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Panorama Milliardenklage nach Bergwerks-Dammbruch in Brasilien

Vor drei Wochen ist in Brasilien ein Klärschlammbecken einer Eisenerzmine geborsten. Eine giftige Schlammlawine hat den Fluss Rio Doce bis zur Mündung im Atlantik verseucht. Brasilien plant jetzt eine milliardenschwere Schadenersatzklage gegen die verantwortlichen Bergbaukonzerne.

Legende: Video Klage in Milliardenhöhe abspielen. Laufzeit 01:06 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.11.2015.

Drei Wochen nach einem verheerenden Dammbruch einer Eisenerzmine will Brasilien eine milliardenschwere Schadenersatzklage gegen die verantwortlichen Bergbaukonzerne einreichen. Umweltministerin Izabella Teixeira sagte, Brasilien und die zwei betroffenen Bundesstaaten würden 5,3 Milliarden Franken einfordern. Die Klage soll am Montag eingereicht werden.

Schlammlawine aus geborstenem Klärschlammbecken

Auslöser war ein Bruch des Rückhaltebeckens des Bergbauunternehmens Samarco, das zu gleichen Teilen dem Bergbaukonzern Vale und dem australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP Billiton gehört.

Im Becken befanden sich rund 60 Millionen Kubikmeter Klärschlamm, die sich ins Tal des Flusses Rio Doce ergossen. Der über 800 Kilometer lange Fluss ist bis zu seiner Mündung im Atlantischen Ozean verschmutzt.

Die Schlammlawine hatte die rund 600 Einwohner zählende Ortschaft Bento Rodrigues, 250 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, überrollt. Der Klärschlamm begrub das Dorf, mindestens 13 Leichen konnten bislang geborgen werden. Weitere 10 Menschen galten noch als vermisst, wie die Feuerwehr im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mitteilte.

Gravierende Auswirkungen zu erwarten

Umweltministerin Teixeira sprach vor wenigen Tagen von der «grössten Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens». Neben den Todesopfern seinen unzählige Tiere verendet und 280'000 Menschen hätten kein sauberes Trinkwasser mehr. Inzwischen wurden laut der Umweltbehörde bereits neun Tonnen verendete Fische aus dem Fluss geschöpft.

Die beim Bergbaukonzern Vale für Personal, Gesundheit und Sicherheit zuständige Direktorin sagte bei einer Medienkonferenz in Rio de Janeiro, an verschiedenen Stellen des Río Doce seien auch potenziell giftiges Nickel und Chrom gefunden worden. Allerdings hätten sich diese Materialien schon vorher im Flussbett oder am Rand des Río Doce befunden, sagte Somaville. Die «gute Nachricht» sei, dass sich die Stoffe nicht im Wasser aufgelöst hätten und dessen pH-Wert unverändert geblieben sei.

50 Millionen Tonnen giftige Stoffe

Die Äusserungen stehen im Widerspruch zu Erkenntnissen von UNO-Experten. Diese hatten festgestellt, dass beim Bersten des Klärbeckens am 5. November 50 Millionen Tonnen giftige Überreste aus dem Abbau des Bergwerks in den Fluss gelang sind.

Legende: Video Giftige Schlammlawine in Brasilien abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.11.2015.

UNO-Experten riefen die brasilianische Regierung und das betroffene Bergbauunternehmen auf, angesichts der Gefahr durch giftige Substanzen umgehend Massnahmen zum Schutz der Umwelt und der Menschen in dem Gebiet zu treffen.

Rio Doce in Brasilien

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5 Kommentare

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  • Kommentar von E. S. (E.S.)
    Es ist pervers, nach einer vorhersehbaren Katastophe von derart gigantischem Ausmass und mit unbekannten und unabsehbaren Langzeitfolgen jetzt auf ein paar "Miliärdchen" zu klagen - man hätte schon viel früher handeln können / sollen / müssen... Aber es ging/geht, wie immer, vorher bloss um den Zaster und danach ebenfalls...
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Korrupte Politiker haben wahrscheinlich bei ihrer Aufsichtspflicht beide Augen zugedrückt, korrekt gebaute Dämme brechen nicht einfach so auseinander. Korrupte Firmen in einem korrupten Land führen unweigerlich zu solchen Katastrophen, eigentlich ganz normal in Brasilien. Ohne Korruption hätte Rio z.B. schon längst Kläranlagen, statt dessen gibt es aber die Kloake von Rio, ein wunderbarer Ort um eine olympische Segelregatta abzuhalten. Ohne Korruption würde die Welt unglaublich anders aussehen.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    In aller Welt sind Staudämme für Unglücke verantwortlich, darüber hinaus haben sie von Baubeginn an gravierende ökologische und soziale Auswirkungen. Gerade in Brasiliens Wirtschaft spielen Dämme bei Energiegewinnung und Bergbau derzeit allerdings eine große Rolle. Es ist an der Zeit, diese Infrastrukturen in Frage zu stellen.Wir müssen uns die Folgen einer unbegrenzten Ausbeutung der Natur bewusst machen und auf zukunftsfähige erneuerbare Energien wie Wind und Sonne setzen.
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