«Playstation VR»: Die Günstigste für Anspruchsvolle

Nach «Vive» und «Oculus Rift» können wir nun die dritte der Virtual-Reality-Brillen für Anspruchsvolle testen: Sonys «Playstation VR». Trotz einiger Schwächen ist sie die günstigste Lösung für alle, die nach einem eindrücklichen Virtual-Reality-Erlebnis suchen. Aber lohnt sich der Kauf schon?

Eine Frau trägt eine Virtual-Reality-Brille von Playstation.

Bildlegende: «Playstation VR»: In Sachen Grafik ist sie nicht ganz so gut wie die Konkurrenz. Aber das schadet dem VR-Erlebnis kaum. SRF

Im Gegensatz zum Gerät von Oculus und der «Vive» von HTC braucht die «Playstation VR» keinen leistungsstarken PC im Hintergrund. Sie lässt sich einfach an Sonys Playstation-Spielkonsole anschliessen. Wir haben mit der Playstation 4 gespielt und gehen davon aus, dass die im November erscheinende Playstation 4 Pro das Virtual-Reality-Erlebnis der «Playstation VR» noch verbessern wird.

Kabel als Stolperfalle

Nach dem Auspacken fallen als erstes die vielen Kabel auf, mit der die Brille an die Konsole angeschlossen werden muss. Während zum Beispiel die «Oculus Rift» direkt am Computer eingesteckt wird, ist bei der «Playstation VR» (wie auch der «Vive») ein kleines Kästchen mit einer Prozessoreinheit zwischen Brille und Konsole geschaltet.

Ein kleines schwarzes Kästchen, an dem Kabel hängen.

Bildlegende: Prozessoreinheit: Dieses Kästchen muss zwischen VR-Brille und Playstation gehängt werden. Dahinter: Kabelsalat. SRF

Die Prozessoreinheit ist unter anderem für den 3D-Audio-Sound verantwortlich. Aber auch dafür, dass neben dem eigentlichen Bild der Brille ein zweites Bild auf einem externen Monitor ausgeben werden kann. Das HMDI-Kabel des Fernsehers führt deshalb erst zum Kästchen der Prozessoreinheit und von da geht dann ein zweites zur Playstation-Konsole. Die VR-Brille wird ebenfalls am Kästchen angeschlossen. Genau so wie die Playstation-4-Kamera, die zum Spielen nötig ist.

Die Montage all dieser Teile ist einfach und dauert ungefähr eine Viertelstunde. Zurück bleibt als Stolperfalle aber ein unschöner Kabelsalat.

Angenehm für Brillenträger

Am Kabel, das von der Brille zur Prozessoreinheit führt, ist der Einschaltknopf der Brille angebracht, zusammen mit der Lautstärkeregelung. Dort lässt sich auch ein Kopfhörer einstecken. Im Gegensatz zu den Modellen von Oculus und HTC wird die Brille nicht direkt ans Gesicht gepresst, sondern hängt von einer Stütze an der Stirn herunter.

Eine «Playstation VR» wird mit der Öffnung zum Betrachter hin ins Bild gehalten.

Bildlegende: Sitzt bequem: Die «Playstation VR» hängt von einer Stütze an der Stirn und lässt auch Brillenträgern genug Platz. SRF

So sitzt sie angenehm und ohne Druckpunkte am Gesicht. Bei unserem Test lag die VR-Brille bei allen Spielern gut an und liess kaum Licht hinein. Brillenträger müssen das Gerät aber allenfalls auf der Nase ein wenig nach vorne ziehen, um genügend Platz zu haben. Das kann zu einer Lücke führen. Der dadurch entstehende Lichteinfall sollte in einem nicht all zu hellen Raum allerdings kaum auffallen. Insgesamt ist die «Playstation VR» für Brillenträger das angenehmste der drei Geräte.

Die besten Games kommen erst noch

Zur Ausstattung der VR-Brille gehört die Spielesammlung «Playroom VR», die aus dem Playstation-Store auf die Konsole geladen werden kann. Die darin enthaltenen Mini-Games taugen allerdings höchstens als Partyspiele, um seinen Gästen einen ersten Eindruck der Virtual Reality zu geben.

Aus dem Playstation-Store können weitere Titel geladen werden – zu Beginn stehen rund ein Dutzend zur Auswahl. Gut gefallen hat uns – wie schon beim ersten Probespielen – der Weltraum-Shooter «EVE: Valkyrie» oder das futuristische Sportspiel «Rigs». Auch VR-Adaptionen bekannter Titel wie etwa «Resident Evil 7: Biohazard» oder «Gran Turismo Sport» sind bereits angekündigt. Erst diese Games dürften dann zeigen, zu was die «Playstation VR» tatsächlich fähig ist.

