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Nach Risikoanalyse Swiss-Piloten dürfen wieder allein ins Cockpit

Legende: Audio «Swiss hebt Zwei-Personenregel im Cockpit auf» abspielen. Laufzeit 3:04 Minuten.
3:04 min, aus Rendez-vous vom 28.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Piloten der Swiss dürfen ab dem 1. Mai wieder allein ins Cockpit. Das schreibt die Fluggesellschaft in einer Mitteilung.
  • Durch die Regelung sei die Sicherheit nicht erhöht worden, im Gegenteil.
  • Das neue Regime gilt für die gesamte Lufthansa-Gruppe, zu der die Swiss gehört.
  • Die Zwei-Personen-Regel war nach dem durch einen Co-Piloten mutwillig herbeigeführten Germanwings-Absturz 2015 eingeführt worden.

Eine Risikoanalyse habe ergeben, dass die sogenannte Zwei-Personen-Cockpit-Regel nicht zu einer Erhöhung der Sicherheit beitrage, teilte die Swiss mit. Durch das häufigere und längere Öffnen der Cockpit-Türe würden gar zusätzliche Risiken entstehen.

Übereilte Massnahme nach Germanwings-Absturz

Die Regel war 2015 nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in Südfrankreich eingeführt worden. Damals hatte ein psychisch kranker Co-Pilot den Flugkapitän aus dem Cockpit gesperrt und das Flugzeug mit 150 Menschen an Bord bewusst abstürzen lassen.

Heute lässt sich sagen: Die Airlines haben mit der Einführung der Zwei-Personen-Regel überreagiert. Allerdings war der Druck der Politik und Öffentlichkeit damals sehr gross, etwas zu unternehmen. Die Fluggesellschaften wollten beruhigen, hatten aber die Gesamtübersicht noch nicht, was jetzt wirklich sicherer ist.

Die Airlines hielten sich damals an eine Empfehlung der EASA, der europäischen Agentur für Flugsicherheit, welche diese nur wenige Tage nach dem Unglück veröffentlicht hatte. Inzwischen hat die EASA ihre Empfehlung wieder rückgängig gemacht.

Psychologische Betreuung ist noch suboptimal

Eine andere Frage ist, ob bei der psychologischen Betreuung der Piloten Massnahmen ergriffen wurden – schliesslich war der Co-Pilot, der die Germanwings-Maschine zum Absturz brachte, psychisch angeschlagen.

Hier bemängelt etwa Aeropers, in der die Piloten von Swiss und Edelweiss organisiert sind, dass es keine unabhängigen Beratungsstellen für Piloten gebe, welche bei persönlichen Problemen Rat suchten.

Denn wenn ein Pilot mit seinen Sorgen zum Psychologen der eigenen Airline muss, ist die Hemmschwelle relativ gross, dies tatsächlich zu tun. Deshalb ist Aeropers mit der Swiss daran, sogenannte Peer-Support-Gruppen zu bilden. Hilfesuchende Piloten sollen sich also an speziell ausgebildete Berufskollegen wenden können, statt an den Psychologen. So soll die Hemmschwelle gesenkt werden.

Generell besteht bei den Airlines noch Handlungsbedarf, schon nur weil der wirtschaftliche Druck in der Branche immer grösser wird. Damit steigt auch der Druck auf die Piloten weiter.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Datenschutz geht anscheinend immer noch vor Sicherheit. Jedenfalls lese ich nirgends, dass neuerdings der Hausarzt oder sonst ein Arzt, welcher bei einem Piloten psychische Schäden vermutet oder festgestellt hat, verpflichtet ist, den ärztlichen Dienst der Fluggesellschaft zu verständigen, damit die weitere Eignung zum Führen eines Flugzeuges gründlich überprüft werden kann,.
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    1. Antwort von Robert Meier (R. Meier)
      Das würde auch nichts bringen, weil dann niemand mehr seinem Arzt vertrauen würde. Es wäre gar noch schlimmer. Psychisch angeschlagene Menschen würden keine ärztliche Hilfe mehr suchen. Ihre Lösung wäre kontraproduktiv, auch wenn sie im ersten Moment vielversprechend klingt.
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  • Kommentar von Yves Burkhardt (YB)
    Swiss Piloten dürfen alleine im Cockpit bleiben, ein feiner Unterschied zur Headline!
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