Snowboarden wird zur Randsportart

Einst waren die Snowboarder so etwas wie die kleinen Revoluzzer in den Skigebieten. Doch heute stürzen sich nur noch wenige auf einem Brett den Hang hinunter. Der Verkauf von Snowboards ist in den letzten Jahren eingebrochen.

Ein Snowboarder springt durch die Lüfte.

Bildlegende: Snowboarder werden zu dem, was sie früher schon waren: Exoten. Keystone

Der Schunkelsong «Alles fahrt Schii» war so etwas wie die inoffizielle Schweizer Nationalhymne – bis der Snowboardsport kam. Vor rund zehn Jahren wimmelte es auf den Skipisten nur so von Snowboardern. «Plötzlich hatte man ein ganz anderes Publikum auf der Piste. Dies wussten gewisse Destinationen zu nutzen», erinnert sich der oberste Schweizer Skilehrer, Riet Campell, Direktor von Swiss Snowsports. Bis vor rund vier Jahren brachten die Snowboarder neue Impulse in den Wintersport.

Schwimmbrillen sind beliebter als Snowboards

Jetzt ist Snowboard in den Sportgeschäften nur noch eine Randerscheinung, sagt der Marketingleiter von Ochsner Sport, Steve Schennach: «Wir haben etwa 50 Prozent des Volumens von vor drei bis vier Jahren verloren. Wir steigern zwar unseren Marktanteil, der Markt wird aber immer kleiner. Heute werden nur noch ein paar wenige tausend Boards verkauft; früher waren es mehrere zehntausend pro Saison.» Heute verkaufe Ochsner Sport mehr Schwimmbrillen als Snowboards, sagt Schennach.

Ähnliches bekommt man beim Verbund der Sporthändler in der Schweiz, bei Intersport, zu hören. Auch da ist der Snowboardverkauf unbedeutend geworden. Marketingleiter Roger Riegendinger bringt ein Beispiel: «Man geht davon aus, dass die Tourenski in absehbarer Zeit den ganzen Snowboardmarkt überholen werden.»

Der Trend geht zum Carving

Der ehemalige Trend ist ein Auslaufmodell geworden. Auch in den Schweizer Skischulen ist Snowboard nicht mehr gefragt, sagt Riet Campell: «Früher machte der Snowboardunterricht etwa 20 Prozent des Gesamtunterrichts aus. Heute sind es noch etwa fünf bis acht Prozent.» Campell hat auch eine Erklärung für den Rückgang: «Mit den modernen Carving-Ski ist man beweglicher in den Füssen, was mehr Spass macht. Dies gefällt den Jungen.» Und er kenne auch viele Snowboarder, die im Alter wieder auf Ski umgestiegen seien, sagt der Direktor von Swiss Snowsports.

Für Steve Schennach ist klar, dass Snowboard keine Zukunft mehr hat – auch bei den Jungen nicht: «Wir würden sagen, dass der Snowboard-Nachwuchs ausstirbt. Vielleicht wird Snowboard irgendwann nur noch eine kleine Nischensportart sein.»