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Panorama Sherpas kämpfen um Entschädigung

Nach dem schweren Unglück am Mount Everest mit 16 toten Bergführern wehren sich die nepalesischen Sherpas. Sie fordern von der Regierung eine Wiedergutmachung für die Hinterbliebenen. Die Zeit für eine Einigung wird knapp. Ende April beginnt am Himalaya die Bergsteigersaison.

Mount Everest
Legende: Der höchste Berg der Welt: Der 8848 Meter hohe Mount Everest im Himalaya-Gebirge. Keystone

Kurz vor Ostern passierte es: Eine Lawine am Mount Everest riss 16 Sherpas in den Tod. Es war das bislang schwerste Unglück auf dem höchsten Berg der Welt.

Ein Schock auch für die überlebenden Bergführer. Zu Ehren ihrer verstorbenen Kollegen beschlossen sie, alle Bergtouren einzustellen. Einige Touren-Anbieter sagten in der Folge ihre Expeditionen ab. Nicht so Kobler und Partner, der grösste Schweizer Anbieter von Expeditionsreisen in den Himalaya.

«Der Mann, die Verdienstquelle, fällt weg»

Im Interview mit SRF äussert sich Kari Kobler, der soeben im Basislager auf der Nordseite des Mount Everest eingetroffen ist, zu den jüngsten Ereignissen.

«Für die Hinterbliebenen der verunglückten Sherpas ist das schwere Unglück am Mount Everest ein Horror», sagt Bergführer Kobler. Denn: «Der Mann, die Verdienstquelle, fällt weg. Eine Absicherung für Angehörige von verunglückten Sherpas gibt es bislang nicht. Die Absicherung ist immer der Bruder, der Vater, das ist der Familienclan.» Dies sei der Grund, warum die Sherpas nun streiken würden.

Kobler schätzt die Höhe der Einnahmen für die neaplesiche Regierung durch die Bergtouren auf 10 Millionen Dollar. «Die Sherpas fordern nun einen Teil davon für die Hinterbliebenen.» Auf das Angebot der Regierung, einer Kompensation von wenigen Hundert Dollar, gingen sie nicht ein.

«Die Verdienstmöglichkeiten am Mount Everest sind für die Nepalesen enorm wichtig.» Nirgends verdiene man so gut wie dort, sagt Kobler.

«Bei uns verdient ein Sherpa zwischen 6000 und 8000 Dollar. Das ist sehr viel Geld in Nepal. Das ist der Grund, warum die Sherpas zum Teil auch zu höheren Risiken bereit sind.»

Laut Kobler ist es daher sehr wichtig, dass gute Expeditionsleiter – egal ob ein Schweizer, ein Neuseeländer oder ein Nepalese – auch mal nein sagen können, wenn es zu gefährlich wird.

Lawinenunglück auf 5800 Metern Höhe

Am letzten Freitag kamen beim bislang schlimmsten Unglück am Mount Everest, dem mit 8848 Metern höchsten Berg der Welt, 16 nepalesische Bergführer ums Leben. Sie waren am Morgen auf 5800 Metern Höhe im sogenannten Popcorn-Feld von einer Lawine verschüttet worden.

Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen Bergführer Tenzing Norgay 1953 kamen mehr als 300 Menschen am Mount Everest ums Leben, die meisten von ihnen waren Sherpas.

Minister trifft Sherpas

Nepals Regierung will nach dem schweren Unglück am Mount Everest den Rückzug aller Expeditionen in dieser Saison verhindern. Tourismusminister Bhim Acharya und Vertreter zahlreicher Bergsteigergruppen flogen mit dem Helikopter ins Basislager am höchsten Berg der Welt, um die Sherpas zum Weiterarbeiten zu bewegen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Gino Keller, Bacong
    Das Risiko kennt jeder dort, trotzdem ist es ein harter Schlag. Wenn der Verdienst so hoch (im Verhältnis der Kaufkraft) ist und sich in den Familien ein Klumpenrisiko von nur einer Lohnquelle aussetzen, dann soll jeder eine Lebensversicherung machen! Vorsorge in die Zukunft und nicht (auch wenn es eine korrupte Regierung ist) immer auf die öffentlichen Gelder losgehen. Eigenverantwortung ist wohl das Richtige oder bekommen die Familien von verstorbenen Bergsteiger auch eine Abfindung?
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