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Panorama Monatelang den Geruch von faulen Eiern in der Nase

Seit Oktober tritt nahe eines kalifornischen Vororts tonnenweise Erdgas aus einem Speicher aus. Anwohner klagen über Atembeschwerden, Schwindel und Nasenbluten. Der Gouverneur Kaliforniens hat den Notstand ausgerufen, die Gasgesellschaft versprach zu handeln – doch noch immer tritt Gas aus.

Legende: Video Infrarotbilder zeigen den Gasaustritt (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 0:28 Minuten.
Vom 08.01.2016.

Wegen eines Lecks in einem Erdgasspeicher nahe eines Vororts von Los Angeles hat sich der Gouverneur Kaliforniens Jerry Brown entschlossen, den Notstand auszurufen. Eine späte Handlung: Denn das Gas strömt schon seit Mitte Oktober aus dem Leck. An die 80‘000 Tonnen Erdgas sind bereits aus dem unterirdischen Speicher des Gasanbieters Southern California Gas ausgetreten.

Rund 2000 Familien mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Einige Schulen wurden geschlossen. Insgesamt ist ein Gebiet betroffen, in dem rund 30‘000 Menschen wohnen. Die US-Flugsicherheit hat eine Flugverbotszone über dem Gebiet verhängt. Umweltschützer verweisen auch auf den Klimaeffekt. Das ausströmende Methangas sei um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid.

Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Schwindelgefühle

Der Geruch ähnelt dem von faulen Eiern. Das Gas kann wegen der Beimischung von übelriechenden Chemikalien Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Schwindelgefühl, Nasenbluten und Übelkeit auslösen. So beklagt sich die 78-jährige Rentnerin Bessie Wilson über verschiedene Beschwerden: «Ich habe Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Schmerzen in den Augen. Auch habe ich immer Durst. An gewissen Tagen bin ich gezwungen, den ganzen Tag zu liegen.»

Die Bewohner der betroffenen Gegend fordern nun Schadenersatz. Da die Gesundheitsbehörden nach Tests davon ausgehen, dass keine nachhaltigen Gesundheitsschäden für die Bevölkerung zu erwarten sind, dürften die Schmerzensgeldforderungen jedoch schlechte Aussichten haben.

Bürgerinitiative erzwingt nach Monaten Reaktion

Der Gouverneur Brown forderte erst kürzlich den Gasanbieter dazu auf, das Leck zu schliessen. Zuvor hatte sich eine Bürgerinitiative monatelang um eine Reaktion der Regierung bemüht.

Die Notstandserklärung setzt den Gasanbieter nun unter Druck. Er muss täglich Messungen vornehmen und die Ventile kontrollieren. Ausserdem müssen detaillierte Pläne zum Risikomanagement ausgearbeitet werden. Die Regelungen gelten für alle 340 Erdgasspeicher in Kalifornien, rund 160 davon werden von Southern California Gas betrieben.

Die Gasgesellschaft Southern California Gas versprach, zu handeln. Das Leck aber scheint weiterhin unauffindbar.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Das Leck ist gutbekannt: Es ist eine (ziemlich alte) Leitung in ein unterirdisches Reservoir, das früher eine Erdöl-Lagerstätte war und in dem aus anderen Gasfeldern herangeführtes Gas zwischengespeichert wird. Nur ist nicht bekannt, wo oberhalb der gasdichten Steinschicht diese Leitung gebrochen ist. Von dort strömt das Gas durch die porösen oberen Erdschichten überall grossflächig an die Oberfläche. Z.Z. versucht man, Entlastungsröhren zu bohren, um die defekte Leitung dann zu "stopfen".
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