Stones rocken Havanna

Es ist das erste Open-Air-Konzert einer britischen Rockband im sozialistischen Kuba - und ein denkwürdiges obendrein. Zehntausende Rockfans haben den Rolling Stones einen begeisterten Empfang bereitet. Stunden vor Beginn wurden die Tore geöffnet oder gestürmt.

Video «Rolling Stones rocken Kuba» abspielen

Rolling Stones rocken Kuba

1:14 min, aus Tagesschau am Mittag vom 26.3.2016

Zehntausende Menschen haben den Rolling Stones beim ersten Open-Air-Konzert einer britischen Rockband im sozialistischen Kuba einen begeisterten Empfang bereitet.

Opener: «Jumpin' Jack Flash»

«Hallo Havanna», rief Stones-Frontman Mick Jagger in gutem Spanisch ins weite Rund. Dann stimmte die 72jährige Rockröhre als ersten Song den Hit «Jumpin' Jack Flash» an, gefolgt von «It's Only Rock 'n' Roll» - letzteres möglicherweise als Botschaft an die kommunistische Führung des karibischen Inselstaats, die ihre Musik in der Vergangenheit als «teuflisch» verurteilt hatte.

«  Die Zeiten ändern sich »

Mick Jagger
Leadsänger der Rolling Stones

«Viele Jahre war es schwierig, uns hier in Kuba zu hören», sagte der Leadsänger auf spanisch. «Aber jetzt sind wir da.» Und fügte unter grossem Jubel mit Blick auf die Öffnungspolitik von Staatschef Raúl Castro hinzu: «Die Zeiten ändern sich.» Auf die Repression und nicht vorhandene Meinungsfreiheit in Kuba ging Jagger aber nicht ein.

Tore öffnen sich Stunden vor Konzertbeginn

Schon sechs Stunden vor Beginn waren die Tore für das Konzert auf einem grossen Sportfeld in der Hauptstadt Havanna geöffnet worden. Es war umsonst, angesichts eines Durchschnittslohns von 20 bis 25 US-Dollar im Monat wären normale Ticketpreise für die Menschen nicht zu bezahlen.

Anders als sonst üblich gab es keine Verkaufsstände, die Rockfans konnte aber Essen und Trinken selbst mitbringen.

Video «Ansturm von Stones-Fans in Havanna (unkomm.)» abspielen

Ansturm von Stones-Fans in Havanna (unkomm.)

1:24 min, vom 26.3.2016

Gelände für 200'000 Rockjünger

Die Band um Jagger hatte sich seit langem um eine Auftrittserlaubnis in Kuba bemüht. Es konnten laut der Behörden rund 200'000 Rockfans Einlass finden.

Zu dem historischen Auftritt waren auch zahlreichen ausländische Stones-Fans angereist. Karsten Schulze aus Wiesenburg im deutschen Bundesland Brandenburg (15 Stones-Konzerte) und Götz Geserick aus Berlin (20 Stones-Konzerte) hatten bereits im September von Gerüchten gehört, dass die legendäre Band mit Welthits wie «I can't get no satisfaction» erstmals in Kuba spielen könnte.

Fans auf Hausdächern

Die Fläche in der Ciudad Deportiva war komplett gefüllt, auch seitliche Plätze wurden geöffnet, damit alle Menschen Einlass finden konnten. Auf umliegenden Hausdächern verfolgten auf Hunderte Menschen das Rock-Erlebnis. Begeistert zeigten sich viele von gigantischen Video-Show und der Energie der Rock n'Roller.

«Das ist das Grösste», meinte ein kubanischer Rock-Fan. Neben Klassikern wie «Angie», «Black Sugar» und «Sympathy for the Devil» durfte als letztes Lied des Abends «I Can't Get No Satisfaction» nicht fehlen. «Welche Hitze», meinte Jagger angesichts tropischer Temperaturen, er rockte und tanzte aber wie eh und je über die Bühne, begleitet von Keith Richards (Gitarre), Ron Wood (Gitarre) und Charlie Watts (Schlagzeug).

«So eine Bühne habe ich noch nie gesehen»

Erst sollte das Konzert am 20. März stattfinden, wegen des Besuchs von US-Präsident Barack Obama wurde es dann auf den 25. März gelegt.

«So eine Bühne habe ich noch nicht gesehen», meint der 50jährige Daniel Gonzales, der in Kuba Konzerte organisiert. Aus Sicherheitsgründen gab es ein Alkoholverbot. Wie das Zentralorgan «Granma» berichtete, wollten die Musiker diverse Instrumente und Musik-Equipment als Spende kubanischen Musikschulen zur Verfügung stellen.

Rockmusik lange Zeit verpönt

Kubas Staatschef Raúl Castro verfolgt eine vorsichtige Öffnungspolitik, er will mehr Touristen in das Land locken, um staatliche Einnahmen zu stärken. Doch noch gibt es weiterhin Repression gegen Regimekritiker und keine Meinungsfreiheit.

Lange Zeit war Rockmusik in Kuba verpönt. Sie wurde unter dem 2006 abgetretenen Revolutionsführer Fidel Castro als dekadentes Symbol des kapitalistischen Lebensstils angesehen.