Zum Inhalt springen

Neue ETH-Studie Schlechte Nachrichten für Klimaskeptiker

Legende: Audio «Ein Sturm im Wasserglas» abspielen.
4:37 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.05.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die scheinbare Unterbrechung der Klimaerwärmung von 1998 bis 2012 hat es nicht gegeben. Zu diesem Schluss kommen ETH-Forscher.
  • Wegen äusserer Faktoren wurde die Erwärmung in diesen Jahren lediglich verlangsamt, nicht aber gestoppt.
  • Für den ETH-Forscher Erich Fischer ist damit klar: Der von Klimaskeptikern ins Feld geführte «Beweis», dass es den Klimawandel gar nicht gebe, ist «ein Sturm im Wasserglas».

Der kurzfristige Einfluss von Wetterphänomenen

Das Fazit der ETH-Temperaturstudie für die Jahre 1998 bis 2012: «Wenn die Effekte kurzzeitiger Temperaturschwankungen, wie El Niño, vulkanische Aerosole und Sonnenvariabilität herausgenommen werden, ist das von Menschen erzeugte Signal globaler Erwärmung nicht wesentlich zurückgegangen.»

1997/1998 sei das Klimaphänomen El Niño an der südamerikanischen Pazifikküste besonders ausgeprägt gewesen und habe zu den weltweiten Temperaturrekorden 1998 beigetragen. Dass dem nicht sofort weitere Rekorde folgten, sei deshalb vor allem mit den natürlichen Klimaschwankungen erklärbar. (dpa)

SRF News: Die angebliche Pause bei der Klimaerwärmung zwischen 1998 und 2012 hat es also gar nicht gegeben?

Erich Fischer: Genau. Eine Pause gab es wohl nie, man kann allenfalls von einer Erwärmungsabschwächung sprechen, auch wenn diese nicht signifikant war. Die globale Temperatur hat also über einige Jahre etwas weniger rasch zugenommen als im langjährigen Durchschnitt.

Wie erklären Sie dieses neue Resultat?

Wir haben verschiedene Beobachtungsdaten für unsere Studie berücksichtigt. Dabei zeigte sich, dass der einzige Datensatz, der wirklich eine Pause über mehrere Jahre zeigt, lückenhaft ist. Der Datensatz weist grosse Messlücken der Temperaturen in Arktis und Antarktis auf, doch gerade diese Gebiete haben sich während der fraglichen Jahre besonders stark erwärmt. Wenn man das berücksichtigt, bleibt nur mehr eine Erwärmungsabschwächung, aber keine -pause übrig.

Die neuen Erkenntnisse stimmen auch mit der Annahme überein, dass der Klimawandel menschengemacht ist.
Ein blauer See auf einer schier unendlichen Gletscherfläche.
Legende: Grönland: Ein Schmelzwassersee auf einem riesigen Gletscher verdeutlicht die Abschmelzung des Eises. Getty Images

Wie konnte es passieren, dass man Arktis und Antarktis bei den Messungen kaum berücksichtigt hatte?

In der Arktis sind riesige Gebiete mit Meereis bedeckt, es ist nicht einfach, dort Messstationen aufzustellen. Weil ein flächendeckendes Messnetz fehlt, müssen wir Annahmen treffen und Satellitenmessungen hinzuziehen. Restriktive Datensätze, welche nur die Bodenmessungen berücksichtigen weisen denn auch diese Lücke auf. Wenn man die Lücken nun mittels Satellitenmessungen und statistischen Methoden füllt, dann zeigt sich, dass sich genau diese Gebiete besonders stark erwärmt haben.

Was bedeuten Ihre neuen Resultate für die Diskussion um den Klimawandel?

