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Panorama Shaqiri soll Secondos zu Wintersportlern machen

Die Umsätze in den Schweizer Wintersport-Regionen gehen seit fünf Jahren zurück. Schweiz Tourismus will nun vermehrt Secondos auf die Skipiste locken – mit Hilfe von Nati-Spieler Xherdan Shaqiri als Vorbild. «10vor10» war bei dessen ersten Gehversuchen im Schnee in Arosa dabei.

Legende: Video «Shaqiri soll Secondos auf die Piste bringen» abspielen. Laufzeit 4:07 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.12.2013.

Auf dem Fussballrasen verdient er jedes Jahr Millionen – auf der Skipiste ist er ein blutiger Anfänger: Xherdan Shaqiri. Skifahren ist für ihn aus versicherungstechnischen Gründen tabu.

Trotzdem lässt sich der Schweizer Nati- und Bayern-München-Fussballer mit kosovarischen Wurzeln – geschätzter Marktwert: 25 Millionen Franken – von Schweiz Tourismus für einen Tag als Versuchskaninchen einspannen, um zusammen mit seinen Brüdern alle möglichen Wintersportarten auszuprobieren. Schweiz Tourismus will damit eine neue Zielgruppe in die Berge locken – denn die Schweizer Pisten wurden in den letzten 5 Jahren zunehmend leerer.

Umsatzeinbruch in dreistelliger Millionenhöhe

Im Winter 2008/2009 verbuchten die Schweizer Skilifte und Seilbahnen gemäss dem Verband Seilbahnen Schweiz noch 885 Millionen Franken Umsatz in der Wintersaison. In der letzten Saison waren es noch 756 Millionen Franken – ein Rückgang von 129 Millionen Franken.

Daniela Bär von Schweiz Tourismus will deshalb vermehrt neue Zielgruppen für den Wintersport begeistern. Vor allem Secondos. «Wir gehen davon aus, dass von den 5- bis 24-Jährigen etwa 80 Prozent bis anhin noch gar keine Berührungspunkte mit dem Wintersport hatten. Das sind ungefähr 170‘000 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.» Weil die Eltern selbst oft keinen emotionalen Bezug zum Wintersport hätten, würden sie auch ihre Kinder nicht dafür begeistern. Dies soll nun Shaqiri übernehmen.

Shaqiri soll 800‘000 Fans auf Facebook animieren

Fussballer Xherdan Shaqiri soll diese nun in den Schnee locken, indem er seinen über 800‘000 Fans auf Facebook von den diversen Wintersportarten berichtet, die ihm und seinen beiden älteren Brüdern in Arosa offeriert werden – vom Schlitteln übers Curling bis zum Schneeschuhlaufen. «Die Eltern sind massgeblich dafür verantwortlich, dass ihre Kinder nur wenig Kontakt mit dem Schnee hatten», sagt Shaqiri. «Ich hoffe, dass sich dies ändert.»

Vernachlässigtes Kundensegment

Tourismus-Professor Christian Laesser von der Uni St. Gallen sagt, es sei höchste Zeit, neue Zielgruppen für den Wintersport anzusprechen: «Secondos sind eine interessante Zielgruppe, die bisher eher vernachlässigt wurde, weil man immer nur den allgemeinen Schweizer Wintersportler vor Augen hatte.»

Doch den spezifischen Wintersportler gebe es schon lange nicht mehr, sagt Laesser. Auch Expats gelte es vermehrt anzusprechen. Bis heute gäbe es keine Studie, die ergründe, warum immer weniger auf die Skipiste gingen, sagt Laesser. Es sei dem Tourismus wohl zu lange einfach gut gegangen. «Schweizer Skifahrer als Kunden – das war ein Selbstläufer. Doch heute gibt es schlicht zu viele Alternativen für die Freizeitgestaltung.»

Wintersportlager um 20 Prozent zurückgegangen

Der Direktor des Bundesamts für Sport (Baspo), Matthias Remund, ist vor allem besorgt darüber, dass die Anzahl der von «Jugend & Sport» anerkannten Wintersportlager in den letzten Jahren um 20 Prozent zurückgegangen seien. Gemäss dem Bundesamt für Sport wurden 2005 noch 2703 Wintersportlager organisiert. 2011 waren es nur noch 2180 Lager.

Gemäss Baspo-Chef Remund liege dies unter anderem auch daran, dass viele Wintersportlager schlicht zu teuer seien. «Hier versuchen wir an einem runden Tisch derzeit Lösungen zu finden. Die Ausrüstung muss billiger werden, die Skitagespässe und auch die Anreise. Ein Wintersportlager darf unserer Meinung nach maximal 350 Franken kosten – von Haustür zu Haustür.»

18 Kommentare

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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    Man lache sich tod wegen dieser Ch-zerischen Hochnäsigkeit die Secondos als "arm" zu bezeichnen. Kennen Sie nicht etwa auch einige Secondos (hier in der Ch geboren), die erfolgreich kleine Firmen (vorallem im Baugewerbe) gegründet haben? Dann beachten Sie doch bitte mal die Namen auf Lastwagen und anderen Fahrzeugen auf den Strassen.
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  • Kommentar von Michel Debrotti, Basel
    Also ich als Basler bin ganz froh wenn ich auf dem Sessellift mal einige "echte" Schweizer und keine "Secondos" neben mir habe. Wir geniessen die "Secondo-freie" Zeit jeweils. Sollte dies ändern können wir ja in Basel bleiben oder gehen nach Austria in die Ferien. Viel Spass mit den SKI Unfällen, welche dann im Takt mit den Autounfällen in die Höhe schnellen. Bin sicher man kann die Ski auch tunen und laut machen...
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Na ja, "Debrotti" tönt ja auch nicht gerade so waschecht deutschschweizerisch ... Was haben eigentlich Skiunfälle mit Ferien in AT zutun? Die haben Sie doch überall, wo auf dem Schnee herumgerutscht wird - oder nicht? PS: Basel - gerade in dem verrufenen Kleinbasel begegnen sie viel freundliche und grüssende Gesichter - da könnten sich so manche verdorrten und verknortzten CHler eine Scheibe abschneiden!
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    2. Antwort von Ursula Schneiter, Lenk
      Ja gute Idee, bleiben sie gleich in Basel oder gehen sie nach Austria,.......schon traurig solche kleinkarierten Leute wie sie können einem nur Leid tun und da schäme ich mich ein 'echter' Schweizer zu sein. Ach und übrigens, wie nennen sie denn die Kinder der Österreicher die in der Schweiz leben?
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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Nachteile des Ski-Sports: Lange Anreise, Übernachtung, Gastronomie - alles im Vergleich zu den Nachbarn unerschwinglich teuer. Es hat eben auch Alternativen - Als ich selbst Eiskunstlauf begonnen hatte, waren mir die Ski wie blöde Bleiklumpen an den Füssen. Seit dem nie mehr, bis auf ein einziges Mal, die Skier angeschnallt gehabt. Kein Vergleich zu dem ultimativen Gleichgewichtserlebnis, auf einer Kante zu gleiten und durch die Luft zu wirbeln.
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