Schumachers Krankenakte: Spur des Diebes führt in die Schweiz

Die Justiz ist dem Dieb von Michael Schumachers Krankenakte auf die Schliche gekommen. Die IP-Adresse des Computers, von dem über Mail die Daten zum Kauf angeboten wurden, soll einem Zürcher Helikopter-Unternehmen gehören.

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Spur im Fall Schumacher führt in die Schweiz

0:39 min, aus Tagesschau vom 7.7.2014

«Die IP-Adresse gehört zu einer Helikopterfirma in der Gegend um Zürich», bestätigte die Staatsanwaltschaft in Grenoble einen Bericht der französischen Regionalzeitung «Dauphiné Libéré», ohne den Namen der Firma zu nennen. Ob auch der Dieb selbst gefasst wurde, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft Grenoble, die zunächst ermittelte, hat den Fall inzwischen den Schweizer Behörden übergeben.

Schumacher

Bildlegende: Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher war Mitte Juni von Grenoble in eine Reha-Klinik in Lausanne verlegt worden. Reuters

Laut dem Zeitungsbericht war die Krankenakte über die nun ermittelte IP-Adresse mehreren Journalisten zum Verkauf angeboten worden. Der mutmassliche Datendieb verlangte dafür 60'000 Franken.

Der Diebstahl war vor zwei Wochen bekannt geworden und hatte für Empörung gesorgt. In der Akte sind Angaben zur mehrmonatigen Behandlung Schumachers in der Uni-Klinik Grenoble festgehalten.

Arzt erhielt Akte

Vor dem Transfer Schumachers in die Lausanner Universitäts-Klinik CHUV war das besagte Helikopterunternehmen kontaktiert worden, um abzuklären, ob ein Lufttransport des Patienten möglich ist, wie die Zeitung schreibt. Wie in solchen Fällen üblich, wurde eine Version der Krankenakte per Mail an einen Arzt verschickt.

Dies sollte es dem Arzt ermöglichen, die nötigen Vorkehrungen für den Transport zu treffen. Schlussendlich entschied man sich in Grenoble aber dann doch für den Transport per Ambulanz.

Rega: Nicht von Behörden kontaktiert

Weil das Helikopter-Unternehmen im Kanton Zürich seinen Sitz hat, müsste der Fall theoretisch bei der Zürcher Staatsanwaltschaft landen. Dort weiss man zum jetzigen Zeitpunkt aber von nichts. Man habe bis jetzt weder einen Fall noch ein Rechtshilfegesuch aus Frankreich erhalten, hiess es.

Um welches Helikopterunternehmen es sich handelt, ist nicht bekannt. Die Rega hat indes in einer Stellungnahme erklärt, den Transport Schumachers per Ambulanz organisiert zu haben. Im Rahmen dieser Abklärungen sei der Rega vom Spital in Grenoble ein medizinischer Bericht zur Verfügung gestellt worden.

Allerdings hält die Rega fest: «Die Rega wurde in dieser Sache nicht von Untersuchungsbehörden kontaktiert und hat keine Kenntnisse von laufenden Untersuchungen, heisst es weiter. «Nach heutigem Informationsstand gehen wir davon aus, dass das Arzt- und Patientengeheimnis gewahrt wurde.»

Schumacher war Ende Dezember im französischen Skigebiet Méribel bei einem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag wochenlang im Koma. Am 16. Juni wurde er, bereits aus dem Koma erwacht, unter grösster Diskretion von Grenoble zur Reha nach Lausanne gebracht.