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Solar Impulse 2 «Solar Impulse 2» zur Weltumrundung gestartet

Breiter als ein Jumbojet, doch um ein Vielfaches leichter: Schweizer Abenteurer starten mit ihrem Solarflieger zur ersten Weltumrundung. Auf den härtesten Etappen wird «Solar Impulse 2» über Tage nicht landen können. Heute ist der Flieger erfolgreich gestartet.

Legende: Video Start in Abu Dhabi abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Vom 09.03.2015.

Heute Morgen um vier Uhr Schweizer Zeit ist der «Solar Impulse 2» erfolgreich in Abu Dhabi gestartet. Gemäss SRF-Korrespondent Michael Weinmann habe alles geklappt. Der Start fand kurz nach Sonnenaufgang statt und bot ein spektakuläres Bild. Laut Weinmann habe es vor dem Start allerdings noch eine technische Panne gegeben, so dass sich der Start um etwa 30 Minuten verzögerte.

Tränen in den Augen

Michael Weinmann traf Bertrand Piccard nach dem geglückten Start im Hangar in Abu Dhabi. Der Schweizer Flugpionier habe Tränen in den Augen gehabt. Die Erleichterung sei deutlich sichtbar gewesen. Erste Glückwünsche kamen denn auch schon aus der Schweiz: Bundesrat Schneider-Ammann gratulierte dem Team von «Solar Impulse 2» via Twitter:

Mit dem Schweizer Piloten André Borschberg im Cockpit hob die «Solar Impulse 2» am frühen Montagmorgen vom Militärflugplatz im Golfemirat Abu Dhabi ab. Die Abenteurer hinter dem Projekt haben eine Mission: Sie wollen eine breite Öffentlichkeit sowie Politiker und Unternehmer zu mehr Einsatz für erneuerbare Energien bewegen.

Ziel der ersten von insgesamt zwölf Flugetappen ist Maskat. In der Hauptstadt des Sultanats Oman erwartet man die Landung am Nachmittag. Von dort aus führt die Route in Etappen an insgesamt 25 Flugtagen nach Indien und China bis in die USA. Von New York geht es dann nach Südeuropa oder nach Nordafrika. Ende Juli oder Anfang August soll die «Solar Impulse 2» (Si2) wieder am Persischen Golf ankommen.

2015 - ein Wendepunkt?

Borschberg und der Initiator des Rekordversuchs, der Schweizer Luftfahrtpionier Bertrand Piccard, wechseln sich in dem Einpersonen-Cockpit ab. Die härtesten Etappen werden die Überquerungen des Pazifiks und des Atlantiks sein, bei denen der jeweilige Pilot mehrere Tage und Nächte allein in dem Flieger unterwegs sein muss.

Das wichtigste Ziel der Mission sei es, weltweit die Unterstützung für umweltschonende Energien zu verstärken, erklärten Piccard und Borschberg. Sie wollten zeigen, wie saubere Technologien die Welt verändern können. «2015 kann zu dem Jahr werden, in dem wir aufhören, unseren Planeten zu zerstören», erklärten die Umweltaktivisten kurz vor dem Start.

«Future is clean»

Zur Begleitung des Si2-Projekts haben sie die Internet-Plattform «Future is clean» («Die Zukunft ist sauber») eingerichtet. Ihre Erfahrungen mit der Technologie des Solarfliegers während der Erdumrundung wollen Piccard und Borschberg bei der Weltklima-Konferenz im Dezember in Paris vorstellen.

Angetrieben wird das einsitzige Karbonfaser-Flugzeug von vier Elektromotoren. Mehr als 17'000 Solarzellen zapfen der Sonne die erforderliche Energie ab. Die Zellen sitzen auf den Flügeln mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet. Gespeichert wird die Solarenergie in Lithium-Batterien. Das Flugzeug soll bis zu fünf Tage und Nächte in der Luft bleiben können.

«Tief bewegt»

«Wir sind jetzt wirklich tief bewegt», hatte der Schweizer Flugpionier Piccard im Golfemirat Abu Dhabi kurz vor dem Start der Mission gesagt. Die beiden Schweizer wollen den Beweis antreten, dass ein Weltumrundungs-Flug ohne Treibstoff möglich ist. Ihr wichtigstes Ziel sei es, weltweit die Unterstützung für umweltschonende Energien zu verstärken, erklärten Piccard und Borschberg. Sie wollten zeigen, wie saubere Technologien die Welt verändern können.

