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Panorama «Mittelmeerklima im Alpenraum»

Hitzewelle, Gewitterserien, Hochwasser – die Wetterkapriolen schlagen Purzelbäume. SRF-Meteorologe Peter Pöschl erklärt die aktuelle Wetterlage und sagt, was auf uns zukommen wird. An die Wärme sollten wir uns jedenfalls besser gewöhnen.

SRF News Online: Zurzeit ächzen grosse Teile Europas unter einer Hitzewelle. Müssen wir uns langfristig an ein wärmeres Klima gewöhnen?

Peter Pöschl: In 15 bis 20 Jahren rechnen Wissenschaftler damit, dass sich im Alpenraum ein Mittelmeerklima breit machen könnte. Das heisst: Es wird mit besonders heissen und feuchten Phasen zu rechnen sein.

Was sind die Folgen für den Alpenraum?

Viele Gletscher werden mehrheitlich verschwinden, weil eben die Erwärmung in den Sommermonaten schneller zunimmt als in den Wintermonaten. Absehbar wird deshalb selbst der Schnee im Hochgebirge immer öfter ausbleiben. Und wenn der Schnee ausbleibt, schrumpfen die Gletscher immer schneller.

Die Schweiz ohne schneebedeckte Gipfel. Kaum vorstellbar.

Dabei hat die Schweiz noch einen Vorteil, weil sie viele 4000er hat. Hier werden sich die Gletscher noch etwas länger halten als beispielsweise in Österreich. Dort rechnet man mit einem Verschwinden vieler Gletscher-Skigebiete innert der nächsten 30 Jahre.

Was sind die Ursachen?

Ein Teil der Erderwärmung ist sicherlich auf das menschliche Verhalten zurückzuführen. Es sind aber auch natürliche astronomische Einflüsse. Beides zusammen führt zu einem wärmeren Klima. Das hätte es sicherlich auch ohne Zutun des Menschen gegeben, aber nicht mit dieser Geschwindigkeit.

Momentan hat man das Gefühl, ein Gewitter reiht sich an das nächste. Zufall oder eine neue Laune der Natur?

Blitze über dem Nachthimmel vonn Zürich.
Legende: Blitze über Zürich: Laut SRF-Meteorologe Peter Pöschl sind die Gewitterphasen länger geworden. Keystone

Es gibt tatsächlich längere Gewitterphasen, längere Kältephasen, längere Trockenphasen. Auch höhere Temperaturgegensätze und dadurch eben auch heftigere Unwetter. Das hat mit einer veränderten Strömung in einer nun wärmeren Atmosphäre zu tun. Früher dominierte die Westwetterlage vom Atlantik her. Da wechselten Hitze und Gewitter häufiger ab. Heute haben wir längere Phasen nur mit Hitze oder die nur gewittrig oder kalt sind.

Es dominieren Strömungslagen, die stationär sind und von Norden nach Süden verlaufen. Vor 20 Jahren wechselten die Strömungsmuster häufiger und damit auch das Wetter. Die neuen Strömungslagen dagegen sorgen für ein extremeres, aber auch beständigeres Klima, heiss wie kalt oder feucht. Bei den Hochwasserlagen beispielsweise muss die Luftströmung an einem Ort über längere Zeit etwa gleich bleiben, damit es an einem Ort so viel regnet.

Wann ist es heiss, wann kalt?

Liegt die Region im Luftstrom, der von Norden nach Süden verläuft, kommt die Kälte vom Pol direkt zu uns. Trotz einer generellen Erwärmung gibt es dann trotzdem auch immer wieder kalte Winter, wie im letzten Jahr. Im Gegenstrom ist es genau umgekehrt. Da strömt Warmluft zu uns. Beiden ist aber gemeinsam, dass sie längere Zeit stationär sind. Die Folge: Eher lange und zunehmend beständige Sommer und kalte Winter.

Kann es auch Gewinner dieses Klimawandels geben?

Es gibt Menschen, die zum Beispiel dem Schmelzen des Nordpols etwas Gutes abgewinnen. Denn die Schiffsrouten verkürzen sich dabei teils enorm.

