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Panorama «Raumfahrt wird nie Routine sein»

Zwei Abstürze von Raumfähren innerhalb weniger Tage – und beides Mal stecken private Anbieter dahinter. Arbeiten diese weniger sicher als staatliche Organisationen? Nein, sagt Raumfahrtspezialist Men Jon Schmidt.

Wrackteile der abgestürzten Raumfähre SpaceShipTwo
Legende: Hilfssheriffe schauen sich in Cantil, Kalifornien, die Wrackteile der Raumfähre «SpaceShipTwo» an. Reuters

Radio SRF: Der Absturz des Raumschiffs «SpaceShipTwo» ist schon das zweite Unglück der privaten Raumfahrtindustrie in dieser Woche. Erst am Dienstag war eine private Versorgungsrakete für die Raumstation ISS explodiert. Ist das Zufall?

Men Jon Schmidt: Das hat insofern nichts miteinander zu tun, als dass dies zwei völlig unterschiedliche Systeme sind. Das eine war eine Mischung zwischen Rakete und Flugzeug, das bemannt in Weltraum starten sollte, das andere war eine kommerzielle Trägerrakete, die Nutzlast zur internationalen Raumstation hätte transportieren sollen. Unglücklicherweise sind die beiden Abstürze nahe beieinander aufgetreten.

In beiden Fällen handelt es sich um private Unternehmer. Gehen diese möglicherweise mehr Risiken ein, weil sie Geld verdienen wollen und darum Tempo machen?

Das Risiko ist nicht grösser als bei einer nationalen Raumfahrtorganisation. Die Firmen können sich das auch gar nicht leisten – schon gar nicht in den USA, wo eine solche Firma dank Sammelklagen ruiniert wäre, wenn man nachweisen könnte, dass sie fahrlässig gehandelt hätte.

Es war die Nasa selber und die staatlichen Organisationen, die den Wettbewerb angeregt haben. Die Nasa hat der privaten Raumfahrtindustrie vor etwa zehn Jahren gesagt: Wir geben euch Geld, wenn ihr euch bemüht, eigene Systeme zu entwickeln, um in den Weltraum zu gelangen. Damit wollte die Nasa auch einen Konkurrenzkampf ankurbeln, um zu sehen, was da für neue Ideen herauskommen – und sich dann die Rosinen für die eigenen Programme herauspicken.

Was ist die grösste Herausforderung für die private Raumfahrt?

Das bleibt die Sicherheit. Raumfahrt ist keine Routine und wird auch nie Routine sein. Man kann versuchen, das Risiko so zu minimieren, dass es überschaubar wird. In dieser Hinsicht ist der Unfall ein Rückschlag, gerade weil man ein Todesopfer zu beklagen hat. Aber man muss aus diesen Fehlern lernen. So ist es in der Raumfahrt immer gewesen; leider müssen Unglücke passieren, damit man es in Zukunft besser macht. Ich denke, auch dieses Unglück wird helfen, dass Virigin ein gutes Raumschiff entwickeln wird und in wenigen Jahren wirklich Touristen in den Weltraum transportieren kann.

In Russland ist die ganze Raumfahrt staatlich kontrolliert. Ist dies das sicherere Modell?

Überhaupt nicht. Weil es staatlich kontrolliert wird, sind auch die Mittel sehr unzuverlässig vorhanden. In den letzten 20 Jahren hat man nichts mehr oder sehr wenig für die Raumfahrt ausgegeben, weil man andere Prioritäten setzten musste. Raumfahrt war ja kein Prestigeprojekt mehr. Es ist so, dass die Russen sehr gutes Raumfahrt-Knowhow zur Verfügung haben, aber wenn es nicht finanziert wird, liegt es brach.

5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Häusermann, Wil
    Raumfahrt ist gefährlich. Man fliegt faktisch mit einer fliegenden Bombe ins Weltall... Mam darf auch nicht vergessen, dass sämtliche Raumfahrtnationen ihre Rückschläge hatten. Die Russen hatten in der letzten Zeit recht viele (unbemannte) "Verluste" aufgrund Qualitätsmängeln in der Produktion zu verzeichnen. Die USA fliegen im Vergleich geradezu sicher ins All.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Priv.Firmen können nie mit Staatlichen Institutionen konkurrieren..., ganz einfach deshalb, weil private Geldgeber immer so schnell wie möglich an schwarzen Zahlen interessiert sind. Im Uebrigen, ein Konkurrieren sollte es ja nicht sein, eher doch ein Ergänzen. Aber, da es halt auch um gigantische Summen geht, spielen auch andere Faktoren mit, und manchmal verliert der/die Eine+Andere, im 'kummunal-privaten' Zusammenspiel, die, für solche Objekte zwingend notwendige Objektivität + Sachlichkeit
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    1. Antwort von P Zunger, Basel
      Doch, es geht um gewolltes Konkurrieren und Effizienz: nehmen wir irgend ein staatliches Projekt, das hat ein Budget x und muss bis Zeitpunkt t fertig sein. Was passiert beim Staat: es wird entweder direkt überzogen bis zum Zeitpunkt t, oder es wird später fertig, aber ebenso überzogen, denn Staat zahlt ja Löhne auch während des Ueberziehens. Beim Privaten trägt dieses Risiko zumindest zum Teil die Firma. Daher gibt sich Firma speziell Mühe, beim heutigen Staat gibt es dazu kaum Anreize.
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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Die Darstellung von Men Jon Schmidt Ist vollkommnen unglaubwürdig. Die NASA hat schon versucht beim Challenger extrem viel auszulagern und es ist schief gegangen. (The Challenger Launch Decision - Diane Vaughan). Private Firmen können nie mit Staatlichen Institutionen konkurrieren. Es gibt nie die Konstanz im Personal wie bei Roskosmos oder der NASA. Die Auslagerung ist eine Verzweiflungstat um in einzelnen Bereichen wieder Anschluss zu finden. Nachdem man selbst Triebwerke einkaufen muss.
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