Ärgernis ungenaues Tracking

Fest steht schon jetzt: Grafisch ist Sonys Brille der «Oculus Rift» und auch der «Vive» unterlegen. Während die ein Bild von je 1080 mal 1200 Punkten pro Auge liefern, sind es hier nur 960 mal 1080. Beim ersten Aufsetzen der Brille fallen die einzelnen Bildpunkte sofort ins Auge. Allerdings: Das ist auch bei den Geräten der Konkurrenz so. Und geht auch bei denen im Spielerlebnis schnell vergessen. Insgesamt fällt deshalb Grafiknote für die «Playstation VR» tiefer aus, ein Killerkriterium beim Kaufentscheid sollte sie aber nicht sein.

Eine Playstation-4-Kamera

Bildlegende: Playstation-4-Kamera: Ohne sie geht es nicht. SRF

Was uns dagegen gar nicht gefallen hat ist das ungenaue Tracking des Playstation-4-Controllers oder der beiden Move-Controller, die bei einigen Games als Steuerung zur Auswahl stehen. So lag unsere virtuelle Hand beim Greifen nach Gegenständen in verschiedenen Games zum Teil weit daneben. Auch das Neukalibrieren der Kamera half jeweils nicht viel. Mittels Options-Knopf am Controller ist dieses neue Ausrichten unseres Avatars immerhin einfach und schnell erledigt.

Virtual Reality als Gemeinschaftserlebnis

Im Gegensatz zur Konkurrenz bietet die «Playstation VR» kein «Room scale VR», bei dem unsere Bewegung im Raum erfasst wird und wir im Game herumgehen können – bei der Vive immerhin auf einer Fläche von bis zu 25 Quadratmetern, bei der Rift auf etwas weniger Platz. Bei der Brille von Sony muss der Spieler dagegen sitzen bleiben. Der Playstation fehlen die nötigen Sensoren, um seine Position im Raum zu berechnen.

Dank der Möglichkeit, ein zweites Bild auf einem externen Monitor auszugeben, macht sie Virtual Reality aber zum Gemeinschaftserlebnis. Denn das zweite Bild kann eine andere Szene zeigen als die, welche der Spieler sieht und lässt Mitspieler ohne VR-Ausrüstung am Game mitmachen. Im Spiel «Ghost House» aus dem «Playroom VR» etwa sehen nur die Spieler ohne Brille, wo sich ein Geist befindet und lotsen den geisterjagenden VR-Brillenträger mit Zurufen zu seinen Zielen.

Das Potenzial ist klar zu erkennen

Bleibt die Frage: Für wen lohnt sich der Kauf einer Playstation-VR-Brille? Wohl am ehesten für Leute, die bereits eine Playstation besitzen und von Virtual Reality noch mehr erwarten als kostengünstige Geräte wie etwa Samsungs «Gear VR» bereits möglich machen. Dort kommt das Smartphone als Display und Prozessor zum Einsatz – was den Preis einer solchen Brille auf unter 100 Franken sinken lässt.

Für die «Playstation VR» muss man dagegen tiefer in die Tasche greifen: Die Brille allein kostet rund 450 Franken, im Paket mit Kamera und zwei Move-Controllern sind es etwas über 600 Franken. Für komplette Neueinsteiger kommt dazu noch der Preis einer Playstation 4, die je nach Modell zwischen 300 bis 450 Franken kostet.

«Oculus Rift» und «Vive» von HTC haben der «Playstation VR» technisch zwar einiges voraus. Insgesamt ist das VR-Erlebnis der beiden High-End-Modelle aber nicht so viel besser, als dass es kaufentscheidend wäre. Zumal beide um einiges teurer sind: Die «Oculus Rift» kostet rund 800 Franken, die «Vive» sogar 900 Franken. Dazu kommen die Kosten für den nötigen Game-PC, der in VR-fähiger Konfiguration nicht unter 1000 Franken zu haben ist.

Das Modell von Sony ist also mit Sicherheit die günstigste Variante, wenn es um das Eintauchen in die «echte» Virtual Reality geht. Vor allem für die, die sich in der Playstation-Welt zu Hause fühlen, ist die Einstiegshürde besonders niedrig.

Doch am Ende bleibt das Fazit, das wir schon beim Test der beiden anderen VR-Brillen gezogen haben: VR-Gaming steht noch am Anfang und die Entwickler müssen erst lernen, welche Spiele auf solchen Geräten am besten funktionieren und wie sie am effektivsten umgestezt werden. Das Potenzial der Technik ist klar zu erkennen, aber wer jetzt schon mit einer eigenen Brille dabei sein will, zahlt den Aufpreis des «Early Adopters».

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