Zum Inhalt springen

Panorama Schweiz gräbt der Dritten Welt das Wasser ab

Haben Sie neulich ein Auto gekauft? Dann haben Sie 400'000 Liter Wasser verbraucht. Wasser, das zu einem grossen Teil aus Weltregionen stammt, die unter Knappheit leiden. Der «Water Footprint» bringt es ans Tageslicht: Das «Wasserschloss» Schweiz verschwendet vor allem das Wasser der andern.

Montage: links Indus, rechts Schweiz.
Legende: «Wasserschloss» nennt man die Schweiz. Dennoch verbrauchen wir jährlich über 6 Mio. m3 Wasser aus dem Indus. Keystone / Montage

Wer sich eine Tasse Kaffee brüht, braucht dazu nicht nur die erwarteten zwei Deziliter Wasser. Der kleine Braune benötigt von der Bohne an der Staude bis zum Dampf in der Tasse 140 Liter Frischwasser. Noch prekärer ist der Verbrauch beim geliebten Steak auf dem Teller. Produktion, Verarbeitung und Vertrieb von einem Kilo Fleisch entziehen dem Kreislauf 15'000 Liter Wasser. Für ein Auto sind gar 400'000 Liter nötig.

Unser Wasser kommt aus dem Osten

Dieser Gesamtverbrauch an Wasser wird mit dem Konzept des «Wasserfussabdrucks» erfasst. Das Konzept – im Englischen «Water Footprint» – dient der Bestimmung des Wasserverbrauchs für die Produktion von Gütern und Tätigkeiten. Der Ansatz unterscheidet hierfür drei Arten von Verbrauchswasser: Regenwasser wird als «grün» bezeichnet. Über- und unterirdisch gewonnenes Wasser (Flüsse, Grundwasser) als «blau». Zu Buche schlägt aber auch das «graue» Wasser.

Analog zur «grauen Energie» bezeichnet der Begriff jene Menge an Süsswasser, die benötigt wird, um die Schadstoffe, die bei einer Produktionstätigkeit anfallen, soweit zu verdünnen, dass das Wasser wieder Standardqualität hat. Und auch diese Bilanz fällt für die Schweiz alles andere als schmeichelhaft aus.

Legende:
Wasser-Fussabdruck der Schweiz Wieviel Wasser brauchen wir Schweizer wofür? Und wo kommt es her? WWF: The Swiss Water Footprint Report 2012

In der Schweiz importieren wir einen namhaften Teil unserer Nahrungsmittel aus dem Ausland. Entsprechend fallen 82 Prozent des hierfür benötigten «grünen» Regenwassers nicht auf Schweizer Boden. Nicht besser sieht dies beim «blauen» Wasser aus.

Flüsse und Grundwasser werden auch hier in erster Linie im Ausland belastet. Nur gerade 6 Prozent des für konsumierte Landwirtschaftsprodukte benötigten Fluss- und Grundwassers werden in der Schweiz gezapft. 69 Prozent im Ausland. Noch krasser zeigt sich das Verhältnis beim «Grauwasser». 59 Prozent des benötigten Verdünnungs-Wassers wird ausländischen Kreisläufen entzogen. Das «Wasserschloss» Schweiz trägt gerade mal 1 Prozent dazu bei.

Die Zahlen zeigen eins: Noch kann man nicht von einem globalen Wassermangel reden, aber durchaus von einer «Wasserkrise». Laut François Münger ist diese Krise eben nicht in erster Linie das Ergebnis eines weltweiten Mangels, sondern eher einer weltweit ungünstigen Verteilung.

Legende:
Verteilung des Schweizer Wasserverbrauchs Blauwasser = Oberflächen- und Grundwasser | Grünwasser = Regenwasser | Grauwasser = Frischwasser zur Verdünnung verschmutzter Produktions-Abwässer. Angaben in m3/Jahr. WWF: The Swiss Water Footprint Report 2012

«Heute wird dieselbe Menge Wasserressourcen von mehr Leuten genutzt, die
mehr konsumieren», sagt der Chef der Sektion «Wasserinitiativen» bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Durch die Globalisierung der Märkte werden überdies nicht selten die Ressourcen von Ländern belastet, die im Grunde unter Wasserknappheit leiden.

So sorgt allein der Konsum in der Schweiz für einen beachtlichen Aderlass an den Reserven des Gelben Flusses in China. Gut 3,2 Millionen m3 Wasser jährlich. Aus Pakistans Indus sind es gar rund 6,6 Millionen m3. Das sind 6,6 Milliarden Liter, eine Zahl mit neun Nullen.

Blick auf den Vierwaldstättersee.
Legende: Wasserknappheit ist unbekannt in der Schweiz. Ein grosser Teil unseres Verbrauchs kommt allerdings auch aus dem Ausland. Keystone

«Dass wir Wasser verbrauchen, lässt sich nicht vermeiden. Es ist auch logisch, dass die Landwirtschaft viel Wasser benötigt. Drastisch reduzieren müssen wir aber die Übernutzung, Verschwendung und Verschmutzung von Wasser», sagt Mürner.

Fragen im Zusammenhang mit der globalen Nutzung des Süsswassers gehören zu den Prioritäten der Deza. Angesetzt wird bei der Industrie und bei der Landwirtschaft. Die Deza unterhält entsprechende Partnerschaften beispielsweise in Kolumbien, Vietnam, Bangladesch und auf den Philippinen. Beim Reisanbau fördert die Organisation den Anbau mit abwechselnden Flutungs- und Trockenphasen. Das ermöglicht Wassereinsparungen von 30 bis 50 Prozent.

Darüber hinaus finanziert die Deza das Irrigated Rice Research Consortium (IRRC), das in Asien neue Reisanbaumethoden entwickelt und bekannt macht. «International ist nur glaubwürdig, wer konkrete Projekte im Feld mit grossem Entwicklungspotenzial durchführt, die Lösungen bringen», betont Peter Bieler, Chef des Globalprogramms Ernährungssicherheit bei der Direktion. Einer ersten Phase der Sensibilisierung soll die Entwicklung einer Strategie folgen, die im grösseren Massstab anwendbar ist.

Es muss etwas geschehen

Legende: Video Openair gegen Wasserverschwendung abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.07.2013.

Um die grösseren Zusammenhänge ist man auch bei der UNO bemüht. Die Aktivitäten von rund 31 Organisationen und Programmen des UNO-Systems haben einen direkten Bezug zu Wasser. «UN-Water» wurde 2003 eingerichtet mit dem Ziel, den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Akteuren sowie mit den externen Partnern zu koordinieren und zu erleichtern. Seit 2008 gehört auch die Deza dazu.

Die Zeit drängt. Im letzten Jahrhundert ist der weltweite Wasserverbrauch mehr als doppelt so rasch gewachsen wie die Bevölkerung. Und rund 3 Milliarden der Menschen, die im Jahr 2050 zusätzlich die Welt bevölkern werden, werden in Regionen mit Wassermangel zur Welt kommen. Die Experten sind sich einig: Auch im «Wasserschloss» Schweiz täte man gut daran, mit dem kostbaren Nass weniger fürstlich umzugehen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

42 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Jeder kann zur Erhaltung eines ausgeglichenen,glob.Wasserhaushalts beitragen,indem er uva zB den Fleischkonsum auf 2-3x/W reduziert,IP-Fleisch verweigert,(IP-Bauern füttern grossenteils Importfutter, verwenden Kunstdünger,Pesti-+Herbizide)regionale Bioprodukte,nicht Import,konsumiert,saison.Vegetarisches+Tierisches+Direktvermarkter berücksichtigt.Die CH lagert zZ eine Anbaufläche in Grösse der CH aus,Tendenz steigend.Wie sicher aber können wir sein,dass man uns auch zukünftig dort anbauen lässt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      Ihre Bestrebungen in Ehren Herr Herrmann, aber wir können weder den CO2 Gehalt der Atmosphäre beeinflussen, noch mehr Gerechtigkeit durch Umverteilung von Finanzen und Ressourcen erreichen. Ihre linken Konzepte sind einfach nicht stichhaltig, weil sie der Realität widersprechen. (Die Reduktion von Fleischkonsum ändert nichts am weltweiten Wasserverbrauch)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Einfach mal in die linke Schublade stopfen ,ohne sich mit dem Problem überhaupt befasst zu haben.Den weltweiten,imm.Wasserverbrauch haben wir neben anderen Wirtschaftszweigen vor allem der Fleischproduktion zu verdanken.Wie oben klar dargestellt,weiss man das schon seit Jz.75% der landw.Fläche wird dafür verschwendet,in Entwicklungsländer ausgelagert,abgeholzt,vergiftet,überdüngt.Deshalb gilt auch für die CH:Redukt.des Konsums,Berücksichtigung inl.Bioprodukte+Ja zu beiden Überbevölk'initiativen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @Beppie Hermann: Wenn das so ist, möchte ich mich für die linke Schublade entschuldigen! Finde jedoch immer noch, dass wir nicht den Fleischkonsum als Ursache sehen, sondern alle relevanten Systemparameter in Kontext und unsere praktischen Einflussmöglichkeiten realistisch betrachten sollten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von K.raymond, Muri
    Immer die gleiche Leier. Wer will den günstige Ware? Der Konsument . Warum importierten wir Ware aus all den Ländern? Weil es günstiger ist. Ich selber kaufen z.b. keine Kleider, Schuhe und anderes aus China, keinen Wein aus Südamerika, Südafrika, Amerika, Esswaren aus den Herrenländer, usw. Europa und die Schweiz haben genug eigene Ware um gut zu Leben. Esswaren wenn möglich aus der Region.Auto aus Europa usw. Und jetzt kommen die Wirtschaftsleute ja aber, Export und den weiteren blablablaba.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Sie haben mE vollkommen recht.Produziert wird,was gekauft wird.Die grosse Masse ist wie gläubige Marionetten an Fäden der Wirtschaftsmacht.Ob Alltag,Essen,Genussmittel,Drogen,Medis,Kleider,Möbel, Gebrauchsgegenstände usf,od.Freizeit,Reisen,Sport,Fun+Kick,es wird flachköpfig+egoistisch gekauft,genossen,versaut,geschlemmt,gefahren, geflogen... Dekadenz pur! Deswegen werden rund ums Jahr+zu Unzeiten Gemüse,Soja,Getreide,Früchte,Beeren,Qualfleisch,Fische,Froschschenkel usw zu 1000en t importiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Barrer, Schaffhausen
    Wasserverbrauch: kann mir mal jemand erklären wie ich Wasser verbrauchen kann wenn ich es nicht mittels einer chemischen Reaktion binde? Wasser ist normalerweise in einem Kreislauf, d.h. ich kann es nicht verbrauchen, wohl aber benutzen, verschmutzen, erwärmen etc. Was bei mir zum Wasserhahn rausläuft, fliesst wieder in die Kanalisation, resp. wir verdunstet und kommt wieder in die Atmosphere, i.e. verbrauch = Null obwohl der Zähler im Eingang einen Durchfluss aufsummiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      ZB Australien,Südeuropa uva.Das Grundwasser sinkt durch vermehrten Wasserverbrauch unter den Meeresspiegel+mischt sich mit Salzwasser.Das wiederum löscht von oben+unten die ganze Flora aus+damit auch den grössten Teil der Fauna.Rodungen für Fleischkonsum uam,aber auch Zubetonierung+imm.Eingriffe in Wasserläufe begünstigen Irritation auf allen Erdteilen,Urwaldspeicher fehlen,der Wasserhaushalt verschiebt sich.Vielerorts übersättigt,andernorts zunehmende Dürre+Verwüstung.Das war nicht immer so.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen