Streikwelle in Deutschland: Erst die Lokführer, jetzt die Piloten

Nach dem Streik ist vor dem Streik: In Deutschland legen nach den Lokführern der Deutschen Bahn auch die Piloten der Lufthansa ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit greift bereits zum achten Mal seit April diesen Jahres zum Streik.

Eine elektronische Informationstafel am Flughafen Köln/Bonn

Bildlegende: Bei Passagieren der Lufthansa ist kommende Woche – wieder einmal – Geduld gefragt. Reuters

Zuerst bestreikten die Lokführer über das Wochenende die Deutsche Bahn. Rund 70 Prozent der Fernzüge fielen aus. Anfang kommende Woche wird es nun auch im deutschen Flugbetrieb zu massiven Einschränkungen kommen: Sie würden von Montag 13.00 Uhr bis Dienstag 23.59 Uhr die Arbeit niederlegen, teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit mit.

Betroffen seien deutschlandweit alle Passagierflüge mit Maschinen für die Kurz- und Mittelstrecke der Airbus-320-Familie, Boeing 737 und Embraer. Dagegen sei die Billigtochter Germanwings, die erst vergangene Woche bestreikt wurde, ausgenommen.

Piloten kämpfen um den Status quo

Bei der Lufthansa ist es inzwischen der achte Streik der Piloten seit April. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kämpft gegen die Pläne der Konzernleitung für eine Ausweitung der Billigtochtergesellschaften sowie für die Beibehaltung der Frührentenregelung für Piloten.

Die Lufthansa sieht sich wegen der harten Konkurrenz nicht mehr in der Lage, die im Branchenvergleich grosszügigen Vorruhestandsregeln zu finanzieren.

Bahn nimmt Normalbetrieb wieder auf

Bei der Bahn dagegen dürfte der Pendlerverkehr am Montagmorgen nach Konzernangaben weitgehend gesichert sein. Nach dem für Montag 4.00 Uhr angekündigten Ende des Ausstandes hat der Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, eine Streikpause von mindestens sieben Tagen in Aussicht gestellt.

Bahnsprecher Matthias Franke sagte, bereits am Sonntag seien über den Ersatzplan hinaus weitere Züge gefahren. Am gesamten Wochenende habe der Konzern trotz des bundesweiten Ausstandes der Lokführer mit einem Ersatzfahrplan einen stabilen, wenn auch eingeschränkten Reiseverkehr ermöglicht.

Ein Grossteil der Fernzüge fiel aus, auch im Regionalverkehr fuhren die Züge nur nach einem Ersatzfahrplan. Vom Streik betroffen war auch die Schweiz. Die SBB riet von Zugreisen nach Deutschland ab. Verbindungen ab Basel nach Duisburg sowie von und nach Kopenhagen fielen aus.

Bahn-Streik – Was sind die Alternativen?

  • Fernbus: Deutsche Omnibus-Unternehmer sprachen vom «besten Fernbus-Wochenende» seit Öffnung des Marktes Anfang 2013.
  • Mitfahrgelegenheiten: Der ADAC-Mitfahr-Club hatte dieses 16 Prozent mehr Anfragen. Die Nutzerzahlen stiegen um 25 Prozent.
  • Autovermieter: «Total ausgebucht» hiess es bei Europcar in Hannover. Sixt dankt den Lokführern augenzwinkernd: «HDGDL, GDL» – heisst: «Hab' dich ganz doll lieb, GDL.»
  • Taxi: Da wäre noch viel Platz frei. Von Köln bis München war der Tenor bei Taxifahrern: Die Leute kommen gar nicht erst zum Bahnhof.
  • Fluglinien: Air Berlin sprach von einem «sehr guten» Last-Minute-Geschäft. Auch die Lufthansa rechnete zunächst mit zusätzlichen Buchungen – doch jetzt streiken auch ihre Piloten.

Verkehrsreiches Wochenende

Die GDL hat für ihren Streik eines der reiseintensivsten Wochenenden gewählt, vielerorts beginnen oder enden die Herbstferien. Auf den Strassen war nach Angaben des ADAC dennoch überraschend wenig los. Die Reisenden stiegen vor allem auf Busse um – ausgerechnet die neue Konkurrenz der Fernbusse verzeichnete ein äusserst erfolgreiches Wochenende.