Man kann die Diskussion über den angeblichen Unterbruch bei der Klimaerwärmung damit als Sturm im Wasserglas bezeichnen. Am Anfang war diese Pause von Klimaskeptikern überhöht worden. Doch mit fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen – und wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht statt mit Birnen – zeigt sich immer deutlicher, dass die Temperaturentwicklung auch über die Jahre von 1998 bis 2012 mit den verwendeten Klimamodellen konsistent ist. Die neuen Erkenntnisse stimmen auch mit der Annahme überein, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Ein weiterer Hinweis dafür sind die beiden rekordwarmen Jahre 2014 und 2015, welche auf die Verlangsamungsphase folgten und die einen vergleichsweise raschen Anstieg der mittleren globalen Temperatur zeigen. Damit sind auch die letzten Zweifel ausgeräumt worden.

Werden sich die Klimaskeptiker von Ihren Resultaten überzeugen lassen?

Wir hoffen, dass wir etwas gegen dieses Phänomen beitragen können. Manche Leute werden Zweifler bleiben. Dabei ist es gut und wichtig, dass es die Zweifler gibt. Schliesslich haben sie die Forschung angetrieben und uns Hinweise darauf gegeben, wo wir ansetzen müssen, um Antworten auf offene Fragen zu liefern.

Das Gespräch führte Lukas Mäder.

Seit 2014 jagt ein Wärmerekord den nächsten

Wie real der Klimawandel ist, zeigen die im letzten Winter gemessenen Temperaturrekorde in der Arktis: Auf dem Höhepunkt des Winters und der eigentlichen Gefrierperiode habe es Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt gegeben, meldete die Weltwetterorganisation im März. Ausserdem spricht der Trend der vergangenen drei Jahre eine deutliche Sprache: 2016 war das dritte Jahr in Folge, das den globalen Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gebrochen hat.

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Ein einziger grosser länger andauernder Vulkanausbruch kann uns die Eiszeit hervorbringen und aus die Maus . Wir wissen einzig sicher, dass es nicht in der Kraft der Menschen liegt, die Erde derart zu verändern -sondern nur die Physikalischen Umstände der Erde und des Sonnensystems . Es ist einfach nur akademisches Elfenbeinturm -Wissen das uns andauernd als das Gelbe im Ei verkauft wird . Es wird sich wie das Waldsterben derselben Leute, als irre Annahme herausstellen .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Wir haben viel unternommen um das Waldsterben zu verhindern. Wie kommen Sie also darauf, dass dies nur eine irre Annahme war? Wenn wir schon von Elfenbeinturm sprechen...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Das ist das tragische dass die griffigen Massnahmen am Ende nicht einmal mehr als solche erkannt werden weil sie griffig waren. Sobald das Problem "gelöst" ist wird einfach das Problem negiert. Fertig. So sind wir offenbar gestrickt. Beängstigend.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dave Gruen (Echt jetzt?)
    Warum nur verstehen so viele den Kern der Klimaschutzbemühungen nicht? Kein ernsthafter Wissenschaftler bestreitet dass es immer wieder Klimaänderungen gegeben hat. Kein ernsthafter Klimaschützer hat die Idee natürlichen Klimawandel aufhalten zu können. Natürliche Klimaänderungen dauern abertausende von Jahren. Menschgemachte nur wenige Generationen. Der Klimaschutz versucht den menschlichen Einfluss auf das Klima so gering wie möglich zu halten. Kann msn da dagegen sein?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jürg Schmidiger (Bärnerbär)
    Sollte uns der Klimawandel nicht direkt treffen so treffen uns die Folgen sehr stark. Es wird Zwangsläufig zu Massenwanderungen von betroffenen Menschen kommen und ein Machtkampf um die Wasserresourcen. Da hilft keine Mauer und kein Patriotismus. Es wir auch uns die im hier und jetzt leben nicht treffen. Aber unsere Nachkommen sicher. Also wenn wir so grossspurige Reden schwingen und uns als die grössten Egoisten der Menschheit in die Geschichtsbücher einschreiben, wo ist unsere Vernunft?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Jürg Schmidiger: Auch wir werden um's Wasser kämpfen müssen, wenn die Gletscher einmal weg sind.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen