Waldbrände in Südeuropa Schweizer Armeehelikopter im Löscheinsatz

Die Schweiz reagiert auf den Hilferuf Montenegros und schickt einen Superpuma an die Adria. Im Interview erläutert der Chef des Korps für humanitäre Hilfe die Hintergründe.

Manuel Bessler spricht mit zwei Personen in gelben Westen.

Bildlegende: Manuel Bessler ist Chef des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe. Keystone

SRF News: Wie sieht die Schweizer Hilfe aus?

Manuel Bessler: Am Dienstag erhielten wir um die Mittagszeit eine Anfrage von Montenegro. Das Land brauche dringend Löschflugzeuge. Die humanitäre Hilfe des Bundes hat sich mit der Armee kurzgeschlossen und die entsprechende Hilfe mobilisiert: Ein Superpuma der Schweizer Armee wird aus der kosovarischen Hauptstadt Pristina abgezogen. Er wird heute Nachmittag im Krisengebiet von Montenegro eintreffen und umgehend einsatzfähig sein. Das heisst: schnelle, pragmatische Hilfe per Helikopter, die schon heute erfolgt.

Feuer im Vordergrund, im Hintergrund ein Haus.

Bildlegende: Die Flammen wüteten in der Region Lustica auch in der Nähe von Siedlungen. Reuters

Was kann dieser Helikopter, was können die Schweizer Hilfskräfte, was die örtlichen Helfer nicht können?

Die Brandherde sind in einem gebirgigen, schwer zugänglichen Gebiet. Das heisst, dort kann man nur mit dem Flugzeug oder Helikopter hinkommen. Der Superpuma kann bis zu 2,5 Tonnen Wasser laden, in einem Sack, der unten angehängt wird. So kann er das Löschwasser schnell auch in schwer zugängliche Gebiete transportieren und sehr gezielt abwerfen. Er leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Feuerbekämpfung.

Bewaldeter Hügel, es brennt und raucht.

Bildlegende: Die Brandherde befinden sich meist in unwegsamem Gebiet. Nur aus der Luft können die Feuer gelöscht werden. Reuters

Die Schweiz schickt auch Personal. Was sind das für Fachleute?

Wichtig ist das Pilotenteam sowie die Mechaniker. Ausserdem muss mit den lokalen Behörden eine Verbindung hergestellt werden. Dafür schicken wir vier Personen aus dem Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe nach Montenegro. Die Leute sind kriegserprobt, sie waren schon anderswo im Einsatz. Sie kümmern sich auch um die nötige Logistik, damit sich die Piloten auf ihre Löscharbeit konzentrieren können.

Wie wird die Schweizer Hilfe mit anderer internationaler Hilfe koordiniert?

Wir sind in intensivem Kontakt, vor allem mit der Krisenzelle der EU in Brüssel. Dort wird koordiniert, wie, was, wo eingesetzt wird. Es brennt ja nicht nur in Montenegro, sondern auch in Italien, Südfrankreich, Spanien, und auch an der Balkanküste weiter nördlich. Die EU ist ziemlich ausgeschossen, sie hat keine Löschflugzeuge mehr. Heute konnte sie offenbar noch einen Löschhelikopter in Bulgarien mobilisieren, aber das dauert alles sehr lange. Deshalb ist es gut und wichtig, schnell und pragmatisch zu helfen.

Ist die Schweiz allenfalls auch vorbereitet für Einsätze in anderen Ländern?

Absolut. Wir haben eine Krisenzelle, die 24 Stunden am Tag auf Pikett ist und reagieren kann. Der Flaschenhals sind die Flugzeuge. In der Schweiz gibt es ja auch Brandgefahr. Selbstverständlich müssen wir für den Fall der Fälle genügend Helikopter zurückbehalten. Aber in enger Absprache mit dem VBS, der Armee und der Luftwaffe haben wir die entsprechenden Vorkehrungen getroffen.

Helikopter wirft Wasser auf rauchnenden Wald ab.

Bildlegende: Die Superpumas der Armee kommen auch in der Schweiz bei Waldbränden zum Einsatz. Keystone Archiv

Wie lange wird der Schweizer Einsatz in Montenegro voraussichtlich dauern?

Wir gehen von vier Tagen aus. Der Einsatz ist gegebenenfalls verlänger- oder verstärkbar. So könnte allenfalls ein zweiter Superpuma hinzukommen. Aber das schauen wir an, sobald wir vor Ort sind.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Bildlegende:Die Feuer wüten etwa auf der vorgelagerten Halbinsel Lustica/Montenegro. srf

Hilfe für Montenegro

Zwar konnten am Dienstag in Montenegro die grössten Brände zunächst gelöscht werden. Doch kurz darauf gab es in Nähe der Stadt Herceg Novi neue Feuer. Inzwischen traf ein ukrainisches Löschflugzeug in Montenegro ein. Hilfe erreichte das kleine Land an der südlichen Adria auch aus der Schweiz, aus Bulgarien und aus Israel.