Social Media: Normalbürger werden zu Werbeträgern

Die Werbebranche hat längst die Möglichkeiten des Internets entdeckt. Längst lassen sich aber nicht mehr nur Stars fürs Platzieren von Produkten auf den Social-Media-Kanälen bezahlen. Die Bündnerin Martina Bisaz kündigt sogar ihren Job, um ausschliesslich von Fotos auf Instagram zu leben.

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Virales Marketing

4:10 min, aus 10vor10 vom 4.8.2016

Auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht Martina Bisaz vor allem Landschaftsbilder. Dazwischen tauchen allerdings immer mal wieder gewisse Produkte auf. Fein säuberlich drapiert, so dass die Logos der Produkte deutlich zu sehen sind. Dies sehen längst nicht nur Freunde: Mit 209‘000 Followern ist Bisaz einer der Instagram-Stars der Schweiz.

Martina Bisaz fotografiert einen alten Fiat für Instagram.

Bildlegende: Reichweite von über 200'000 Followern: Martina Bisaz bei der Arbeit. SRF

Dies machen sich Firmen zu Nutze: «Die Bezahlung hängt von der Anzahl Followers ab. Ich erhalte zwischen 800 und 1500 Franken pro Foto», so Bisaz gegenüber «10vor10». Dabei ist sie sich bewusst, dass sie eine Art Schleichwerbung betreibt. «Ich bevorzuge es allerdings, wenn in diesen Bildern die Produkte nicht zu fest im Vordergrund stehen. So sind die Bilder immer noch ein wenig ästhetisch oder sogar künstlerisch.»

Ähnliche Angebote gibt es auch für populäre Blogger. Sie erhalten einen Betrag, dafür setzen sie Produkte der Auftraggeber in Szene. Social Media gehorcht aber ganz eigenen Gesetzen. Deshalb suchen Firmen den Rat von Marketing-Spezialisten wie Ziad El Semari: «Der Popstar von heute ist das sogenannte Girl Next Door.» Das müssten keine Supermodels sein, sagt El Semari gegenüber «10vor10». Stattdessen sei die Authentizität wichtig und die Nähe zu den Followern.

Basel mit Facebook-Hit

Mit einer anderen Art von Marketing in den sozialen Medien macht Basel Tourismus aktuell Furore. In einem Video auf Facebook «rächen» sich Pokémon-Figuren in der Stadt an den Pokémon-Go-Spielern. Das Video ist ein Renner: Innerhalb von nur 24 Stunden wurde es 40 Millionen Mal angeklickt. Aber wirkt das Video wirklich als Werbung für die Stadt Basel? Für Tourismus-Direktor Daniel Egloff ist der Film neben Inseraten, Zeitungsberichte und Filmen ein Mosaikstein um Gäste nach Basel zu locken. «Ich denke schon, dass bewegte Bilder wie diese – dynamisch, originell, mit den Schönheiten von Basel – wirken.»

Menschliche Pokemon im Werbefilm von Tourismus Basel.

Bildlegende: Pokémon-Figuren des erfolgreichen Social-Media-Werbefilms von Basel Tourismus. SRF

Social Media gilt als relativ günstige und zielgerichtete Werbung. Gekostet hat das Pokémon-Video von Basel Tourismus nur rund 10‘000 Franken. Insgesamt gehen vom Werbebudget von Basel Tourismus nur rund 2 bis 3 Prozent in Social Media-Werbung. Allerdings ist Social Media personalintensiv. Die verschiedenen Accounts müssen aufwändig bewirtschaftet werden.

Gesamtschweizerisch spielt Werbung auf Facebook, Instagram und Snapchat noch eine kleine Rolle. Von den rund 5 Milliarden Franken Werbeausgaben in der Schweiz gehen zwar rund 10 Prozent ins Internet. Verlässliche Zahlen wie viel davon auf Social Media-Kanäle fliessen gibt es allerdings nicht. Die Ausgaben dürften in den kommenden Jahren steigen. Und sie werden vermehrt in die Taschen von Normalbürgern fliessen.