Fifa veröffentlicht Bericht «Stichhaltige Beweise für gezielte Korruption fehlen»

War bei der Vergabe der Fussball-WM an Russland und Katar Korruption im Spiel? Der Garcia-Bericht liefert keine Beweise. Einschätzung von SRF-Sportredaktorin Rachel Murith.

  • Der Weltfussballverband Fifa hat den gesamten Untersuchungsbericht des früheren Fifa-Chefermittlers Michael Garcia veröffentlicht.
  • Dieser hatte die skandalumwitterte Doppelvergabe der Fussballweltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar untersucht und seine Ergebnisse in einem 400-seitigen Bericht zusammengestellt.
  • Bis anhin hatte die Fifa betont, im Bericht gebe es keine Hinweise auf Bestechung oder Korruption – und sich geweigert, das Dokument zu veröffentlichen.

SRF News: Wie brisant ist der Bericht?

Rachel Murith: Es gibt schon einige pikante Details zur WM-Vergabe an Katar, die zeigen, dass das System der Fifa unter der Ära von Sepp Blatter recht verdorben war. Vor allem die Fifa-Wahlmänner haben die damals laschen Regeln schamlos ausgenutzt. Sie verlangten von den Bewerbern Gefälligkeiten. So sollen südamerikanische Vertreter die kompletten Kosten für eine Lustreise nach Rio gefordert haben, oder ein Fifa-Funktionär verlangte zum Beispiel, dass zwei Millionen US-Dollar auf das Konto seiner damals 10-jährigen Tochter eingezahlt werden. Der Bericht von Garcia stellt gerade auch bei diesem letzten Beispiel jedoch fest, es gebe keine Beweise, dass die Zahlungen im Zusammenhang mit der WM-Bewerbung von Katar stünden.

«  Es gibt viele Anzeichen, schlimme Geschichten und Unregelmässigkeiten, aber die stichhaltigen Beweise für gezielte und flächendeckende Korruption fehlen. »

Das heisst, es dürfte schwierig werden, diese Beweise auch juristisch zu bewerten?

Das ist das Problem an dem ganzen Bericht: Es gibt viele Anzeichen, schlimme Geschichten und Unregelmässigkeiten, aber die stichhaltigen Beweise für gezielte und flächendeckende Korruption fehlen.

«  Die WM in Russland wird ganz sicher stattfinden.  »

Warum veröffentlicht die Fifa diesen Bericht gerade jetzt?

Eine Indiskretion hat die Fifa zum Handeln gezwungen. Die deutsche «Bild»-Zeitung hat Auszüge aus dem Bericht veröffentlicht, der mehr als zweieinhalb Jahre geheim gehalten worden war. Die Fifa veröffentlichte daraufhin den gesamten Bericht online und rühmte sich ihrer Transparenz.

Müssen Russland und Katar nun befürchten, dass ihnen die Fussballweltmeisterschaften doch noch weggenommen werden, wie dies mehrfach gefordert wurde?

Die WM in Russland wird ganz sicher stattfinden. Die Organisation ist schon zu weit fortgeschritten. Ausserdem wäre es nun zu spät. Kein anderes Land könnte jetzt noch einspringen. Und schliesslich reichen die Vorwürfe gegen Russland schlicht nicht aus. Eine Neuvergabe wäre entsprechend nicht zu rechtfertigen. Bei Katar sind die Vorwürfe weitreichender. Die WM in Katar ist ganz generell umstrittener als diejenige in Russland: Menschenrechtsverletzungen und das heisse Klima, das immer wieder diskutiert wird, sind nur zwei Stichworte. Aber auch bei Katar dürften die Forderungen nach einer Neuvergabe wenig Erfolg haben, aus zwei Gründen: Erstens, weil Beweise fehlen und zweitens, weil die Fifa schlicht nicht will.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.