Die Startvorbereitungen und das Abheben des Experimentalfliegers konnten auf der Internetseite des Flugteams, Link öffnet in einem neuen Fenster live verfolgt werden.

Während ihrer Reise wollen sich die beiden Piloten kurze Schlafpausen von höchstens 20 Minuten gönnen, wie Borschberg sagte. Sie beide hätten jeweils ihre eigene Technik, um die Konzentration zu wahren: Yoga für beide, Meditation für Borschberg und Selbsthypnose für Piccard.

Mit dem Prototyp des Solarfliegers haben Borschberg und Piccard bereits viele tausend Kilometer Flugerfahrung gesammelt. Im Jahr 2010 absolvierten sie einen ersten 26-stündigen Flug ohne Zwischenstopp.

Maximal 8500 Meter Flughöhe

Das Flugzeug wird auf seiner Erdumrundung auf einer Höhe von höchstens 8500 Metern fliegen und ist mit einem Tempo von 50 bis 100 Stundenkilometer unterwegs. Während der Nacht wird die Geschwindigkeit reduziert, um Energie zu sparen.

Insgesamt beteiligen sich 130 Personen an dem Vorhaben. 65 Personen reisten mit ihnen um die Welt und 65 seien auf einem Kontrollposten in Monaco stationiert, erklärte Piccard.

24 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Schon in den 80er-Jahren wurden Autos gebaut die auch mit Solarzellen und Batterien liefen. Leichte Gefährte für ein bis 2 Personen, die beeindruckende Leistungen brachten. Und auch Solarboote. Leider ist der Fortschritt seit damals überschaubar. Und das wird er auch bleiben. Aber man darf jederzeit gerne in Euphorie ausbrechen, auch wenn es dazu keinen wirklichen Grund dazu gibt. Leider. Weil Wissenschaft und Forschung in unserer Gesellschaft nur einen geringen Stellenwert haben.
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    1. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      Global bringen eben Elektrofahrzeuge fast nichts, solange noch ein einziges Kohlekraftwerk am Netz hängt. Zwar wird das CO2 nicht in der Stadt generiert sondern irgendwo auf dem Land, aber ein sparsamer "Diesler" erzeugt weniger CO2 als ein "Stromer", wenn durch ihre grosse Verbreitung weitere Kohlekraftwerk gebaut werden müssen bzw. nicht abgeschaltet werden können. Leider werden heute weltweit - insbesonders auch in DE - laufend CO2 arme AKWs durch ausgesprochene Dreckschleudern ersetzt :-((.
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  • Kommentar von Diego Dudli, Hünenberg
    Es geht um viel mehr als um Rekorde + Botschaft für die Innovationskraft der Schweiz. Es ist JETZT Zeit, nicht erneuerbare Erdressource Kohle, Erdgas/-öl zu verlassen, bevor sie uns ausgehen mit katastrophalen Folgen für die gesamte Menschheit. Diese wertvollen, NICHT erneuerbaren Rohstoffe zu verbrennen ist dumm, irreversible + schadet dem Klima global + damit uns selbst. Danke Piccard + Borschberg für dieses Wagnis, möge Flug + Bewusstseinswandel gelingen, dann haben unsere Kinder eine Zukunft
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    1. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      Voll einverstanden mit Ihnen, dass es dumm ist, wertvolle Ressourcen wie Kohle, Erdöl /- gas einfach zu verbrennen. Nur - ob CO2 dem Klima schadet - was immer dies heisst - ist alles andere als sicher. Das Klima hat sich schon immer verändert, und es war schon mal sehr viel wärmer als heute - Braucht es dazu einen "Pleasure Trip", der mit all den Vorbereitungen und dem ganzen Tross (inkl. viel Material), der um die Welt geflogen wird, extrem viel wertvolle Ressourcen für fast nichts verbraucht?
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  • Kommentar von Jean Nerac, GE
    Wünsche den Herren Piccard und Borschberg viel Glück und Erfolg auf Ihrem Flug rund um die Welt und gute Landung an allen Etappenorten. Finde solche Pionierleistungen super. Solche Leistungen sind auch weltweit beste Werbung für Schweizer-Technonogie und Schweizer-Qualität.
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