Peter Pöschl

Peter Pöschl
Legende: srf

Der Meteorologe gehört seit 1992 zum SRF-Meteo-Team. Bis 2008 moderierte er das Meteo im Mittagsmagazin. Nun hinter der Kamera, verfasst er Wetter- und Hintergrundberichte.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hp Ellenberger, Bülach
    Ich frage mich nur, wann Ihr Wissenschaftler es endlich begreift, dass diese Geschichte der Erwärmung nicht wahrer wird auch wenn man sie immer und immer wiederholt, denn es ist nun mal ein Fakt, dass sich das global Klima während den letzten 10 Jahren um kein einziges Grad Celsius erwärmt hat. Noch im Mai/Juni jammerten all über den strengen und langen Winter und nach 4-5 Wochen Sommerhitze jammern die gleichen schon wieder über Hitze. Etwas weniger polarisieren wäre sicher angebracht..
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Man braucht sich nur zu fragen, wer denn von diesem Hype profitiert. Das Geschäft mit dem CO2-Ablass ist mittlerweile zu einem Milliardendeal angewachsen. So schnell werden die Forscher dieses goldene Kalb nicht schlachten, sie würden sich ja den eigenen Ast absägen. Und für die Regierungen eine willkommene Besteuerung der Atmosphäre...
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Haben sie überhaupt den Artikel gelesen oder verweigern sie alles, was nicht in ihr persönliches Weltbild passt? Die Mia. von Verbrennungsmotoren sollen das Klima um keinen Grad erwärmen? Das fortschreitende Abholzen von Wäldern hat auch keinen Einfluss auf das Klima?
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    3. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      @A.Planta: Die Artikel zu lesen bevor Kommentare schreiben ist das eine, den Gesunden Menschenverstand und ein gesichertes Allgemeinwissen das andere. Oder haben Sie noch nie davon gehört, dass der Anteil an CO2 in der Atmosphäre im Promille-Bereich liegt? Wir können kaum soviel CO2 produzieren, dass wir die Wirkung unserer Sonne (Grössenvergleich beachten!) mit ihren Schwankungen übertreffen können in Sachen Wärmeproduktion.
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    4. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Kommt hinzu, dass wenn der CO2-Gehalt steigt, die Pflanzendecke auf unserer Erde automatisch mehr assimiliert und somit Kohlenstoff bindet und Sauerstoff freisetzt. Vielleicht sollten Sie sich mal mit anderer Kost als der Mainstream-Suppe informieren. Gerade deswegen redet man ja vom "Treibhaus-Effekt", weil eben die Pflanzen dank mehr CO2 üppiger wachsen, wie im Treibhaus. Biologieunterricht, ca. 5.Klasse, falls Sie dort nicht geschlafen haben...
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    5. Antwort von Albert Planta, Chur
      Alois Wutz, Gerlafingen Nehmen sie sich die Zeit und lesen sie mal im wikipedia den Artikel über Globale Erwärmung. Der ist für mich nun mal plausibler als ihre Ausführungen.
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    6. Antwort von Daniel Schwarz, Chur
      Apropos gesunder Menschenverstand und Allgemeinwissen: Wer sich mit den Klimadaten der letzten 50 bis 60 Jahren auseinandersetzt kann die Klimaerwärmung nicht leugnen, egal was sie verursacht. Oder sind alle Wetterdaten manipuliert und das Abschmelzen der Pole (was ja die Schifffahrt freut) auch eine Lüge? Schön bildhaft finden sie die Werte für die Schweiz z.B. im Klimaposter von Meteoschweiz.
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    7. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      @D.Schwarz: Grundsätzlich habe ich kein Problem mit der Klimaerwärmung, was mich stört ist, dass die selben "Wissenschaftler", die noch in den 70ern vor einer neuen Eiszeit warnten, heute das genaue Gegenteil behaupten. Es bleibt eine Behauptung, die nicht bewiesen werden kann. Wir reden dann in 20 Jahren wieder darüber, wenn es wieder eine neue Theorie gibt, mit der man den Steuerzahler abzockt. Hauptsache, er fühlt sich für die natürlichen Klimaschwankungen verantwortlich...
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Kann es auch Gewinner dieses Klimawandels geben? Logo, es braucht niemand mehr an das Mittelmeer/Adria zu fahren... und mediterrane Restaurants mit selbiger Bedienung gibt es ja schon ueberall.. und ein Kesseli oder Sack Sand bekommt man im Baumarkt billigst... oder.............?!
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    1. Antwort von Max Hug, Luzern
      Sehr weise gesagt. Und damit wäre auch eine zweite Röhre am Gotthard überflüssig.
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