Rosettas letzte Mission erfolgreich beendet

In den letzten zwei Jahren hat die Sonde Rosetta mit Schweizer Beteiligung die Wissenschaft revolutioniert. Für Astrophysiker Kevin Schawinski war die Mission ein wichtiger Schritt bei der Erschliessung unseres Sonnensystems.

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Rosettas Bilder vom Kometen Tschuri

0:25 min, vom 29.9.2016

Mehr als zwei Jahre hat die ESA-Sonde Rosetta den Kometen Tschuri umkreist. Zum krönenden Schluss der Mission setzte die Sonde auf dem Kometen auf – und wurde dabei wie geplant zerstört.

Ein bisschen Wehmut sei schon dabei, erklärt die Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg, die an der Rosetta-Mission mitwirkte. Allerdings bewegt sich der Komet auf seiner Umlaufbahn von der Sonne weg. Rosetta könnte deshalb die nächsten vier Jahre wegen Energiemangels ohnehin nichts mehr messen.

Erkenntnisse über unser Sonnensystem

Mit an Bord war das Berner Massenspektrometer Rosina. Das Gerät, das die chemische Zusammensetzung von Tschuris Ausdünstungen analysiert, hat Resultate geliefert, die die bisherige Vorstellung über die Entstehung des Sonnensystems umgekrempelt haben.

«Der Komet ist sehr porös, zu 75 Prozent besteht Tschuri aus Nichts. Das Ganze wird nur durch schwache Kräfte zusammengehalten», erklärt Altwegg. «Es können also bei Tschuris Entstehung keine grossen Kollisionen im Spiel gewesen sein.»

Diese Erkenntnis widerspricht einer verbreiteten Theorie über die Entstehung unseres Sonnensystems, das von einem Kollaps der Staubwolke um die Sonne ausgeht. «Unsere Beobachtungen an Tschuri deuten aber darauf hin, dass das alles viel sanfter passiert sein muss», sagt Altwegg.

Ein Bild von Rosetta von der Oberfläche des Kometen «Tschuri».

Bildlegende: Eine der letzten Aufnahme der Sonde: Auf der rot umkreisten Fläche des Kometen «Tschuri» soll Rosetta «hart» landen. SRF

Wasser und ein heftiger Gestank

Rosinas Messungen zeigen auch, dass das Wasser der Erde zum Grossteil nicht von Kometen wie Tschuri stammen kann. Ausserdem fanden die Forscher heraus, dass es auf dem Kometen stinkt – nach faulen Eiern und Pferdestall.

Die Daten, die Rosetta in den letzten Wochen und Tagen ihrer Existenz sammelt, dürften die beteiligten Wissenschaftler noch Jahre bis Jahrzehnte beschäftigen. Das Beste kommt dabei wahrscheinlich zum Schluss: Die derzeitigen Flugmanöver bringen Rosetta ihrem Kometen näher denn je und erlauben der Sonde, einmalige Daten zu sammeln.

Das Sonnensystem erschliessen

Hat also die Rosetta-Mission die Wissenschaft schon jetzt neu geschrieben?

Absolut, sagt der Astrophysiker Kevin Schawinski von der ETH Zürich. «Die Mission hat faszinierende Resultate geliefert. Wir verstehen nun unser Sonnensystem besser. Kometen sind die ältesten Bausteine, die noch heute da sind. Weil man diese nun studieren konnte, weiss man, dass schon bei der Entstehung unseres Sonnensystems organische Moleküle vorhanden waren. Das sind die Bausteine unseres Lebens.»

Zudem sei es eine raumfahrttechnische Meisterleistung gewesen, den Kometen Tschuri, ein vergleichsweise winziges Objekt zu verfolgen und darauf zu landen.

«  Es gibt Pläne, Kometen als eine Art Tankstationen im Weltall zu benutzen. »

Kevin Schawinski
Astrophysiker ETH

Nasa will Asteroiden fangen

Laut Schawinski war Rosetta war ein wichtiger Schritt für die Erschliessung unseres Sonnensystems. «Es gibt Pläne, Kometen als eine Art Tankstationen im Weltall zu benutzen. Die Nasa plant eine erste bemannte Mission in 2020 in Richtung eines Asteroiden. Sie wollen einen Asteroiden fangen und dann in die Mondumlaufbahn bringen, so dass sie dort Zugang zu den Materialien des Asteroiden haben», sagt Schawinski.


«Rosettas» letztes Lebenszeichen

2:11 min, aus Rendez-vous vom 30.09.2016

Denn die Sache ist die: «Bei der Erkundung unseres Sonnensystems brauchen wir Materialien. Alles, was wir von Erde wegschiessen müssen, ist extrem teuer. Wenn man nun Wasser, Sauerstoff, Treibstoff auf einem Asteroiden quasi ernten kann, macht es alles viel einfacher. Diese Forschung der Nasa ist also unheimlich spannend.»

Aber auch private Unternehmen sind hier schon tätig. Sogenannte «Asteroid Miners» denken bereits darüber nach, wie sie Weltraumressourcen ausnützen können.

Kevin Schawinski

Kevin Schawinski

zVg

Der Schweizer Astrophysiker ist Professor am Institut für Astronomie der ETH Zürich. Er erforscht die Beziehung von Galaxien und Schwarzen Löchern. Zuvor hat er an den Universitäten Oxford (GB) und Yale (USA) geforscht.

Der Livestream der ESA

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Rosetta auf letzter Mission

    Aus Tagesschau vom 30.9.2016

    Die Sonde Rosetta der Europäischen Weltraumorganisation ESA soll kurz nach 13 Uhr am Kometen Tschuri zerschellen und letzte Daten liefern. Sie hat Tschuri zwei Jahre lang umkreist und viele aufschlussreiche Informationen gesammelt.

  • Am 10. August: «Einstein» vom 30.10.2014

    Aus Einstein vom 10.8.2015

    Mit «Rosetta» dem Ursprung des Lebens auf der Spur - Schweizer Hightech-Kameras für den Weltraum - Wie bringt man den Klimawandel unters Volk? - 25 Jahre Mauerfall: Das Loch im «Eisernen Vorhang»

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    Aus Tagesschau vom 10.12.2014

    Das Messgerät «Rosina» setzte vor knapp einem Monat zusammen mit der Sonde «Rosetta» auf dem Kometen «Tschuri» auf. Rosina wurde an der Universität Bern entwickelt und liefert nun erste Daten.

  • Wagnis Raumfahrt-Mission

    Aus Einstein vom 20.11.2014

    Missionen wie «Rosetta» zeigen, dass bei Unternehmungen solcher Grössen- und Zeitdimension Erfolg und Misserfolg nahe beieinander liegen. Was bringen die sündhaft teuren Raum-Missionen von NASA, ESA und Co. denn wirklich? Welchen Fortschritt versprechen sie für Wissenschaft und Forschung – und wie beeinflussen sie unsere Gesellschaft? Karlheinz Steinmüller, Physiker und Zukunftsforscher, kennt sich in der Raumfahrt bestens aus. Für uns analysiert er Sinn und Zweck und wirft einen Blick in die Zukunft der Raumfahrt.

  • Rosetta-Landung: Grosser Moment der Raumfahrt

    Aus 10vor10 vom 12.11.2014

    Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist ein Mini-Labor auf einem Kometen gelandet. Experten vergleichen die geglückte Mission mit der Mondlandung. Dank Rosetta verspricht sich die Wissenschaft nichts Geringeres als die Erklärung unseres Lebens und des Universums. «10vor10» über die Suche nach Antworten.