Zum Inhalt springen

Im ewigen Eis «Logbuch-Eintrag» an den jüngsten Sohn

«Einstein»-Redaktor Mario Nottaris hat in loser Folge über vier Wochen lang vom Forschungsschiff der Schweizer Antarktis-Expedition berichtet. Dies ist sein letzter Gruss aus der Antarktis.

Dafür werde ich Dir viele spannende Geschichten erzählen können.
Autor: Mario Nottaris«Einstein»-Redaktor

«Liebe Bueb, soeben haben wir unser Ziel Tasmanien erreicht. Die australische Insel liegt von Dir aus gesehen ziemlich genau am anderen Ende der Welt – und ja, auch ich habe dich und deine Brüder auf meiner Reise vermisst. Und auch ich fand es blöd, an Weihnachten und an Deinem Geburtstag nicht dabei zu sein.

Dafür werde ich Dir viele spannende Geschichten erzählen können: Von leidenschaftlichen Forscherinnen, tüchtigen Schiffsoffizieren, mutigen Piloten und einem etwas weniger mutigen Papi. Geschichten über verwunschene Inseln, seltsame Tier- und Pflanzenwelten und Geschichten über einen klapprigen Eisbrecher, der rollend, stampfend und ‹gigampfend› durchs Südpolarmeer pflügt, als gäbe es kein Morgen.

So viele neue Gute-Nacht-Geschichten – das war es wert, meinst Du nicht auch? Jetzt hat uns der Gouverneur von Tasmanien noch zum Znacht auf sein Schloss eingeladen und dann fliege ich schnurstracks heim zu Dir – abgemacht.

Ganz liebe Grüsse aus Tasmanien und bis gli in der Schweiz, Mario.

P.S.: Das war mein letzter Eintrag von dieser Reise, ab jetzt verkehren wir beide wieder mündlich…»

In drei Etappen um die Antarktis

Die erste Etappe führte die Schweizer Polarexpedition in den Süden des Indischen Ozeans, in die Grenzregion zwischen den subantarktischen und den antarktischen Gewässern: Sie ist eine der plankton- und fischreichsten Zone der Welt. In der zweiten Etappe muss die «AkademikTreshnikov» ihre Fähigkeiten als Eisbrecher unter Beweis stellen: Die Expedition untersucht den antarktischen Kontinentalsockel des Südpazifiks mit U-Booten. Die dritte Etappe führt durch die subantarktischen Regionen des Südatlantiks und endet in Kapstadt, dem Ausgangspunkt der Expedition. Zum Abschluss der ersten Schweizer Polarexpedition Ende März dieses Jahres realisiert das SRF-Wissenschaftsmagazin «Einstein» eine Spezial-Sendung.
Legende: Video Das erste Video von der Schweizer Polarexpedition abspielen. Laufzeit 3:04 Minuten.
Vom 19.01.2017.
Walton ist seit 50 Jahren Polarforscher und einer der erfahrensten Antarktis-Experten überhaupt.

«Der Brite David Walton wurde vom Schweizer Polarinstitut beauftragt, die erste rein wissenschaftliche Antarktis-Umrundung zu leiten. Walton ist seit 50 Jahren Polarforscher und einer der erfahrensten Antarktis-Experten überhaupt. Einstein erklärt er, was an dieser Expedition so besonders ist, und warum ein Erfolg für die Schweiz so wichtig wäre».

«Jetzt weiss ich's! Ein Meteorologe macht die Wettervorhersage, ein Atmosphärendynamiker hingegen erforscht – wie es die Bezeichnung schon sagt – die Dynamik in der Atmosphäre, die zum Phänomen Wetter führt. Pascal Graf analysiert im Speziellen den Wasserkreislauf. Für seine Doktorarbeit hat er Regentropfen in der Schweiz untersucht, hier kann er erstmals den Ursprung des Regens studieren: die Meeresoberfläche.

Sein Laserspektrometer zählt die seltenen Wassermoleküle H218 bei der Verdunstung: Je kälter die Temperatur, desto weniger dieser Wassermoleküle verdunsten. Mit dieser Methode wollen die Forscher künftig bestimmen können, wo die Wassermoleküle ursprünglich verdunstet sind, die beispielsweise über der ETH in Zürich abregnen. Dies würde ein besseres Verständnis für die komplexen Abläufe im Wasserkreislauf ermöglichen.

