Robben-Babys erobern Helgoland

Über Jahrhunderte galten die Kegelrobbe in der Nordsee praktisch als ausgerottet. Jetzt erobern sie Jahr für Jahr ein grösseres Stück der Hochseeinsel Helgoland. In der diesjährigen Wurfsaison wurden rekordverdächtige 317 Jungtiere gezählt.

Zwei Robben am Meer.

Bildlegende: Seit einigen Jahren wächst die Robben-Population wieder auf Helgoland. (Bild: Mai 2013) Keystone / Archiv

Wider Erwarten wächst auf Helgoland die Population der Kegelrobben. In der jetzt zu Ende gehenden Wurfsaison seien 317 Jungtiere gezählt worden, sagte Helgolands Robbenexperte Rolf Blädel. «Das ist absoluter Rekord.» In der vorigen Saison waren es nach Angaben des Vereins Jordsand 247 Robbenbabys gewesen.

Dichtestress auf der Insel?

Mit der zunehmenden Zahl von Wintertouristen auf der Nordseeinsel werde die Situation manchmal etwas schwierig, sagte Blädel. Die Robbenweibchen seien sehr aggressiv, um ihre Jungen zu schützen. «Wenn wir die Menschen aber darüber aufklären, dann geht das auch.»

«Im Winter schütten wir die Durchgänge in den Dünen zum Strand zu», sagte Blädel. Darüber seien Aussichtsplattformen errichtet worden, um das «Robben-Watching» zu erleichtern und die Touristen etwas von den Tieren fernzuhalten.

Die Wurfsaison dauert von Mitte November bis Ende Februar. Das extrem dichte, weisse Fell schützt den Nachwuchs in den ersten Lebenswochen vor Kälte und Wind. Nach der Geburt müssen sich die kleinen Robben vor ihrem ersten Ausflug in die Nordsee eine isolierende Speckschicht anfuttern. Das schaffen sie dank der fetthaltigen Muttermilch in nur drei bis vier Wochen. Ihr Geburtsgewicht von 10 bis 14 Kilogramm erhöht sich in dieser Zeit auf rund 50 Kilo.

Kegelrobben wurden beinahe ausgerottet

Noch sei genug Platz für die Tiere, sagte Blädel. «Es wäre dennoch gut, wenn es nicht sehr viel mehr werden. Aber darum kümmern die sich nicht.» Und bis zum Beginn der Badesaison seien die Robben ohnehin wieder weg. Die Jungtiere erobern das Meer. «Die Muttertiere haben nach der Wurfsaison ein Viertel ihres Gewichts verloren. Die haben dann richtig Hunger und gehen in der Nordsee auf Jagd.»

Als angebliche Konkurrenten der Fischer waren Kegelrobben seit dem 16. Jahrhundert in der Nordsee nahezu ausgerottet. Erst 1967 wurden die ersten wieder in deutschen Gewässern gesichtet, und zwar auf Amrum, 1975 dann auch auf Helgoland. Auf der Helgoländer Düne kam das erste Jungtier 1996 zur Welt.
Heute gibt es im Wattenmeer wieder vier Kolonien mit Jungen: eine nahe der westfriesischen Insel Terschelling (Niederlande), zwei auf Sandbänken nahe Juist und Amrum sowie seit 2001 die Kolonie auf der Helgoländer Düne.