Schumachers Krankenakte: Fieberhafte Suche nach dem Leck

Nach dem möglichen Diebstahl von Teilen der Krankenakte Schumachers wird in Frankreich ermittelt. Die Klinik in Grenoble checkt ihr Datensystem.

Porträt von Michael Schumacher.

Bildlegende: Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher wurde sechs Monate in Grenoble behandelt. Keystone

Nach dem angeblichen Diebstahl von Teilen der Krankenakte Michael Schumachers suchen die Ermittler in Frankreich nach dem möglichen Leck. «Es gibt im Moment keine Gewissheit in dieser Affäre», zitiert die Regionalzeitung «La Dépêche du Midi» den in Grenoble ermittelnden Staatsanwalt Jean-Yves Coquillat.

Bei den Unterlagen soll es sich um den Entwurf für einen Arztbrief handeln. Die elf oder zwölf Seiten fassen angeblich die medizinische Entwicklung während der Behandlung des früheren Formel-1-Weltmeisters in der Universitätsklinik von Grenoble zusammen.

Hehler verlangen 60'000 Franken

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist es wahrscheinlich, «aber nicht erwiesen», dass die Unterlagen aus Grenoble stammen. Dort war Schumacher nach seinem schweren Skiunfall Ende Dezember fast sechs Monate lang behandelt worden.

Die Daten sollen unter dem Pseudonym «Kagemusha» verschiedenen Medien per Mail zum Kauf angeboten worden sein. Kostenpunkt für die Hehlerware: 60'000 Franken. «Kagemusha» ist ein japanischer Historienfilm, der 1980 bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme als bester Film ausgezeichnet wurde.

Bei der Aufklärung hofft die Staatsanwaltschaft auch auf die Unterstützung von Medien, denen die Unterlagen angeboten wurden. «Jeder hat ein Recht darauf, dass das Arztgeheimnis akzeptiert wird», sagte Staatsanwalt Coquillat.

Pseudonym verwendet

Zuvor hatte bereits Schumachers Managerin Sabine Kehm klar gemacht, dass Ankauf und Veröffentlichung solcher Unterlagen verboten seien. «Daten aus der Krankenakte sind höchst vertraulich», hiess es in einer Mitteilung.

Das Krankenhaus hat bereits Anzeige gestellt und die Datenspeicher mit den Krankenakten gecheckt. «Wir haben unser komplettes IT-System sofort von Experten überprüfen lassen», sagte Klinikchefin Jacqueline Hubert der «Bild»-Zeitung.

Geklärt werden sollten Suchanfragen nach der Akte Schumachers oder Hacker-Angriffe von aussen. «Wir konnten aber keine Spuren finden», sagte Hubert. Zugriff auf das Dokument hatten nach ihren Angaben «nur eine begrenzte Anzahl von Personen». Für die Akte sei ein Pseudonym verwendet worden.

Seit einer Woche ist Schumacher nach Angaben seiner Managerin nicht mehr im Koma. Der 45-Jährige befindet sich in Lausanne in einer Reha-Klinik, wie das Krankenhaus mitgeteilt hatte.