Im Nebenamt ist Pascal Graf auch unser Sturmverkünder. Zurzeit droht keiner, trotzdem wurde an Bord die maschinenintensive Meeresforschung eingestellt. Am 19. Januar müssen wir in Tasmanien sein: Mit 14 Knoten pflügen wir also auf Hobart zu. Dort steht ein «Schichtwechsel» unter Forschern an. Zeit für die russische Crew, die «Akademik Tryoshnikov» auf Vordermann zu bringen.»

«Endlich reiche Beute: Eimer voller Moostierchen und Kalkröhrenwürmer. Mit den Fängen wollen die Forscher herausfinden, wie viel CO2 diese Meeresorganismen aufnehmen können. Das durch Verbrennungsprozesse entstehende CO2 ist hauptverantwortlich für die Klimaerwärmung.

Bereits heute nimmt das Südpolarmeer 40 Prozent des menschgemachten CO2 auf. Doch das Potenzial ist noch weitaus grösser. Könnte das Südpolarmeer also die letzte Chance für unseren Planeten sein? Noch ist es zu früh, diese Frage zu beantworten.

Doch dank der reichen Ausbeute vom Meeresboden können die Wissenschaftler diesen Fragestellungen auf den Grund gehen. Entsprechend gross ist die Freude an Bord. Christoph Held vom Alfred-Wegener-Institut: ‹Für mich ist ein grosser Forschertraum wahr geworden.›

250 Jahre nach James Cooks ‹Resolution› und 150 Jahre nach der ‹HMS Challenger› kann nun auch die ‹Akademik T.› für sich beanspruchen, in den abgelegenen antarktischen Gewässern des Indischen Ozeans die Voraussetzung für Jahre dauernde Forschungsarbeiten geschaffen zu haben.»

Weitere Beiträge von «Einstein»-Redaktor Nottaris finden Sie hier.

Sendebezug: 14. Januar, Wissenschaftsmagazin auf SRF 2 Kultur

Mario Nottaris im ewigen Eis

Mario Nottaris im ewigen Eis

«Einstein»-Redaktor Mario Nottaris hat die Expedition des Swiss Polar Institutes 5 Wochen lang begleitet und darüber berichtet. Er sagt: «Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für die Polarforschung. Das Projekt bedeutet für viele Wissenschaftler die Forschungsreise ihres Lebens. Das macht die Expedition auch für mich besonders.»

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von rené studer (rené studer)
    diese propaganda bemüht sich wohl um uns, die klimasteuer lieb zu haben, welche in verträgen schon verhandelt ist. die für die allgemeinheit, militärisch gesperrte südpol zone findet man auf alten seekarten nicht. berichte der seefahrer zu dieser zeit aber schon und die ALLE beschreiben eine sehr spezielle veränderung, und zwar von verschiedensten quellen. expeditionen haben diese gegend sogar betreten, mussten aber wieder umkehren. eric dubai befasst sich damit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Eric Dubay hat 2013 die International Flat Earth Research Society gegründet und behauptet die Erde sei eine Scheibe. Der Rand ist von Eis bedeckt und wird von der NASA bewacht, damit niemand über den Rand fällt. Er behauptet auch, diese Wahrheit werde von einer Zionistischen Verschwörung unterdrückt und Hitler sei eigentlich ein ganz friedlicher Mensch gewesen, der diese Verschwörung aufdecken wollte und deshalb verleumdet wird. Die Geschichte vom Osterhasen gefällt mir eindeutig besser.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    So haben uns die EU + andere Länder dazu gebracht, Millionen und Abermillionen für "ihre Forschung" auszugeben. Unsere Elite tut das gerne, nur damit der Name der Schweiz auch hier an der Spitze der Welt-Forschungsskala steht. Es riecht nach "Dopping/Korruption" wenn ein so kleines Land überall an der Spitze steht. Die Schweiz war früher durch ihre starken Werte "Präzision, Arbeit" in der Welt bekannt. Das genügt den "Elitegeilen" aber heute nicht mehr. Man verkauft lieber den eigenen Schatten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Frau Roe, die Schweiz bekommt viel, viel mehr Forschungsgelder aus der EU, als sie einbezahlt. Und Forschung ist der Schritt vor der Innovation. Und Innovation braucht unsere Wirtschaft. Ausser Sie wollen in den nächsten Jahren wieder Schafe hüten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Forscher-Glück"? Wofür? Wo doch der habgierige, verschwenderische Mensch die ganze Welt ausbeutet, vergiftet, verstrahlt, einfach zerstört!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen