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Wetterdrama im April Sommertage, Monsterfrost, Schnee bis ganz runter

Im April 2017 hat das Wetter in der Schweiz verrückt gespielt. Bis Ostern war es rund 4 Grad zu warm. Der April war damit auf Rekordkurs. In der zweiten Monatshälfte wurde es jedoch plötzlich wieder winterlich. Frost setzte den Kulturen extrem zu. Dann kam der Schnee.

Bildkombination: Frau in einem Sommerkleid in Genf (links), Mann steht im Schnee mit Regenschirm in Gams (SG). (keystone)
Legende: Röckliwetter am 9. April, Hudelwetter drei Wochen später. Immerhin konnte der Sommer 2017 schon mal getestet werden. Keystone

Das Wichtigsten in Kürze

  • Extremer hätte der April 2017 kaum sein können: Die erste Monatshälfte hat nahtlos an den Monat März angeschlossen.
  • Fast im ganzen Land ist es bis Ostern rund 4 Grad wärmer als sonst gewesen – dies im Verhältnis zur klimarelevanten Referenz der Jahre 1961 bis 1990.
  • Vielerorts ist es kurz vor Ostern zu Waldbränden gekommen.
  • Dann kamen Frost und Schnee, die Temperaturen fielen teilweise weite unter null Grad.
  • Insgesamt war der April jedoch im Norden rund 1 Grad zu warm, im Süden knapp 3 Grad.

Bereits die ersten Sommertage

Nachdem es am 19. März in der Magadinoebene (TI) den ersten Sommertag gab, wurde es anfangs Monat auch im Wallis schon das erste Mal sommerlich. Am 9. April wurden 25,2 Grad gemessen, am 10. April erreichte die Quecksilbersäule sogar den Wert von 26,2 Grad. Die bis jetzt höchste Jahrestemperatur in der Schweiz.

Gleichzeitig wurde es in der ersten Monatshälfte in Genf 25 Grad warm. Die Temperaturen blieben im Norden unter 25 Grad: Basel, Luzern, Zürich oder auch Aarau erlebten aber alle Höchstwerte von 24 Grad oder mehr. Südlich der Alpen wurde die Sommermarke mehrfach übertroffen. Neben der Magadinoebene auch in Locarno (TI) oder Grono (GR) im untersten Misox.

An Ostern der grosse Absturz

Pünktlich auf die Ostertage stellte sich das Wetter zumindest im Norden um. Schon am Ostersonntag schneite es gegen Abend bis auf 800 Meter herunter. Am Osterdienstag und am Mittwoch fiel Schnee zum Teil bis ins Flachland. Es waren allerdings nur einzelne Schauer.

Danach klarte es in der Nacht zum Donnerstag auf, und es kam verbreitet zu Frost. In Welschenrohr (SO) zeigte das Thermometer einen Minimumwert von -5,6 Grad an, in Visp (VS) -5,5 Grad. Am Ofenpass (GR) wurden -15,6 Grad gemessen, auf dem Corvatsch (GR) sank die Temperatur sogar unter -20 Grad.

Am Folgetag war es sogar noch frostiger: In Welschenrohr sank die Temperatur weiter auf -7,2 Grad, in Ebnat-Kappel (SG) auf -6,2 Grad.

Schlimm waren die Temperaturen vor allem direkt über der Bodenoberfläche: In Visp lag die Temperatur 5 Zentimeter über dem Boden bei -12,9 Grad, aber auch am Flughafen Zürich sank die Bodentemperatur auf -10,6 Grad. Kein Wunder nahmen die Kulturen bei solchen Minusgraden grossen Schaden. An vielen Orten wird sogar ein Totalausfall der Ernte befürchtet.

Nicht einmal der Süden der Schweiz blieb vor Bodenfrost bewahrt. Selbst in der Magadinoebene sank die Temperatur 5 Zentimeter über der Bodenoberfläche gemessen auf -5,6 Grad. Es war die schlimmste Frostnacht seit Jahrzehnten.

Und dann der Schnee

Nach vier milderen Tagen folgte in der letzten Aprilwoche noch der grosse Schneefall: In St. Gallen lagen am 28. April 25 Zentimeter Neuschnee. Noch nie zuvor hatte St. Gallen zu einem so späten Termin im Jahr so viel Neuschnee gesehen.

Noch grösser waren die Neuschneemengen in Elm (GL) auf knapp 1000 Meter über Meer und in Disentis (GR) mit 45 Zentimetern Neuschnee (1200 M. ü. M.). Im Flachland gab es kaum mehr als 5 Zentimeter Neuschnee. Weil der Schnee aber sehr feucht war, kam es vielerorts zu Astbruch und zu schweren Schäden an Bäumen und Sträuchern.

Nicht überall zu nass

Dank der sonnigen ersten Monatshälfte war dieser Monat sonniger als sonst der April. Auch die Durchschnittstemperatur war höher als im Schnitt. Im Norden war der April rund 1 Grad zu warm, im Süden knapp 3 Grad – vor allem wegen den warmen Ostertagen.

Die Niederschlagsverteilung war dagegen sehr unterschiedlich: Starker Regen in der letzten Aprilwoche setzte der Trockenheit im Süden ein Ende. Im Norden war es an vielen Orten überdurchschnittlich nass, vor allem Richtung Osten. Im Westen war der April 2017 dagegen einmal mehr zu trocken. In Genf wurde nur die Hälfte des üblichen Niederschlags verzeichnet und auch im Rhonetal war es äusserst trocken. In Sitten fielen diesen Monat nur 19 Millimeter Niederschlag. Das war bezüglich Trockenheit bestenfalls der Tropfen auf den heissen Stein.

Start in was? Wonnemonat?

Am Montag startet der Wonnemonat Mai. Nach Wonne sieht es zunächst nicht aus. Es wird zwar etwas milder, allerdings muss immer wieder mit neuen Niederschlägen gerechnet werden.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Arnold Weiss (A.Weiss)
    Betrachtet man das Weltklima, so stellt man sehr wohl eine kontinuierliche Erwärmung fest. Wieso nur der Zeitraum 1961-1990 betrachtet wurde frage ich mich auch. Ich glaube das hängt vielleicht damit zusammen, dass es seit 1990 jedes Jahr konstant zu warm war im Vergleich zur vorindustriellen Zeitalter und sich dieser Zeitraum deshalb nur begrenzt für eine Referenz eignet. (Im Zeitraum 1961-1990 gab es im Gensatz zu 1990-2017 ab und zu auch Jahre, die etwas kühler ausfielen.)
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    "…bis Ostern rund 4 Grad wärmer als sonst gewesen – im Verhältnis zur klimarelevanten Referenz der Jahre 1961 bis 1990". Wieso 1961…1990 als Referenz, und nicht 1961-2017, wofür man ja fast doppelten Zeitraum und damit wesentlich bessere statistische Relevanz hätte? Kämen dann wohl nur 2 Grad wärmer heraus, weil seit 1990 keine gesicherte Erwärmung mehr nachgewiesen werden kann? Merkwürdige Art und Weise, die Fakten darzustellen.
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    1. Antwort von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
      Ganz einfach, wir wollen einen Vergleich zwischen dem wie es vor zu viel menschlichem Einfluss auf das Klima war und jetzt, die letzten Jahrzehnte in denen der Einfluss klar präsent ist. Eigentlich müsste man dazu weiter zurück, nämlich bis vor der Industrialisierung, aber vermutlich gibt es aus der Zeit nicht genügend Daten, also nimmt man die am weitesten zurückliegende Zeit die genug Daten lieferte.
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