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Nach Entscheid des IOC Noch keine Reaktion aus dem Kreml

Der Kreml wartet mit einer Reaktion noch ab. Ein erster Boykottaufruf kommt vom Vizepräsidenten der Duma.

Legende: Video Start unter neutraler Flagge abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.12.2017.

Die erste Reaktion aus Russland auf den Entscheid des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) kam vom grössten staatlichen Fernsehsender in Russland: Man werde die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wegen der Strafen des IOC nicht übertragen. Das teilte die Medienstelle der Fernseh-Holding-Gesellschaft WGTRK mit.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (ROC), Alexander Schukow, hält die Existenz eines staatlichen Dopingsystems weiter für nicht bewiesen. Bei den Strafen gegen Russland habe sich das IOC leider von den Aussagen des Kronzeugen und Wistleblowers Grigori Rodschenkow leiten lassen. «Wir reden über die Disqualifizierung eines ganzen Landes aufgrund der Aussagen eines Betrügers, der in ein fremdes Land geflohen ist.»

Noch keine Reaktion des Kreml

Politisch reagiert haben in Russland als erste die Parlamentarier des Sportkomitees der Duma. «Die haben heute aufgeschrien», sagt Christof Franzen, Russland-Korrespondent von SRF. So hiess es, man müsse die Spiele boykottieren. Ein anderer verlangte, dass man jetzt vor den internationalen Sportgerichtshof geht.

Vom Kreml selber gebe es noch keine Reaktion, denn ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin habe bereits im Vorfeld erklärt, man werde abwarten, bis man den schriftlichen Bericht des IOC in den Händen halte. Erst dann werde entschieden, ob russische Athleten in Südkorea mitmachen oder nicht.

Trotzdem geht Franzen davon aus, dass man russische Athleten sehen wird. Der Kremlsprecher sagte, es werde wohl keinen Boykott von Russland geben. «Denn im Sommer findet die Fussballweltmeisterschaft im Russland statt. Da wird man verhindern, es im Vorfeld zu einem grossen sportlichen Eklat kommen zu lassen.»

Einschätzung von «Tagesschau»-Reporterin Susy Schär in Lausanne

Der Entscheid ist ein bisschen härter ausgefallen, als wir den ganzen Tag über gehört haben. Aber zur Erinnerung: Über 30 nationale Anti-Dopingagenturen haben in den letzten Wochen den Ausschluss Russlands verlangt, den kompletten Ausschluss – darunter auch die Schweiz. Ich bin nicht ganz glücklich mit diesem Entscheid, es ist ein wenig eine Gummilösung. Ich bin überzeugt, eine kleines Land wäre schon lange gesperrt worden. Aber mit dem grossen Player Russland kann man es sich nicht ganz verderben im IOC. Was die Tage in Lausanne auch zeigen: Der Sport kann und will sich irgendwie nicht selbst reformieren, da braucht es eindeutig Anstösse von aussen.

Der nationalistische Politiker und Parlamentsvize Igor Lebedew forderte, Russland sollte die Spiele boykottieren. Ohne russische Sportler verliere Olympia seinen Sinn.

Das IOC hat wegen des Doping-Skandals Russland als Mannschaft und das russische Nationale Olympische Komitee gesperrt. Nur einzelne, nachweislich nicht gedopte russische Sportler sollen in Südkorea unter neutraler Flagge antreten dürfen.

Das schrieben russische Medien am Mittwoch

Zeitung «Vedomosti»: «Der Staat wurde für Doping bestraft (…) nicht die Sportler wurden bestraft.»
«Davon, dass die Sportler nur ohne russische Flagge und ohne Hymne teilnehmen dürfen, hat man schon länger geredet. Aber so eine ernsthafte
Bestrafung von staatlichen Funktionären – das hat man in Russland nicht erwartet. Es wurden alle Offiziellen bestraft, die Russland als Staat an den olympischen Spielen hätten vertreten sollen.»
Zeitung «Rossiskaya Gaseta»:
«Mit seiner ungeheuerlichen Entscheidung zerreisst das IOC das wichtigste Symbol des Sports – die olympischen Ringe.»
Zeitung «Sport Express»:
«Diese Entscheidung sieht sehr hart aus und hat etwas Erniedrigendes – man nimmt uns die Flagge weg und die Hymne, hochrangige russische Sportfunktionäre werden lebenslang disqualifiziert. Gleichzeitig lässt IOC-Chef Thomas Bach die Tür für Russland offen.»
«Wenn wir die Spiele nicht boykottieren, können unser Hockey-Team, die Curling-Spieler und andere teilnehmen. Unsere Delegation wird geschwächt sein, aber durchaus im Stande, etwas zu erreichen.»

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