«Schiaparelli» sendet erste Signale vom Mars

Zuerst gab es von der Sonde «Schiaparelli» stundenlang kein Signal. Später trafen über einen Satelliten erste Daten ein. Eine weiche Landung der Sonde kann bisher aber nicht bestätigt werden.

Das Büro der europäischen Weltraumagentur ESA mit zahlreichen Bildschirmen und Kontrollelementen.

Bildlegende: Die europäische Weltraumagentur ESA bekam erste Signale von der Mars-Sonde «Schiaparelli». Keystone

Trotz grosser Probleme bei der Mars-Landung der Sonde «Schiaparelli» werten europäische Raumfahrtexperten zwei heikle Manöver des ExoMars-Projektes als Teilerfolg. Zwar kann eine weiche Landung von «Schiaparelli» nicht bestätigt werden, wie Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) erklärt. Aber erste Signale konnten über den Esa-Satelliten Mars-Express empfangen werden: «Wir haben die Daten, wir haben Testergebnisse, ich bin sehr froh», so Wörner.

Zudem betonte er, dass parallel zum Landeanflug des Testmoduls ein Satellit erfolgreich seine Umlaufbahn um den Mars erreicht hat. «Das ist ein grosser Erfolg.»

Stundenlang keine Signale

Die Sonde «Schiaparelli» sollte am Mittwochabend in einem automatisch gesteuerten Manöver die Mars-Oberfläche erreichen. Nach der programmierten Ankunftszeit gab es stundenlang keine Daten von der Sonde. Als später Daten eintrafen, mussten die Wissenschaftler sie in einer Nachtschicht mühsam auswerten.

«Der Lander hat sich nicht verhalten wie wir es erwartet haben», räumte Andrea Accomazzo von der Esa ein. In den letzten 50 Sekunden vor dem geplanten Aufsetzen auf der Oberfläche habe «Schiaparelli» keine Signale mehr gesendet. Dennoch habe das Modul Daten gesammelt. «Das ist das Wichtigste», betonte Accomazzo. Es könne sein, dass der Lander zu schnell war, als er sich der Marsoberfläche näherte.

Milliardenprojekt der Esa mit russischem Partner

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Testsonde vor Mars-Landung

1:10 min, aus Tagesschau vom 19.10.2016

Das Testmodul hatte keine zentralen Forschungsaufgaben. Vielmehr wollte die Esa mit der 600 Kilogramm schweren Sonde für die zweite Phase von ExoMars 2020 die Landung üben. Auch Flugdirektor Michel Denis betonte, dies sei ein Test gewesen. «Wir werden daraus lernen. Ich sehe das nicht als Rückschlag.» Dennoch wiederholt sich damit das Schicksal einer Esa-Sonde auf dem Mars: Bereits 2003 erreichte «Beagle 2» den Nachbarplaneten, sendete aber keine Signale.

Mit dem Milliardenprojekt ExoMars suchen die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Wüstenplaneten. In einer ersten Phase des Programms hatten die Raumfahrtbehörden am 14. März «Schiaparelli» und den Satelliten «Trace Gas Orbiter» (TGO) auf die 500 Millionen Kilometer lange Reise zum Mars geschickt.