Saddams Advokat war gar nicht Anwalt

Giovanni di Stefano hat Saddam Hussein, Slobodan Milosevic und Posträuber Ronald Biggs als Anwalt vertreten. Nun hat ein britisches Gericht festgehalten, dass er gar kein Anwalt ist.

Der Verteidiger zahlreicher Politiker und notorischer Verbrecher, Giovanni di Stefano, ist nach Überzeugung eines britischen Gerichts gar kein Anwalt. Die Richter befanden ihn unter anderem des Betrugs und der Geldwäscherei für schuldig.

Di Stefano habe fälschlicherweise angegeben, juristische Abschlüsse und Qualifikationen zu haben, sagte die Staatsanwältin. Er habe sein Spiel über acht Jahre lang getrieben und so seine Klienten um Millionen gebracht.

Di Stefano fotografiert auf der Strasse, macht das 'Victory'-Zeichen.

Bildlegende: Di Stefano Ende Januar auf dem Weg zu seiner Verhandlung. Reuters

Di Stefano war als einer der Verteidiger des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein bekannt geworden. Zu seinen weiteren Klienten zählten der frühere serbische Präsident Slobodan Milosevic und der bekannte britische Posträuber Ronnie Biggs. Die britische Presse nannte ihn deshalb auch «Advokat des Teufels».

Di Stefano wurde in Italien geboren und zog als Kind nach Grossbritannien. Vor Gericht gab er an, er habe sich während eines Gefängnisaufenthalts in den 70er-Jahren von seinem Verteidiger schlecht beraten gefühlt und deshalb beschlossen, Anwalt zu werden. Später habe er sich selbst Jura beigebracht.

Di Stefano war im Februar 2011 auf Mallorca aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Das Strafmass ist noch offen.