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Spanien drohen weitere Dürren Europas Früchte- und Gemüsegarten lechzt nach Wasser

Wasser wirkt Wunder. Die Region Murcia im Südosten Spaniens ist das beste Beispiel. Landwirtschaft gab es in dieser Region immer. Das milde Klima war günstig, aber immer fehlte es an ausreichend Wasser.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Murcia unterhält Spanien eine Hochleistungs-Landwirtschaft. Möglich auch dank Wasser aus dem Tajo.
  • Der Fluss führt immer weniger Wasser. Die Dürre-Jahre setzten den Ernten in der südostspanischen Region zu.
  • Meerentsalzungsanlagen sind bisher erst ein Teil der Lösung. Deren Kapazität müsste gesteigert werden.
Spaniens «Früchte- und Gemüsegarten» in der Region Murcia.
Legende: Trotz innovativer Bewässerungstechnik hat Murcia Ernteeinbrüche hinnehmen müssen. SRF

Murcia schmückt sich heute mit dem Übernamen «Früchte- und Gemüsegarten Europas». Möglich wurde dieser Aufstieg dank eines 300 Kilometer langen Kanals. Er führt seit den frühen 1980er Jahren Wasser vom Oberlauf des Tajo in den Süden. Damit dort Felder und Plantagen bewässert werden können. In Murcia hat das zu einem eigentlichen Boom geführt, obschon vom Tajo deutlich weniger Wasser kam, als ursprünglich versprochen worden war. Die Experten hatten sich verschätzt.

Murcia wuchs dennoch, wurde produktiver und setzte sich in der Gemüse- und Früchteproduktion landesweit an die Spitze. Tomaten, Peperoni, Auberginen, Salate oder Zitronen, Grapefruit, Orangen, Aprikosen: alles kommt aus der Hochleistungslandwirtschaft von Murcia.

Zitronenbaum-Hain mit jungen, eingepackten Bäumchen und Tröpfchenbewässerungsrohren.
Legende: Mit der Tröpfchenbewässerung durch Rohre auf dem Boden, kann ein Drittel Wasser gespart werden. SRF

Je nach Produkt wird mehr als nur einmal pro Jahr geerntet. Die grössten Märkte sind Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien. Aber Murcia exportiert viel mehr. Insgesamt hat die Region Kunden in 88 Ländern.

Die Region Murcia in Südostspanien. Eingepackte Reben so weit das Auge reicht.
Legende: Die Region Murcia in Südostspanien ist ein Früchtegarten für halb Europa. Noch. SRF

Die Dürre-Jahre aber waren schwierig für Murcia und bremsten die Produktion. Vom Tajo kam noch weniger Wasser. In Murcia haben darum praktisch alle Bauern Tröpfchen-Bewässerung eingerichtet. Das Wasser wird in einer Rohrleitung direkt zu den Pflanzen geführt und dort tröpfchenweise abgegeben. So werden Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich.

Von mediterran auf subtropisch

Keine andere Region Spaniens hat so konsequent umgestellt auf sparsameren Wassergebrauch. Dennoch gab es Ernteverluste wegen des Wassermangels. Und man arbeitet bereits daran, die Produktion auf subtropische Früchte umzustellen: Der Klimawandel lässt kaum eine andere Wahl.

Spaniens «Früchte- und Gemüsegarten» in der Region Murcia. Ein Zitronenhain.
Legende: Bereits wird mit subtropischen Früchten experimentiert, die weniger Wasser brauchen als diese Orangen. SRF

Trotz aller Anstrengungen hat Murcia weitere schwierige Jahre vor sich. Kaum jemand rechnet mit einer Umkehr des Trends zur Erwärmung. Das Wasser dürfte weiter knapp bleiben.

Legende:
Niederschläge in Murcia Kumulierte Niederschläge in der Region Murcia März bis Mai 2018 La Agencia Estatal de Meteorología (AEMET)

Zwar will noch niemand davon reden in Murcia, aber der Kanal, der über drei Jahrzehnte lang Wasser vom Tajo brachte, könnte in den kommenden Jahren immer häufiger trocken bleiben. Und auch die Lösung über Meerwasser ist nicht so einfach, wie man sich das allenfalls vorstellen möchte.

Entsalzungsanlage.
Legende: Ob das Wasser aus Entsalzungsanlagen gut für Pflanzen ist, darüber scheiden sich die Geister. SRF

Spanien hat zwar die grösste Meerwasserentsalzungsanlage Europas. Sie steht in Torrevieja, etwa 70 Kilometer von der Stadt Murcia entfernt. Der Bau blieb aber wegen politischer Querelen trotz Trockenheit jahrelang blockiert.

Jetzt funktioniert die Anlage erst auf halber Kraft, kann also erst die Hälfte des Wassers liefern, die möglich wäre. Grund: Die Stromleitung, die volle Kraft liefert, wird erst diesen Sommer fertig, drei Jahre nach der Eröffnung der Anlage.

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