie Syrien und Irak über schlimmste Menschenrechtsverletzungen berichtet, begründete die Gesellschaft den Entscheid in einer Mitteilung. Pelda werde für seinen Einsatz ausgezeichnet, bei dem er «mehrmals sein Leben aufs Spiel gesetzt» habe, um «der Wahrheit näher zu kommen».

«Das ist eine Ehrung aus einer ungewohnten Richtung», sagt Pelda im Gespräch mit SRF. Als Journalist hoffe man ja immer auf einen renommierten Journalistenpreis. Nun werde seine Arbeit als das gewürdigt, was sie ist: Seine Hauptmotivation in Kriegsgebiete zu reisen und darüber zu berichten, seien die unglaublichen Menschenrechtsverletzungen. «Zumindest können unsere Politiker dann nicht sagen, sie hätten von all dem nichts gewusst», sagt Pelda.

«  Die Nachfrage der Medien begrenzt sich auf Berichte über den IS. Massaker an der Zivilbevölkerung durch das Assad-Regime sind völlig aus dem Blickwinkel gerückt. Das ist ein grosser Fehler.  »

Kurt Pelda
Kriegsreporter

Die Terrorgruppe Islamischer Staat IS habe seine Arbeit stark verändert. Als freier Journalist richte er sich nach der Nachfrage der Medien. «Ich muss meine Berichte ja verkaufen.» Aber er habe mit einem gewissen Unwohlsein bemerkt, dass diese Nachfrage sich vor allem auf Berichte über den IS begrenze und dass etwa Bombardierungen oder Massaker an der Zivilbevölkerung durch das Assad-Regime völlig aus dem Blickwinkel der Medien gerückt sei. «Das ist ein grosser Fehler», ist sich Pelda sicher.

Es sei für ihn allerdings auch schwierig geworden, über diese Dinge zu berichten. «Weil ich eine Reise nach Aleppo, wo die meisten Bombardierungen stattfinden, für zu Riskant halte.»

«Medien stützen sich vermehrt auf Aussagen des IS»

Was auch einen Einfluss auf seine Arbeit habe, sei die Information des IS selber. Vor allem die öffentlich rechtlichen Medienhäuser zögerten immer mehr, überhaupt noch Berichte von freien Journalisten wie Pelda, zu kaufen. Weil sie das Gefühl hätten, sie würden riskanten Abenteuern und Reisen Vorschub leisten. Das führe dazu, dass sich die Medien zusehends auf Verlautbarungen des IS stützten, sagt Pelda.

«Ich glaube, es wäre uns allen klar, was passieren würde, wenn sich die Journalisten in der Schweiz nur noch auf die Pressemitteilung der UBS oder der CS verlassen und darauf ihre Berichte bauen würden. Das kann nur ins Verderben führen.»

Solange es Kriege gibt, hat auch Pelda zu tun. Als nächstes werde er wahrscheinlich wieder in den Irak reisen und angefangene Geschichten zu Ende bringen. «Es geht um gefangene Dschihadisten.»

Kurt Pelda

Kurt Pelda

Der Schweizer Kurt Pelda arbeitet seit 30 Jahren als Kriegsreporter. Er berichtet unter anderem für SRF, «Spiegel» und «Weltwoche» von den Brennpunkten dieser Welt – darunter Afghanistan, Libyen und Syrien.